Die FC Bayern Frauen haben in einem dramatischen Hinspiel des Champions-League-Halbfinals gegen den FC Barcelona ein Unentschieden erzielt. Eine besondere Szene in der Schlussphase sorgte für Aufreger: Franziska Kett zog Salma Paralluelo im Zweikampf an den Haaren und wurde mit einer glatten roten Karte von Schiedsrichterin Ivana Martincic vom Platz gestellt.
Bianca Rech: "Schiedsrichterin hat Kontrolle verloren"
Die Sportdirektorin der FCB-Frauen, Bianca Rech, hatte nach dem Spiel keine lobenden Worte für die Unparteiische übrig: "Die Schiedsrichterin hat die Kontrolle verloren in meinen Augen. Ich weiß nicht, wie viele Karten es am Ende waren, die sie da verteilt hat wie Smarties. Das ist aus meiner Sicht nicht korrekt."
Fünf Karten verteilte Martincic in der Schlussphase. Drei Gelbe für Ena Mahmutovic, Clara Serrajordi, Patri Guijarro und zwei Rote: eine für Kett wegen der Tätlichkeit, die andere für FCB-Coach José Barcala wegen Meckerns. Gerade die letzten beiden stellt Rech in Frage.
Rote Karte grundsätzlich diskussionswürdig?
Laut der Sportdirektorin müsse man im Frauenfußball grundsätzlich über das Haare-Ziehen sprechen. "Wenn man sieht, dass Spielerinnen Haare bis zum Gesäß haben und Franzi aus natürlicher Bewegung nach dem Trikot greifen will und dann irgendwie an die Haare kommt ... Ich finde, gerade bei dieser roten Karte, da muss man drüber diskutieren", sagte Rech nach der Partie.
Im Regelwerk wird das Ziehen an den Haaren als Tätlichkeit gewertet, weswegen das mit einer roten Karte zu bestrafen ist. Doch genau diese Regel findet Rech zu hart. "Es ist aus meiner Sicht ein Unterschied, wenn du einer Spielerin am Oberkopf an den Haaren reißt, oder unten irgendwo an die Haare dran kommst in einer Situation, wo du nach einem Trikot packst."
Pernille Harder: "Niemals mit Absicht"
Der Kernpunkt für Rech befindet sich hier also in der Frage nach der Absicht einer solchen Tätlichkeit. Diesbezüglich nahm auch Pernille Harder ihre Teamkollegin nach dem Spiel in Schutz: "Ich habe die Situation nicht gesehen, ich weiß nur, dass Franzi niemals mit Absicht an den Haaren ziehen würde."
Bianca Rech kritisiert auch den Platzverweis gegen den Trainer und findet die Entscheidung "unverständlich. Vor allen Dingen, die Begründung war, dass er das ganze Spiel protestiert hätte. Da muss ich ganz ehrlich sagen, das kann ich nicht nachvollziehen."
Berechtigt oder nicht, Fakt ist, sowohl Kett als auch Barcala werden den Bayern-Frauen im Rückspiel fehlen, was Giulia Gwinn bedauert. "Das ist natürlich ein Nachteil für uns. Franzi hat ein super Spiel gezeigt, hat am Ende das Tor gemacht und wirklich super Aktionen gehabt. Sie fehlt jetzt im Rückspiel. Genau das gleiche mit unserem Trainer, der ja eigentlich der Kopf oder das Herz unserer Mannschaft ist. Das ist natürlich bitter."
Giulia Gwinn mit Kampfansage: "Nicht verstecken, sondern Vollgas"
Trotzdem freut sich die deutsche Nationalspielerin auf das Rückspiel am 3. Mai. "Das ist jetzt ein Halbfinale, was genau diesen Charakter hat: Alles auf Null. Wir haben nichts zu verlieren."
Für Gwinn wird es das erste Mal sein, dass sie im Camp Nou beim FC Barcelona aufläuft. Nach der starken fußballerischen Leistung ihres Teams in der Münchner Arena sei sie sehr stolz und schickt gleich noch eine Kampfansage hinterher: "Wir haben gespürt, was möglich ist, dass wir zu unseren Chancen kommen. Deshalb: kein bisschen verstecken, sondern Vollgas."
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