Julian Nagelsmann blieb standhaft – und das über eine Stunde lang. Auge in Auge mit Moderator Jochen Breyer ließ sich der Fußball-Bundestrainer bei seinem Auftritt im ZDF-"Sportstudio" auch auf die x-te Nachfrage kein Ja zum womöglich auf den letzten Drücker erwogenen Comeback von Deutschlands Rekordtorwart Manuel Neuer bei der Fußball-Weltmeisterschaft entlocken.
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Nagelsmann: Ab- und Zusagen am Telefon
Ein klares Nein kam Nagelsmann aber eben auch nicht über die Lippen. Und das war noch bemerkenswerter. Denn Neuers Rücktritt nach dem gegen Spanien geplatzten Titeltraum bei der Heim-EM 2024 schien lange in Stein gemeißelt zu sein – beim Bundestrainer und beim 40-jährigen Torwart.
"Es wird immer zuerst der Spieler kontaktiert. Das hat noch nicht stattgefunden", sagte Nagelsmann. Diese Aussage war nicht nur bezogen auf Neuer und den bisher eigentlich als Nummer eins fixen Hoffenheimer Oliver Baumann. Nagelsmann sprach vielmehr von "62 Telefonaten" mit vielen Ab- und Zusagen, die er persönlich mit den WM-Kandidaten führen werde.
"Die haben es halt mal herausposaunt"
Auf der Torwart-Position bahnt sich dabei vier Wochen vor dem Auftaktspiel der Nationalmannschaft in Houston gegen Curaçao eine spektakuläre Rolle rückwärts an. Der TV-Sender Sky vermeldete Neuers Rückkehr bereits als fix, sofern in den kommenden Tagen nichts Außergewöhnliches passiere und sich der Weltmeister von 2014 beim 5:1 gegen den 1. FC Köln nicht schwerer an der Wade verletzt habe.
Nagelsmann konterte im ZDF-Studio auf dem Mainzer Lerchenberg: "Das Schwierige ist, immer jedes Detail zu kennen. Das kennen die nicht. Die haben es halt mal herausposaunt und gucken, was passiert."
Comeback? Neuer "total entspannt"
Neuer selbst schloss nach der Übergabe der Meisterschale in München eine Kehrtwende im Sky-Interview auch nicht aus. "Für mich ist das heute kein Thema", sagte er zu einem Länderspiel-Comeback und einer fünften WM-Teilnahme. Seit 2010 war er bei allen großen Turnieren Deutschlands Nummer eins. "Ich bin da total entspannt", sagte der sicher mehr wissende Neuer.
Ob Torwart-Kollege Baumann auch noch entspannt ist? Der 35-Jährige hatte in allen sechs WM-Qualifikationsspielen jede Minute im DFB-Tor gestanden. Und er durfte sich auch bei den Länderspielen im März noch nach dem erneuten Verletzungspech von Marc-André ter Stegen als WM-Keeper fühlen.
Baumann hat "keine andere Info"
Baumann klammerte sich nach der verpassten Champions-League-Qualifikation mit der TSG Hoffenheim in diversen Interviews an die bisherigen Verhältnisse. "Das war mein Stand oder ist mein Stand. Ich habe keine andere Info", sagte er in der ARD. Er werde sehr selbstbewusst in die Turniervorbereitung und dann auch in die WM gehen. Bei Sky verwies Baumann noch auf frühere Gespräche mit Nagelsmann: "Er hat mir das Vertrauen ausgesprochen. Punkt."
Nagelsmann wurde mit Baumanns Aussagen konfrontiert und sagte: "Ich bin bis heute sehr fein mit der Kommunikation mit meinen Spielern." Kommunikatives Geschick wird er mehr denn je benötigen müssen in einer Torwart-Debatte, die Risiken und Zündstoff birgt, wie mit den neuerlichen Wadenproblemen bei Neuer offenbar wurde.
Wie schlimm ist Neuers Wadenblessur?
"Ich habe etwas gemerkt. Deshalb wollte ich kein Risiko eingehen, auch wegen nächster Woche", sagte Neuer zu seiner Auswechslung nach einer Stunde auch mit Blick auf das DFB-Pokalfinale gegen Stuttgart. Schon zweimal musste der Bayern-Kapitän aber in diesem Jahr wegen Wadenverletzungen pausieren. Eierte Nagelsmann wegen Neuers Wade in der Torwart-Causa herum?
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