Morgan Rogers war voll des Lobes. "Für mich sollte er den Ballon d'Or gewinnen. Ich denke, mit der Saison, die er gespielt hat, hat er alle Erwartungen übertroffen. Triple (Deutsche Meisterschaft, DFB-Pokal, Supercup, Anm. d. Red.), ein Hattrick in einem Finale, Tore bei der Weltmeisterschaft, Tore für Bayern. Was kann er noch machen? Das muss belohnt werden", schwärmte der Chelsea-Star.
Kane schießt Tschechien im Alleingang ab
Wen der englische Nationalspieler am Dienstagabend in den Katakomben des Wembley-Stadions so pries? Harry Kane, der Kapitän der Three Lions, der Tschechien gerade im Alleingang bezwungen hatte.
Eine "Vorlage" zum Eigentor von Vladimir Coufal und einen Doppelpack hatte der 32-Jährige zur Feier seines Länderspiel-Einsatzrekordes für England aufgelegt. Es war die jüngste von Kanes Sternstunden, die sich seit Beginn der vergangenen Saison mit beängstigender Geschwindigkeit häufen.
Kane mit Fabelzahlen für FC Bayern und England
Von Start der Spielzeit 2025/26 bis heute hat Kane für den FC Bayern München 67 Tore und neun Vorlagen in 58 Einsätzen geliefert. Dazu sechs Treffer und ein Assist bei der WM, die die Engländer auf Rang drei abschlossen - besser schnitt das "Mutterland des Fußballs" seit 1966 nicht ab.
Bei einer solchen Bilanz verwundert es kaum, dass Kane einer der großen Favoriten auf den diesjährigen Ballon d'Or ist. Jener begehrten Auszeichnung, die am 26. Oktober für den besten Spieler im Zeitraum vom 1. Juli 2025 bis zum 19. Juli 2026 vom Fachmagazin France Football vergeben wird.
Auch Olise hofft auf Ballon d'Or
Als Kanes Hauptkonkurrent um den Goldenen Ball gilt neben Kylian Mbappé (Real Madrid), Erling Haaland (Manchester City) und den Spaniern Lamine Yamal und Rodri (beide FC Barcelona) ausgerechnet ein Teamkollege des Stürmers.
Auch Michael Olise hat ein historisches Jahr hingelegt. Für den FC Bayern hat er in der vergangenen Spielzeit in 52 Spielen 22 Treffer erzielt und 31 weitere vorbereitet, mit derselben Titelausbeute wie Kane. Nebenbei stellte er im Sommer den Rekord für die meisten Assists (7) innerhalb einer Weltmeisterschaft auf, womit er Pelé (6) ablöste.
Kane vs. Olise: Tore vs. Wow-Faktor
Mehr als Statistiken spricht sein Spielstil für Olise. Der 24-Jährige spielt mit einer Kunstfertigkeit Fußball, die in der jüngeren Vergangenheit des Sports ihresgleichen sucht. Die Ballon-d'Or-Argumente des Duos im direkten Vergleich sind klar: Kane trifft (viel) mehr, Olise liefert den Wow-Faktor.
Allerdings: Ein Triumph durch Kane oder Olise wäre ein Bruch mit dem ungeschriebenen Ballon-d'Or-Gesetz. Üblicherweise muss der Preisträger die Champions League gewonnen haben, wenn er in einem WM-Jahr den Titel mit seiner Nationalmannschaft verpasst. Seit 1995 brachen die Wahlberechtigten nur 2010 für Lionel Messi mit dieser Konvention.
Yamal stark im Verein, blass bei der WM
Dass sich die Teamkollegen Kane und Olise auch ohne internationale Pokale Hoffnung auf den Ballon d'Or machen können, hat einerseits mit ihrer Leistung, andererseits mit der Konkurrenz zu tun. Sowohl bei Spaniens Weltmeistern als auch bei Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain fußte der Erfolg auf dem Kollektiv.
Zwar taten sich auch dort einzelne Spieler hervor, doch ist deren Resümee keineswegs makellos. Rodri war der Kopf der spanischen Gipfelstürmer, doch der 30-Jährige absolvierte für ManCity verletzungsbedingt nur 33 Spiele. Yamal spielte eine starke Vereinssaison (24 Tore, 18 Vorlagen), blieb bei der WM (ein Treffer, ein Assist) aber hinter den Erwartungen zurück.
Vereinserfolge sprechen für Kane und Olise
Bei den PSG-Stars sind die Probleme ähnlich gelagert. Regisseur Vitinha scheiterte bei der WM mit Portugal bereits im Achtelfinale. Khvicha Kvaratskhelia qualifizierte sich mit Georgien gar nicht erst, während Ousmane Dembélé an der Messlatte seiner bärenstarken Spielzeit 2024/25 scheitern dürfte.
Bleiben noch Mbappé und Haaland, die wie Kane und Olise die ganz großen Titel verpassten. Beide konnten individuell auf ganzer Linie überzeugen, ihre Mannschaften waren aber anders als Kane und Olise mit Bayern auf nationaler Ebene nicht das Nonplusultra. Zwei Pokal-Erfolge (FA-Cup und EFL-Cup) standen für Haaland mit ManCity in England zu Buche, während Mbappé mit Real gänzlich titellos blieb.
Gut möglich also, dass sich die stimmberechtigten Journalisten tatsächlich Kane oder Olise küren. Schließlich hätten die beiden, um Morgan Rogers' Frage zu beantworten, nicht viel mehr machen können.
