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Musiala-Diagnose "Absencen": Was hinter dem Begriff steckt

Musiala-Diagnose "Absencen": Was hinter dem Begriff steckt

Nach Jamal Musialas erneutem Zusammenbruch im Testspiel des FC Bayern gegen den 1. FC Heidenheim erklärt der Neurologe Martin Lesser, was hinter den Begriffen "Absence" und "neurologische Dysfunktion" steckt – und warnt vor zu schnellen Diagnosen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Die Nachricht rund um die beiden Zusammenbrüche von Jamal Musiala hat viele Fragen aufgeworfen. Der Profi des FC Bayern befindet sich nach eigenen Angaben in fachärztlicher Behandlung. In seiner öffentlichen Mitteilung verwendete Musiala unter anderem die Begriffe "neurologische Dysfunktion" und "Absence".

Was diese Begriffe medizinisch bedeuten können und warum eine vorschnelle Interpretation nicht angebracht ist, erklärt Dr. med. Martin Lesser, Oberarzt in der Neurologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, im Interview mit BR24Sport.

"Neurologische Dysfunktion" erlebt fast jeder Mensch einmal

Lesser warnt davor, aus dem Social-Media-Post von Musiala eine konkrete Diagnose abzuleiten. "Wir als breite Öffentlichkeit tun gut daran, das Thema seinen (Musialas, Anm. d. Red.) Behandlern zu überlassen. Darum hat er ja auch in seiner Verlautbarung gebeten." In dieser verwendete Musiala den Begriff "neurologische Dysfunktion". Laut Lesser ist dies zunächst eine vorübergehende Funktionsstörung des Nervensystems – und damit ein sehr unspezifischer Begriff.

"Das kann alles sein", erklärt der Neurologe. Jeder Mensch könne im Laufe seines Lebens Situationen erleben, die medizinisch unter eine vorübergehende neurologische Funktionsstörung fallen könnten. Als Beispiel nennt Lesser etwa kribbelnde Finger nach längerem Fahrradfahren. Der Begriff allein lasse deshalb keinen Rückschluss auf eine bestimmte Erkrankung zu.

Was bedeutet "Absence"?

Deutlich spezieller ist laut Lesser der zweite Fachbegriff "Absence", den Musiala verwendete. In der Neurologie bezeichnet dieser eine bestimmte Form eines epileptischen Anfalls.

In der öffentlichen Diskussion werde der Begriff allerdings häufig zu unkritisch verwendet. Eine Absence sei eine spezielle Anfallsform und dürfe deshalb nicht automatisch mit jeder Form von kurzer Bewusstseinsstörung oder Abwesenheit gleichgesetzt werden.

Epilepsie – chronisch, aber gut behandelbar

Lesser beschreibt Epilepsie als chronische Erkrankung, die mit epileptischen Anfällen verbunden ist. In aller Regel sei sie sehr gut behandelbar, auch wenn die Erkrankung häufig nicht ursächlich geheilt werden könne. Entscheidend sei jedoch eine sachkundige Diagnostik. "Erst steht die Diagnose, dann die Behandlung, dann die Prognose", fasst es der Neurologe zusammen.

Damit verweist er zugleich auf einen wichtigen Punkt im Fall Musiala: Solange die fachärztliche Abklärung läuft, wären Spekulationen über eine konkrete Erkrankung oder die langfristigen Folgen verfrüht.

Zusammenbruch nicht automatisch Zeichen für Epilepsie

Dass ein Mensch zu Boden geht oder zusammenbricht, sei selbstverständlich nicht normal, sagt Lesser. Gleichzeitig müsse ein solches Ereignis aber nicht zwangsläufig auf eine schwere neurologische Erkrankung hindeuten. "Es ist auch nicht über die Maßen beunruhigend", so seine Einschätzung.

Entscheidend sei, dass Musiala bereits fachärztlich betreut werde. Lesser betont, dass man darauf vertrauen sollte, dass die behandelnden Kollegen gemeinsam mit dem Spieler und seinem Arbeitgeber das individuelle Risiko einschätzen.

Musiala "kann mit Epilepsie ein ganz normales Leben führen"

Für die meisten Betroffenen ist Epilepsie eine lebensbegleitende Erkrankung. Dennoch lässt sich mit ihr sehr gut ein normales Leben führen, "ohne sich ständig in seinem Umfeld oder vor der Öffentlichkeit rechtfertigen zu müssen."

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