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Zusammenbrüche als Chance: Psychologe macht Musiala Hoffnung

Zusammenbrüche als Chance: Psychologe macht Musiala Hoffnung

Während die Fußballwelt darüber diskutiert, wie es mit Jamal Musiala weitergeht, rückt auch die Frage nach den psychischen Folgen in den Fokus. Der Psychologe Dr. Karl Kubowitsch sieht in den Absencen auch eine Chance für den Star des FC Bayern.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Innerhalb weniger Tage ist Jamal Musiala zweimal während eines Testspiels auf dem Rasen zusammengebrochen. Mittlerweile teilte der FC-Bayern-Star eine Diagnose und sprach von einer neurologischen Dysfunktion und Absencen.

Psychologe über Fall Musiala: "Existentielle Verunsicherung"

Von der Vereinsseite wurde verschiedentlich betont, dass der Befund bereits seit längerem bekannt war. Und auch der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen hob hervor, dass er den 23-Jährigen gelassen und keineswegs niedergeschlagen erlebe.

Dennoch diskutiert die Fußballwelt nun darüber, was die Diagnose für Musiala und seine Karriere bedeutet, stellt sich auch die Frage nach den psychischen Folgen. Der Psychologe Dr. Klaus Kubowitsch sieht eine besondere Belastung für den Dribbelkünstler. "Wenn nicht nur der Körper streikt, sondern das eigene Bewusstsein für einige Momente nicht mehr zur Verfügung steht, dann ist das eine existentielle Verunsicherung", erklärt Kubowitsch im Interview mit BR24Sport.

Wenn der eigene Körper zum Rätsel wird

Eine klassische Sportverletzung, etwa eine Knieverletzung, sei psychisch häufig einfacher einzuordnen. "Mit einer Verletzung des Bewegungsapparats kann man leichter umgehen, weil wir damit vertraut sind", erklärt Kubowitsch. Einer Verletzung liegt meist eine klar definierbare Ursache zugrunde: die Knieverletzung als Resultat des Sturzes, der Knöchelbruch als Resultat des schweren Fouls.

Bei einer neurologischen Dysfunktion hingegen, so der Sportpsychologe, "ist es schon mal wesentlich geheimnisvoller, was da passiert." Sportler sind mit ihrem Bewegungsapparat vertraut, aber was im Kopf vorgeht, bleibt oft ein Rätsel.

Deshalb sind die psychischen Auswirkungen nicht ohne Weiteres mit jenen einer gewöhnlichen Verletzung vergleichbar. Der Sportpsychologe rät in Musialas Fall zu einer fundierten psychologischen Begleitung. Vor allem gehe es darum, den deutschen Nationalspieler im Umgang mit der Krankheit zu unterstützen und ihm dabei zu helfen, die Situation zu akzeptieren.

Nicht jede Krise führt zu einem Trauma

Wie stark Verletzungen und Rückschläge einen Sportler prägen, hängt stark von dessen Persönlichkeit ab, aber auch das Alter spielt eine Rolle. Musiala zählt mit seinen 23 Jahren zur jüngeren Generation der Topspieler. "Das Ganze kann in jungen Jahren stärkere Spuren hinterlassen kann als bei jemandem, der vielleicht doppelt so alt ist wie Musiala", so Kubowitsch.

Als möglichen Extremfall nennt der Sportpsychologe eine posttraumatische Belastungsstörung. Allerdings betont er, dass eine solche Störung keineswegs zwangsläufig die Folge eines derartigen Erlebnisses sein muss. Leichtere Anpassungsprobleme aber seien bei einer so einschneidenden Veränderung der Lebenssituation durchaus möglich.

Rückschläge als Chance - Was kann Musiala aus der Situation lernen?

Eine Krise wie diese kann aber auch eine Chance sein. Durch das positive Bewältigen von Rückschlägen können Resilienz und Widerstandskraft aufgebaut werden. Gerade für Musiala muss die aktuelle Situation daher nicht ausschließlich negative Folgen haben. Die daraus entstehende mentale Stärke kann später auch in anderen schwierigen Situationen helfen – beispielsweise bei einem wichtigen Turnier. "Man kann frühzeitiger innere Stärken weiterentwickeln und als Persönlichkeit noch mehr Statur gewinnen, als es ohne diese Krisen der Fall gewesen wäre", erklärt der Sportpsychologe.

Um die negativen Erlebnisse nun in Resilienz umzuwandeln, sei die Aufarbeitung das A und O. Unverarbeitete Erfahrungen könnten später wieder an die Oberfläche kommen – möglicherweise genau dann, wenn ein Sportler sie am wenigsten gebrauchen kann, etwa während eines Spiels. "Der richtige Weg ist immer: verarbeiten statt verdrängen", betont Kubowitsch. Dazu gehöre, sich in einem psychologischen Safespace unter professioneller Begleitung mit dem Erlebten auseinanderzusetzen.

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