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Dürr-Drama: Medaille verpasst, Großes erreicht

Dürr-Drama: Medaille verpasst, Großes erreicht

Lena Dürr konnte als Halbzeit-Zweite nach der Medaille greifen. Am Ende kam es anders: Der Riesenslalom-Coup der Slalom-Spezialistin blieb aus. Ein Meilenstein ist es trotzdem.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Mit einer "Genussfahrt", wie sie es nannte, mit "so viel Spaß" und unter der italienischen Sonne ist Lena Dürr im ersten Durchgang des olympischen Riesenslaloms auf den zwischenzeitlich zweiten Platz gefahren. 34 Hundertstelsekunden hinter der Führenden und späteren Olympia-Siegerin Federica Brignone.

Alles sah danach aus, als würde sich die Riesenslalom-Revolution der Oberbayerin anbahnen. 12 Jahre nachdem Viktoria Rebensburg Riesenslalom-Bronze in Sotschi holte, sollte es endlich wieder mit dem Olympia-Podest für eine DSV-Athletin klappen. Doch im zweiten Durchgang leistete sich Dürr zu viele Fehler, zwei Mal kam sie komplett von der Ideallinie ab; wo andere carvten, staubte es bei der 34-Jährigen auf: Ein Hinweis darauf, dass sie den Ski querstellen musste, ein Vorbote auf den Rückstand, der sich wenig später auch in der Zeit-Anzeige niederschlug. Zwischenzeitlich lag sie dann wieder vorne, auf Podestkurs näherte sie sich dem Ziel, doch dann passierte der Fehler: "Hach, unglaublich, kurz vor dem Ziel, da habe ich richtig gemerkt, wie ich den Ski abgestochen habe", sagte Dürr nach dem Rennen. Am Ende wurde es der neunte Platz, nur 18 Hundertstelsekunden fehlten auf die Medaille. Dürr griff sich an den Helm, schüttelte den Kopf.

Im Video: Lena Dürrs Fahrt im zweiten Durchgang

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Dürrs Riesenslalom-Erfolg: Eine Frage der Zeit

Es hätte der bisher größte Erfolg der gebürtigen Münchnerin werden können, die bisher einen Weltcup-Sieg im Slalom und insgesamt 17 Podestplatzierungen in ihrer Spezialdisziplin feierte sowie eine WM-Silbermedaille in Courchevel 2023. Bei Olympia ist noch der Wurm drin: Auch bei den Winterspielen 2022 schrammte Dürr denkbar knapp an der Medaille vorbei: Sieben Hundertstel waren es damals. Und auch damals war es ein Fehler kurz vor dem Ziel, der sie den Olympia-Coup kostete.

Die Medaille blieb auch am Sonntag aus, ein Meilenstein ist es trotzdem: Denn im Riesenslalom war Dürr lange Zeit nur nebenberuflich unterwegs. Mittlerweile ist es eine Frage der Zeit, bis die Oberbayerin auch in ihrer zweiten Disziplin auf das Podest fährt. In der vergangenen Saison und auch im laufenden Winter hatte sich die 34-Jährige immer weiter nach vorne gearbeitet. Drei Mal fuhr sie in die Top Ten, in Copper Mountain im November wurde sie grandiose Sechste. Lena Dürrs Riesenslalom-Schwung wurde immer schneller, der Rückstand auf die Topstars der Disziplin kleiner - bis sie just beim wichtigsten Rennen des Jahres im ersten Durchgang einen Traumlauf zündete und von der Überraschungs-Medaille träumen durfte. "Es hat so Spaß gemacht, oh Mann!", sagte Dürr danach im ZDF nach dem ersten Lauf des Olympia-Riesenslaloms.

Lena Dürr: Durch Höhen und Tiefen

Es wirkt mittlerweile, als könne sie im Riesenslalom befreiter fahren. Während im Slalom Großes von Dürr erwartet wird, kann sich die Athletin vom SV Germering im Riesenslalom auf das Wesentliche konzentrieren: auf schnelle Schwünge und gute Rennen.

Fakt ist auch: Dürr kann mit Rückschlägen umgehen. Ein verpatzter zweiter Durchgang wird die gebürtige Münchnerin nicht aus der Bahn werfen. Immerhin ist es nicht der erste Rückschlag von Lena Dürr: Ihr Weg verlief nie nur linear. In eine Skifahrerfamilie geboren, feierte sie 2008 ihr Weltcup-Debüt. Wegen schneller Erfolge wurde die Oberbayerin früh als die Nachfolgerin von Maria Höfl-Riesch gehandelt. An den hohen Erwartungen sollte sie fast zerbrechen. 2018 verlor Dürr zwischenzeitlich sogar den Kaderstatus, woraufhin sie sich dem unabhängigen Privatteam World Racing Academy (WRA) anschloss.

Mit Positivität zum Slalom: "Bin stolz auf mich"

Dass sie nach dem Verlust des Kaderstatus dran blieb und sich zurückkämpfte, machte sich spätestens 2021/22 bezahlt: Vier Mal fuhr sie in der Saison aufs Podest. Auf ihren ersten und bisher letzten Weltcup-Sieg in ihrer Paradedisziplin Slalom musste Lena Dürr lange warten: 2023 - da war Dürr 31 Jahre alt und schon lange ein Fixpunkt in der Slalomwelt. Es war der erste Weltcupsieg in der Disziplin für eine DSV-Athletin seit 2012 (Maria Höfl-Riesch). Und so sollte Dürr spät also doch die hohen Erwartungen erfüllen und zur Nachfolgerin Höfl-Rieschs avancieren.

Mittlerweile stand Dürr im Slalom schon 17 auf dem Podium. Auch, wenn es am Sonntag nicht der Medaillencoup geworden ist: Das Rennen war ein weiterer Schritt in der Evolution von Lena Dürr: In ihrer vermeintlich schlechteren Disziplin machte sie erneut einen Schritt nach vorne. Vielleicht gelingt es ihr durch diesen Boost nun, in ihrer Paradedisziplin - dem Slalom - zuzuschlagen. Der steht immerhin schon am Mittwoch an. Und ganz Dürr-like fasste sie schon am Sonntag wieder positive Gedanken: Das Ergebnis tue zwar weh, aber "ich bin stolz, wie ich mich da rausgekämpft habe, das war schon so ein kleiner Sieg für mich, den hätte ich heute noch krönen können mit was Schönem."

Im Video: Dürrs Fabelfahrt im ersten Durchgang

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