Die meisten Schiedsrichter bleiben nur dann wirklich im Gedächtnis, wenn sie Fehler machen. Bei Deniz Aytekin ist das anders. Der Mittelfranke hat sich in 18 Jahren Anerkennung verschafft - auf dem Platz und auf den Rängen. Jetzt beendet er am Samstag beim Spiel zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FC Köln (ab 15.30 Uhr live in der Radioreportage bei BR24Sport) seine Karriere als Bundesliga-Schiedsrichter.
"Ich werde die ganzen Menschen nicht vergessen, die man über Jahre immer wieder gesehen hat", sagt der 47-Jährige im "Blickpunkt Sport"-Interview im BR Fernsehen. "Ich meine gar nicht die Spieler, Trainer, Verantwortlichen. Ich meine vor allem, die Menschen, die seit Jahren eine Dauerkarte haben. Wenn man sich warm macht, einen persönlich begrüßen. Da fühlt man sich schon als Teil der Fußball-Familie."
Schiedsrichter mit klarer Kante
Aytekins Job ist vielleicht der härteste auf dem Platz. Die Gefahr, dass ein Spiel aus den Händen gleitet, ist immer gegeben, die Fans sind selten auf der Seite des Unparteiischen. Aber Aytekin hat es trotzdem immer geschafft, den Spielern auf Augenhöhe zu begegnen, sich seinen Respekt zu erarbeiten. Mit klarer Kante, mit guter Kommunikation und mit dem richtigen Fingerspitzengefühl.
"Mir ist bewusst, dass ich auch ganz viele Menschen schon geärgert habe", erzählt der gebürtige Nürnberger. "Aber irgendwie überwiegt bei mir das Gefühl, dass sowohl die Menschen, die im Fußballgeschäft agieren, als auch die Fans ganz zufrieden und happy sind, wie das jetzt zu Ende geht. So nehme ich auch die ganze Wertschätzung wahr."
Im Video: Schiedsrichter Deniz Aytekin im Porträt
Schiedsrichter Deniz Aytekin
Aytekin dreimal Schiedsrichter des Jahres
Dreimal wurde Aytekin zu Deutschlands Schiedsrichter des Jahres gewählt (2019, 2022, 2024), von 2012 bis 2022 war er sogar FIFA-Schiedsrichter. 2023 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden. Als Unparteiischer stand er 254 Mal in der Bundesliga auf dem Platz, verteilte in dieser Zeit 935 Gelbe Karten.
Am Samstag könnten noch einige dazu kommen. Die letzten in seiner großen Karriere: "Ich habe so viele letzte Male gehabt. Das ist schon immer außergewöhnlich", erzählt Aytekin. "Ich war das letzte Mal in Hamburg, dann fällt ein Tor. Dann hörst du zum letzten Mal Scooter als Tormusik laufen."
Keine Schiedsrichter-Karriere in unterklassigen Ligen
Scooter wird er am Samstag nicht mehr hören, sondern stattdessen vermutlich ein herzhaftes "Jabadabodoo" bei Toren des FCB. Nach dem Abpfiff ist dann endlich Zeit für Familie und Freunde: "Ich denke, ich werde eine kleine Feier machen", sagt er. "Das Besondere ist, wenn Menschen dabei sind, die einem nah und wichtig sind."
Und für diese Menschen hat Aytekin jetzt Zeit. Eine Schiedsrichter-Karriere in einer unterklassigen Liga steht aktuell nicht im Raum: "Da müsste ich einen schriftlichen Antrag bei meiner Frau stellen, der wird definitiv abgelehnt."
Am Samstag gegen 17.30 Uhr endet Aytekins Karriere als Bundesliga-Schiedsrichter. Die Anerkennung, die er sich in den vergangenen 18 Jahren erarbeitet hat, aber bleibt.

