Der TSV 1860 München ist im Sommer zum zweiten Mal nach 2017 in die Regionalliga Bayern abgestiegen. Wieder erfolgte der Weg in den Amateurfußball nicht wegen der sportlichen Leistung, sondern aufgrund finanzieller Probleme im Zuge von Streitigkeiten mit Investor Hasan Ismaik.
1860: Depression ist vorsichtiger Euphorie gewichen
Der diesmalige Zwangsabstieg führte zur endgültigen Trennung von dem Jordanier und zur Insolvenz der KGaA, in der der Spielbetrieb der ersten Mannschaft organisiert gewesen war.
Nach dem ersten Schock haben sich die Löwen und ihre Fans mittlerweile mit der neuen Realität abgefunden und die Depression über die Hiobsbotschaft ist vorsichtiger Euphorie ob des Neustarts und der plötzlichen Selbstbestimmung gewichen.
Bierofka: Zwangsabstieg "erst mal ein Schock"
Auch bei Vereinsikone Daniel Bierofka waren die Emotionen nach dem feststehenden Zwangsabstieg hochgekocht. Im Interview mit BR24Sport hatte er die Situation damals als "Schande" und den Verantwortlichen als "verantwortungslos und charakterlos" bezeichnet.
Am Sonntagabend in "Blickpunkt Sport" ruderte Bierofka, der die Löwen 2018 zurück in die 3. Liga geführt hatte, ein Stück weit zurück. "Für mich war es erst mal ein Schock. Wenn man weiß, wie viel damals 2017/18 alle investiert haben, um diesen Schritt von der Regionalliga in die 3. Liga zu schaffen", erklärte der 47-Jährige seinen Ausbruch.
Bierofka: 1860-Absturz "ein Schlag aus dem Nichts"
Der neuerliche Abstieg sei als "Schlag aus dem Nichts" gekommen. "Da hatte sich nichts angekündigt. Dementsprechend war ich in dem Moment extrem enttäuscht und konnte es nicht nachvollziehen, dass man neun Jahre in den Sand gesetzt hat", so Bierofka.
Die verspielte Zeit wurmt den Verbandstrainer beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) trotz des abgekühlten Gemüts aber immer noch: "Was man in neun Jahren aus einem Verein machen kann, das zeigen viele andere Vereine, die mittlerweile sehr weit oben sind. Das ist eigentlich das, was mich am meisten gestört und wütend gemacht hat. Jetzt fängst du in der Regionalliga wieder fast bei Null an, hast eine neue Mannschaft, musst alles neu aufstellen."
Im Video: Bierofka bei den 1860-Fans noch immer eine Legende
Daniel Bierofka
Bierofka nimmt 1860-Bosse in die Pflicht
Die Riege der Vereinsbosse um Präsident Gernot Mang sieht Bierofka in der Pflicht: "Hasan Ismaik ist nicht mehr da und dementsprechend liegt es jetzt in der Hand der Verantwortlichen, dass sie jetzt das Beste daraus machen und schauen, dass man möglichst schnell wieder zumindest in die 3. Liga kommt."
Generell sieht Bierofka 1860 aber in einer besseren Verfassung als 2017. "Die ganze Konstellation im Vorstand hat sich total verändert. Am Anfang waren fast keine Ansprechpersonen da. Niemand hat gewusst, wer derjenige ist, der den Weg vorgibt. Ich glaube, das war dieses Mal anders. Als der Tag X kam, war das Präsidium da. Der Verein war mit dem Verwaltungsrat so aufgestellt, dass er handlungsfähig war. Das ist der größte Unterschied zu damals", sagt der Oberbayer.
Bierofka: Ismaik-Streitigkeiten haben "sehr viel Energie gekostet"
Durch das Aus von Ismaik sieht Bierofka die Möglichkeiten für eine bessere Zukunft an der Grünwalder Straße gegeben: "Der Investor hat immer ein bisschen gespalten. Die einen waren eher für den Investor, die anderen eher dagegen. Deswegen hattest du immer Reibung im Verein. Das hat sehr viel Energie gekostet, die man aus meiner Sicht besser woanders investiert hätte. Das ist erst einmal weg."
Trotzdem warnt der gebürtige Münchner vor überhöhten Erwartungen: "Du hast einerseits die Perspektive, dass man sagt, man startet ohne den Investor durch. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass auf diesem Weg nach oben sehr viele Probleme kommen werden, die man noch gar nicht auf dem Schirm hat", meint Bierofka.
Bierofka verlässt die Löwen 2019
Der ehemalige Mittelfeldspieler hatte von 2000 bis 2002 für 1860 gespielt, bevor es ihn zu Bayer 04 Leverkusen zog. Nach einem weiteren Zwischenstopp beim VfB Stuttgart kehrte er 2007 zu den Münchnern zurück. 2014 beendete Bierofka seine aktive Karriere und begann seine Trainerlaufbahn im Nachwuchsbereich der Löwen.
Nach Zwischenspielen als Co- und Interimstrainer der ersten Mannschaft übernahm er das Team nach dem Zwangsabstieg 2017 hauptamtlich und coachte es zum Aufstieg in die 3. Liga. Im November 2019 verließ er den Klub aus persönlichen Gründen.
Im Video: Highlights zu TSV 1860 München - 1. FC Nürnberg II
Zweikampf bei TSV 1860 München gegen 1. FC Nürnberg
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