Der berühmte Münchner Gerichtssaal A101.
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Abschied vom berühmtesten Gerichtssaal Münchens.
Bildrechte: picture alliance / dpa | Andreas Gebert
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Mord, Totschlag und Terrorismus: Der Saal A101 hat viel gesehen

Mord, Totschlag und Terrorismus: Der Saal A101 hat viel gesehen

Abschied vom berühmtesten Gerichtssaal Münchens. Durch die Eröffnung des neuen Strafjustizzentrums wird der Saal A101 schon bald nicht mehr benötigt. Hier wurden seit den 1970er-Jahren legendäre Prozesse geführt.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Der A101 ist der größte Gerichtssaal im alten Münchner Strafjustizzentrum an der Nymphenburgerstraße. Viel Beton, orange Sitzreihen, braune Tische, grüne Türen – ein Saal mit dem Flair der 70er-Jahre. Alle großen Kapital- und später auch Staatsschutzverfahren fanden in diesem Schwurgerichtssaal statt, sagt Laurent Lafleur, der Sprecher des Oberlandesgerichts München.

Der letzte große Nazi-Kriegsverbrecherprozess

2011 wird im A101 Justizgeschichte geschrieben. Mit John Demjanjuk steht erstmals ein nicht-deutscher Wachmann eines NS-Todeslagers in Deutschland vor Gericht.

Der 91-Jährige wird wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 28.000 Juden zu fünf Jahren Haft verurteilt. Demjanjuk stirbt, bevor das Urteil rechtskräftig wird.

Promis auf der Anklagebank

Auch Promis tauchen immer wieder auf: 2002 steht Boris Becker wegen Steuerhinterziehung im A101 im Blitzlichtgewitter der Fotografen. 2014 lernt Formel-1-Manager Bernie Ecclestone den Gerichtssaal kennen. Das Verfahren wegen Bestechung wird allerdings gegen die Rekordzahlung von 100 Millionen Euro eingestellt.

Auch die Morde an dem Münchner Modezar Rudolph Moshammer und an dem Schauspieler Walter Sedlmayr werden im Saal A101 verhandelt.

Mammutprozess NSU

Für Gerichtssprecher Lafleur ist aber klar: Das zentrale Ereignis für diesen Gerichtssaal – für die Münchner Strafjustiz – ist das NSU-Verfahren, das mehr als fünf Jahre lang im A101 verhandelt wurde. Als im Juli 2018 Beate Zschäpe wegen der Mittäterschaft an zehn Morden zu lebenslanger Haft verurteilt wird, endet eines der größten Terrorverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik.

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler vertrat damals die Angehörigen eines der Opfer. Er erinnert sich gut an die Bunkeratmosphäre, die fehlenden Fenster, die schlechte Luft – wenn bis in den Abend hinein verhandelt wurde. Berührt hat ihn vor allem die Aussage des Zeugen Ismael Yozgat: Er hatte seinen Sohn selbst aufgefunden, ermordet vom NSU. Mit den Worten "So habe ich mein Lämmchen gefunden" hatte sich Yozgat vor die Füße der Anwälte, Richter und Angeklagten gelegt.

U-Bahn-Schläger vor Gericht

2007 schlagen und treten ein 17-Jähriger und ein 20-Jähriger in einer Münchner U-Bahn-Station in brutaler Weise auf einen pensionierten Lehrer ein. Laurent Lafleur ist damals der ermittelnde Staatsanwalt und vertritt auch im anschließenden Verfahren die Anklageseite. Weil die Münchner Bevölkerung sich so für das Verfahren interessiert hat, sei der A101 damals bis auf den allerletzten Platz besetzt gewesen, erinnert er sich. Die Tat löst eine große Diskussion über Jugendgewalt aus. Das Urteil: zwölf und achteinhalb Jahre Haft.

Ende Juni wird im A101 die letzte Verhandlung stattfinden. Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine bewegte Münchner Justizgeschichte.

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