Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagabend auf den Rasen des MetLife Stadiums in New Jersey tritt, wirkt es wie eine Akklimatisierung am Sehnsuchtsort. Am noch fernen 19. Juli will sich das DFB-Team nämlich ebenda seinen Traum vom fünften WM-Titel erfüllen. Vorerst muss jedoch mit einem sportlich weniger bedeutsamen Spiel gegen Ecuador (Ab 22.00 Uhr live in der ARD und in der ARD-Mediathek, sowie in der Radioreportage bei BR24Sport) vorliebgenommen werden - und mittendrin steckt der gebürtige Nürnberger David Raum, der in Nordamerika trotz weniger Einsatzminuten zu den präsentesten Akteuren zählt.
Ein "Glue Guy" namens David Raum
Ein "Glue Guy" gilt in der Welt des Sports als unbesungener, aber essenzieller Teamplayer - also als Spieler, der eine Mannschaft wie Klebstoff zusammenhält. Im Fall der deutschen Nationalmannschaft hat sich in Raum längst ein solcher gefunden. Schon bei der Heim-Europameisterschaft vor zwei Jahren stach die "Bromance" zwischen dem 28-jährigen Außenverteidiger und Joshua Kimmich ins Auge. Die auf dem Instagram-Account des DFB gemeinsam betriebene Pflanzenkunde oder Ausflüge auf viel zu kleinen Fahrrädern verliehen dem Nationalteam nun auch in Nordamerika eine außergewöhnliche Nahbarkeit.
Eine jener menschlichen Qualitäten, nach denen Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der Zusammenstellung seines Kaders für die WM 2026 gesucht hatte. "Ich bin unglaublich froh, dass du Teil dieser Mannschaft bist, weil du immer eine extrem positive Verrücktheit reinbringst", hatte der 38-Jährige bei der Nominierung vor wenigen Wochen gesagt. "Und diese Gier, die du außerhalb des Platzes hast, für gute Laune zu sorgen, die hast du auch auf dem Platz, um Spiele zu gewinnen."
Raum und die Degradierung zum Reservisten
Allein wegen seiner Kumpelhaftigkeit und seines Hangs zum Scherzen schaffte Raum aber nicht den Sprung in den deutschen WM-Kader. Lange Zeit galt der Franke in Diensten von RB Leipzig als Favorit auf die Stammrolle als Linksverteidiger, in den finalen Wochen vor dem Auftakt gegen Curacao (7:1) wurde er jedoch von Nathaniel Brown überholt. Stunk und Trotz waren aus seiner Richtung aber nie zu vernehmen - im Gegenteil.
David Raum (Mitte) gilt als ein waschechter Teamplayer
Nach dem zwischenzeitlichen 5:1 durch Brown gegen Curacao war er einer der ersten Gratulanten, bei seiner Einwechslung für seinen teaminternen Rivalen blieb eine innige Umarmung im Gedächtnis. "Ich bin zwar sein Konkurrent, aber in erster Linie zählt für mich der Erfolg der Mannschaft", sagte Raum im Interview mit t-online hinsichtlich seiner Degradierung zum WM-Reservisten. "Die Situation ist für mich keine schwere, sondern eine, in der ich wachse. Es ist für mich selbstverständlich, dass ich vor einem Spiel zu Nene [Browns Spitzname, Anm.d.Red.] hingehe und ihm ein gutes Gefühl gebe, auch wenn er meine Position spielt." Ein Teamplayer aus dem Nagelsmann-Lehrbuch.
Brown muss passen: Erinnerungen an EM 2024 werden wach
Für das finale Gruppenspiel gegen Ecuador, in dem es für das bereits als Gruppensieger feststehende Deutschland um nichts mehr geht, ist Raum, der schon vor vier Jahren in Katar dabei war, trotz seiner eigentlichen Rolle für die Startelf vorgesehen. Aufgrund von Schmerzen im Adduktorenbereich muss Brown nämlich vor dem Start in die K.o.-Phase aussetzen. Die große Chance für Raum also? Nicht unbedingt.
"Nathaniel hat ein extremes Pensum gefahren in den letzten Spielen. Das ist eher eine Vorsichtsmaßnahme und nichts Strukturelles. Wenn es ein K.o-Spiel wäre, könnte er auflaufen", nahm Nagelsmann etwaigen Hoffnungen seines Schützlings den Wind aus den Segeln. Bei "Glue Guy" Raum kann sich der Bundestrainer aber sicher sein, dass er seine Rolle zu 100 Prozent annimmt - und trotzdem tut sich ein kleines Fenster auf. Vor zwei Jahren wurde ihm bei der EM Maximilian Mittelstädt vor die Nase gesetzt. Nach seiner Fabelleistung als Joker samt Vorlage im letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz (1:1) verdrängte er den Stuttgarter aus der Startelf. Wiederholt sich nun die Geschichte?
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