Vorbereitungen auf das Chiemsee Reggae Summer-Festival 2026
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Chiemsee Reggae Summer: Wirbel um Headliner-Absage

Chiemsee Reggae Summer: Wirbel um Headliner-Absage

Das Chiemsee Reggae Summer-Festival kehrt nach zehn Jahren zurück und will vieles besser machen. Das neue Konzept ist kleiner und regionaler, doch der Headliner Capleton hat kurzfristig abgesagt. Das sorgt für Gesprächsstoff bei den Festival-Gästen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Der Boden ist hart und trocken, bei jedem Schritt steigt Staub auf. Auf der Hauptbühne werden Banner montiert, ein Gabelstapler transportiert Absperrgitter über das Gelände, Techniker ziehen Kabel durchs Gras. Es ist heiß in Übersee und der Chiemsee Reggae Summer hat noch nicht einmal begonnen.

Martin Altmanns Telefon klingelt alle paar Minuten. Der Geschäftsführer des Veranstalters "Aloha Promotion" läuft zwischen Bühne, Biergarten und Campingplatz hin und her. Von Freitag bis Sonntag kehrt das Festival nach zehn Jahren Pause zurück. Doch kurz vor dem Start muss es gleich mehrere Belastungsproben bestehen: Ein Headliner hat abgesagt, die Ticketpreise sorgen für Diskussionen und am Samstag werden bis zu 36 Grad erwartet.

Capleton sagt kurzfristig ab

Besonders ärgerlich für Altmann: Der jamaikanische Reggae-Sänger Capleton, als einer der größten Namen des Wochenendes angekündigt, hat seinen Samstagabend-Auftritt kurzfristig abgesagt. Als Grund nennt der Veranstalter "selbst verschuldete Visaprobleme". Capleton habe fast ein Jahr Zeit gehabt, die nötigen Dokumente zu organisieren. Das knappe Urteil der Veranstalter auf Social Media: "Maximum Disrespect!"

Seither stehen sich zwei Lager gegenüber: Die einen kritisieren die kurzfristige Absage, für manche war Capleton ein wesentlicher Grund für den Ticketkauf. Die anderen loben, dass so schnell ein Ersatz gefunden wurde: Dancehall-Musiker Mr. Vegas, bekannt für seinen Hit "Heads High", übernimmt die Spielzeit.

214 Euro fürs Wochenende – die Preisdebatte

Ein reguläres Wochenendticket mit Camping kostete zuletzt 214 Euro, ohne Camping 169 Euro, ein Freitags-Tagesticket 95 Euro. Für viele Gäste eine erhebliche Ausgabe. Altmann verweist darauf, dass möglichst viele Leistungen enthalten seien – Parken, Shuttlebusse und Sanitäranlagen ohne "versteckte Zusatzkosten". Den Preis begründet er zudem mit dem Anspruch auf ein hochwertiges Festival: Bühne, Technik, Sicherheit und Künstler müssten auch bei nur 10.000 Gästen finanziert werden.

Preise um 200 Euro sind bei mehrtägigen Festivals inzwischen keine Seltenheit – günstig fühlt sich das für viele Fans trotzdem nicht an, erst recht nach dem Wegfall eines Hauptacts. Hinzu kommt: Ursprünglich hatte Altmann nur einen einzigen Ticketpreis angekündigt. Dass es nun mehrere Varianten gibt, ist nachvollziehbar, zeigt aber, wie schwer sich frühere Preisversprechen in der Festivalrealität halten lassen. Dass der Vorverkauf laut Veranstalter schon Ende Mai praktisch ausverkauft war, spricht allerdings dafür, dass viele bereit sind, den Preis zu zahlen.

Kleiner, regionaler, nachhaltiger

Ein Unterschied zu früher fällt beim Rundgang sofort auf: Das Festival ist deutlich kleiner geplant. Zu seinen größten Zeiten zog es rund 30.000 Menschen an, beim Comeback ist die Zahl auf 10.000 begrenzt. "Wir wollen die kurzen Wege, wir wollen ein gemütliches Festival, wir wollen den Sommer hier feiern", sagt Altmann, der nichts von immer größeren Festivals hält. Hauptbühne, Zeltbühne, Biergarten und Campingflächen liegen nah beieinander – mehr Zeit vor den Bühnen, weniger auf den Wegen.

Die geringere Besucherzahl soll auch den Ort entlasten. Frühere Festivaljahre hatten in Übersee nicht nur gute Erinnerungen hinterlassen: Anwohner klagten über Verkehr, Lärm und Müll. Ob das neue Konzept besser funktioniert, dürfte die Gemeinde aufmerksam beobachten.

Kleiner heißt hier zugleich regionaler: Vom Servicepersonal über Wäscherei und Entsorgung bis zum Catering sollen möglichst viele Partner aus der Umgebung kommen. Das verkürzt Transportwege und hält einen größeren Teil der Wertschöpfung vor Ort. Altmann will das Festival zudem möglichst CO₂-neutral organisieren.

Hitze, Badebus und ein prominentes Line-Up

Bis zu 36 Grad könnten das Wochenende zur Hitzeschlacht machen. Auf der offenen Wiese gibt es wenig Schatten – Sonnencreme, Kopfbedeckung und Wasser sind Pflicht. Für Abkühlung sorgt der bewährte Badebus zum Chiemsee, weitere Shuttles verbinden den Bahnhof Übersee mit dem Gelände.

Trotz Capletons Absage bleibt das Programm prominent: Marteria zählt zu den großen Hauptacts, dazu kommen Burning Spear, Spice, Patrice, Anthony B und Ky-Mani Marley.

Bis Freitag muss alles stehen. Dann zeigt sich, ob Altmanns Gegenmodell trägt: weniger Gäste, kurze Wege, regionale Partner – und trotz Hitze und Headliner-Absage drei Tage den Sommer und die Musik am Chiemsee feiern.

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