Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten haben im Wald bei Jachenau einen ungewöhnlichen Schwarzbau entdeckt: eine zweistöckige Holzhütte, rund viereinhalb mal dreieinhalb Meter groß und grün gestrichen. Auch Fenster im Erdgeschoss und im ersten Stock hat der Bauherr eingebaut. Anscheinend handelt es sich um einen Hüttenbausatz aus dem Baumarkt.
Bretter nachts zu Fuß in den Wald gebracht
Aufgefallen war den Forstmitarbeitern zunächst, dass jemand Bretter nahe eines Forstweges im Bereich der Orterer Alm gelagert hatte. Monate später entdeckten sie rund einen Kilometer entfernt in unwegsamem Gelände einen vorbereiteten Bauplatz. Nach Ermittlungen der Polizei hat der spätere Bauherr das Holz zu Fuß dorthin transportiert – teilweise mitten in der Nacht.
Die Hütte selbst soll innerhalb von vier Wochen im August entstanden sein. Im Rahmen einer polizeilichen Überwachung fiel der Mann auf. Er trug Survival-Kleidung und eine Waffe. Die Polizei konnte ihm schließlich ein Fahrzeug zuordnen und so seine Personalien ermitteln.
Waffen und Armbrust sichergestellt
Bei einer anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung stellten die Ermittler unter anderem eine Armbrust sicher. Der Mann räumte außerdem ein, erlaubnisfreie Schusswaffen zu besitzen. Er erklärte der Polizei, die Waffen dienten seiner Verteidigung.
Der Mann ordnet sich offenbar der Prepper-Szene zu. Prepper sind Menschen, die sich auf mögliche Krisen, Katastrophen oder andere Notlagen vorbereiten – etwa durch das Anlegen von Vorräten und das Lagern von Ausrüstung.
Hütte muss abgebaut werden
Als Motiv für den Bau der Hütte gab der Mann gegenüber der Polizei an, er habe sich einen "Rückzugsort" schaffen wollen. Dass das Haus zweistöckig gebaut wurde, hatte laut Polizei einen praktischen Grund: Längere Bretter passten nicht in den Kleinwagen des Mannes.
Nun muss die Hütte wieder abgebaut werden. Die Kosten für den Rückbau dürfte der Bauherr tragen. Gegen ihn wird unter anderem wegen Verstößen gegen das Bau- und Naturschutzrecht, wegen des unerlaubten Führens von Waffen sowie wegen Beschädigungen von Waldboden und Bäumen ermittelt.
Ähnlicher Prepper-Fund bei Lenggries
Der Fall erinnert an einen Fund im vergangenen Sommer bei Lenggries. Im Karwendel war ein verstecktes Prepper-Lager entdeckt worden. In mehreren Fässern befanden sich unter anderem Lebensmittel, Medikamente und weitere Ausrüstung. Wer das Lager dort angelegt hat, ist bislang unbekannt. Die Polizei macht in diesem Zusammenhang deutlich: Auch abgelegene Orte im Wald sind kein rechtsfreier Raum.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
