Markus Schwabl
Markus Schwabl
Bild
Markus Schwabl
Bildrechte: picture alliance / foto2press | Sven Leifer
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / foto2press | Sven Leifer
Videobeitrag

Markus Schwabl

Aktualisiert am
Videobeitrag
Erschien zuerst am
> Sport >

Haching und das Drittliga-Dilemma: "Es ist kein Wunschkonzert"

Haching und das Drittliga-Dilemma: "Es ist kein Wunschkonzert"

Die SpVgg Unterhaching verzichtet trotz der guten sportlichen Ausgangslage auf den Aufstieg in die 3. Liga und löst großen Unmut bei ihren Fans auf. Vereinspatron Manfred Schwabl spricht im BR24Sport-Interview über die Gründe.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Bald ist es 26 Jahre her, dass die SpVgg Unterhaching am 34. Spieltag der Bundesliga das Zünglein an der Waage spielte und dem FC Bayern München durch einen 2:0-Sieg gegen Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen noch zur Deutschen Meisterschaft verhalf.

Unterhaching verzichtet auf den Aufstieg

Es war der vielleicht größte Moment in der Fußball-Geschichte des Münchner Vorortes. Die "kleine" Spielvereinigung spielte eine Hauptrolle im Konzert der Großen. Mittlerweile ist die Realität eine andere, denn Unterhaching könnte kaum weiter davon entfernt sein, den Protagonisten auf dem Parkett des deutschen Oberhauses zu geben.

Wie der Klub am Dienstag bestätigte, wird man den sportlich beinahe greifbaren Aufstieg in die 3. Liga nun doch nicht weiterverfolgen. Der Grund? Das liebe Geld. Die Erfüllung der Auflagen oberhalb der Regionalliga Bayern ist für den Verein aktuell nicht nachhaltig finanzierbar.

Fans fordern Erklärung auf Mitgliederversammlung

Die Nachricht löste einen Aufschrei in der aktiven Fan-Szene der Rot-Blauen aus. Die Ultra-Gruppierung "Classic Squad" forderte "die schnellstmögliche Einberufung einer Mitgliederversammlung", um "einen klaren und transparenten Fahrplan für die kommenden Jahre" vorzuzeichnen.

Der Ärger der Anhänger entzündete sich dabei vor allem am Zeitpunkt der Bekanntgabe drei Spieltage vor Saisonende mit einem Punkt Vorsprung auf den größten Konkurrenten Würzburger Kickers.

Schwabl versteht Fan-Ärger

Den Unmut kann Präsident und Geschäftsführer Manfred Schwabl nachvollziehen. "Die Meinung kann man nicht ganz vom Tisch wischen. Es ist klar, dass die Fans, die die Mannschaft super anfeuern, enttäuscht sind. Hinterher ist man immer schlauer. Vielleicht hätten wir es früher bekannt geben sollen, aber letztendlich ist die Entscheidung erst zum Schluss gereift", erklärte der 60-Jährige im Interview mit BR24Sport.

Auch die Mannschaft sei über den Rückzug aus den Aufstiegsambitionen alles andere als glücklich. Die Spieler "waren natürlich nicht erfreut", berichtete Schwabl, bevor er hinterherschob: "Aber es ist kein Wunschkonzert und es ist dieses Jahr einfach nicht möglich."

Unterhaching "von der Struktur her nicht so aufgestellt"

Woran es liegt, dass die 3. Liga für Unterhaching zumindest kurzfristig kein Thema ist, deutete Schwabl gegenüber BR24Sport nur an. "Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geben das bei uns momentan einfach nicht her", berichtete der viermalige Nationalspieler: "Wir sind einfach von der Struktur her nicht so aufgestellt, dass das einfach so durchläuft. Da ist die Einnahmensituation einfach nicht so, wie man sie für die 3. Liga bräuchte."

Ein Problem ist dabei auch die ökonomische Lage auf globaler Ebene mit der steigenden Inflation durch den Iran-Krieg. "Es gibt immer wieder neue Pläne, aber das wirtschaftliche Umfeld auf diesem Planeten ist momentan auch nicht sehr rosig", meinte Schwabl, ohne sich aus der Verantwortung zu drücken: "Das ist keine Ausrede, sondern einfach eine Erklärung."

Unterhaching zeigt Probleme der 3. Liga

Der Fall Unterhaching, das als zweiter Anwärter nach der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg auf den möglichen Aufstieg aus der Regionalliga Bayern verzichtet, weist auf ein tiefgreifendes Dilemma der 3. Liga hin.

Nachdem während der Corona-Zeit mehrere Vereine wie Türkgücü München oder der 1. FC Kaiserslautern insolvent gegangen waren, hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Auflagen für die Klubs in der dritthöchsten Spielklasse verschärft, um die wirtschaftliche Stabilität zu erhöhen.

Unter anderem müssen die Vereine, "deren Gesamterträge zu 80 Prozent oder mehr für Personalaufwendungen im Spielbetrieb verwendet werden", zusätzlich ein finanzielles Polster von einer Million Euro beim DFB deponieren.

Unterhachings Motto: Jugend forscht

Auch wenn die Maßnahmen Wirkung zeigen, machen es die Voraussetzungen für Klubs wie Unterhaching schwieriger. Damit man irgendwann wieder zumindest in die Nähe einer Nebenrolle auf der deutschen Fußball-Bühne kommt, will die Spielvereinigung zukünftig noch mehr als ohnehin schon auf die eigene Jugend setzen.

"Im Nachwuchs wird super Arbeit geleistet und es kommen jetzt Jahrgänge nach, die wirklich sehr vielversprechend sind", versicherte Schwabl: "Die Nachwuchsarbeit muss das Fundament sein. Dass das nicht jedem gefällt, ist klar. Aber man muss als Vorstand zusammen mit dem Aufsichtsrat eben so entscheiden, dass es für den Verein am besten ist."

Manfred Schwabl
Bildrechte: BR24Sport
Videobeitrag

Manfred Schwabl

Tabellenführung und Abstiegskampf, aktuelle Spielpaarungen, Ergebnisse und Liveticker, Torjägerlisten, Laufleistung- sowie Zweikampfstatistiken und noch viel mehr: Fußball im Ergebniscenter von BR24Sport.