"Meine Stadt brennt. Reicht mir ein Tränendöschen", soll der römische Kaiser Nero einst gesagt haben, als der große Brand von Rom aus dem Jahr 64 n. Chr. in der antiken Metropole wütete.
Lange galt der Monarch als Urheber der Feuerkatastrophe, die mehrere Bezirke verwüstete. Auch der Monumentalfilm "Quo vadis?" aus dem Jahr 1951 machte Nero als Schuldigen aus. Erst die jüngere Fachliteratur entlastete den Kaiser.
Nagelsmann erstes Opfer des DFB-Fiaskos
Nun ist die Lage beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach dem blamablen Sechzehntelfinal-Aus bei der Fußball-WM 2026 nicht einmal halb so dramatisch wie in der ewigen Stadt nach dem Brand. Schließlich war das 3:4 i.E. gegen Paraguay keine echte Katastrophe - ein großer Vorteil der schönsten Nebensache der Welt.
Trotzdem liegt der DFB zumindest sinnbildlich in Trümmern. Das dritte WM-Debakel in drei Anläufen hat dem Verband zugesetzt. Das erste Opfer der Suche nach den Gründen war Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Nagelsmann tritt als Bundestrainer zurück
Der gebürtige Landsberger trat am Freitag trotz anfänglicher Bekundungen, dass er weitermachen wolle, zurück, nachdem die DFB-Spitze ihm den Schritt nahegelegt haben soll.
Zwar besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die deutsche Nationalmannschaft nicht allein wegen Nagelsmann scheiterte, sondern den deutschen Fußball weiterhin strukturelle Probleme plagen.
Fehler fliegen Nagelsmann um die Ohren
Eine Weiterbeschäftigung Nagelsmanns war trotzdem nicht mehr vermittelbar. Die Verfehlungen des 38-Jährigen waren zu groß, die spielerischen Mängel zu sichtbar.
Sein Kommunikationsstil sowie seine Personalentscheidungen flogen dem (Ex-)Bundestrainer um die Ohren, obwohl der Chor der mahnenden Experten zunehmend lauter geworden war. Eine Parallele zu Nero, der das Feuer von 64 als Kaiser überstand, aber vier Jahre später auch deswegen seine Macht verlor, weil er Berichte über eine Verschwörung nicht ernst nahm.
Nagelsmann vor ungewisser Zukunft
Während der DFB bereits zu wissen scheint, wie es auf der Bundestrainer-Position weitergeht (Jürgen Klopp scharrt mit den Hufen), ist die Zukunft von Nagelsmann unklar. Eine Pause? Natürlich. Aber dann?
Der ehemalige Coach des FC Bayern hat eigentlich den Ruf als Taktik-Genie, doch wie viel davon nach seinen prominenten Fehlschlägen in München und beim DFB übrig ist, muss sich zeigen.
Was Nagelsmann von Flick unterscheidet
Anders als sein Amtsvorgänger Hansi Flick, der als Bundestrainer ebenfalls eine unglückliche Figur abgegeben hatte und mittlerweile den FC Barcelona erfolgreich betreut, kann Nagelsmann kein volles Trophäen-Regal als Qualitätsnachweis ins Feld führen.
Neben einer Deutschen Meisterschaft und zwei Supercup-Siegen mit dem FC Bayern blieben Nagelsmann die ganz großen Erfolge bislang verwehrt. Eine neue Beschäftigung wird zudem durch den Umstand erschwert, dass der Trainermarkt aktuell übersättigt ist.
Große Konkurrenz für Nagelsmann auf dem Trainermarkt
Große Namen wie Pep Guardiola, Arne Slot, Roberto Mancini oder Zinedine Zidane sind gegenwärtig ohne Job und dürften auf den Listen der Top-Vereine vor Nagelsmann stehen, wenn dieser sich für eine Rückkehr bereit fühlt.
Wie schwierig es momentan selbst für erfolgreiche Coaches ist, zeigt Oliver Glasner. Der Österreicher, der Europa-League- und FA-Cup-Sieger im Lebenslauf stehen hat, konnte nach seinem Abschied von Crystal Palace nicht den nächsten Schritt machen. Statt zur AC Mailand in die Serie A ging es für den Ex-Frankfurter zu Nottingham Forest, weil sich Milan für Ruben Amorim entschied.
Neue Situation für Nagelsmann
Natürlich steht das Trainerkarussell niemals ganz still, allerdings ist es durchaus wahrscheinlich, dass Nagelsmann zunächst einmal bei einem kleineren Verein das Vertrauen zurückgewinnen muss, das ihn seine beiden jüngsten Stationen gekostet haben dürften.
Eine gewöhnungsbedürfte Situation für das einstige Trainer-Wunderkind, für das es lange Zeit nur bergauf gegangen war. Doch Nagelsmann dürfte keine andere Wahl haben, als sich mit dieser neuen Realität abzufinden. Andernfalls könnte sein Scheitern beim DFB der vorerst letzte Akt seiner Laufbahn gewesen sein.
Nagelsmann muss die richtigen Lehren ziehen
Vielleicht kann Nagelsmann dafür die richtigen Lehren aus dem Schicksal Neros ziehen, von dem als letzte Worte vor seinem Ende der Ausruf "Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde!" überliefert ist. Dabei muss ein Karriereknick keineswegs das Aus aller Träume bedeuten.
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