Nach dem Großeinsatz am Dienstag im Münchner Stadtteil Schwabing hat die Polizei neue Erkenntnisse bekannt gegeben. Wie die Beamten mitteilten, handelt es sich bei der von der Polizei angeschossenen Person um einen 14-jährigen, türkischen Schüler aus dem Landkreis Miesbach. Zunächst hatte die Polizei von einem etwa 20-jährigen und mutmaßlich bewaffneten Mann gesprochen.
Seine vermeintliche Waffe war ein pistolenähnlicher Gegenstand. Es handelte sich den Angaben zufolge um eine Softair-Waffe, die einer echten Beretta-Pistole 92, Kaliber 9 Millimeter, täuschend ähnlich sah. Die Herkunft der Softair-Waffe ist noch unklar. Auch zum Motiv liegen bislang keine Erkenntnisse vor.
Ein Polizeisprecher zeigt das Bild einer Softair-Waffe (links im Bild) und rechts im Bild eine echte Beretta-Pistole
Was ist über den Schusswaffeneinsatz bekannt?
Gegen 17:15 Uhr am Dienstagnachmittag hatte ein Passant den Polizeinotruf gewählt und gemeldet, dass eine verdächtige Person im Bereich des U-Bahnhofs Hohenzollernplatz offen mit einer Schusswaffe hantieren würde. Danach sei die Person in einen Linienbus Richtung Kurfürstenplatz gestiegen.
Rund 80 Einsatzkräfte fahndeten daraufhin nach dem Verdächtigen. Zwei zivile Einsatzkräfte der Polizei erkannten den Verdächtigen wenig später im Bereich der Kreuzung Herzog-, Belgradstraße – in Begleitung einer zweiten Person. Laut Angaben der Polizei zog der Verdächtige einen waffenähnlichen Gegenstand aus der Hose und machte Bewegungen, als würde er "eine Waffe durchladen". Trotz der Aufforderung durch die Polizisten, seine Waffe fallen zu lassen, habe sich der Verdächtige mit erhobener Waffe zu den beiden Polizisten umgedreht.
Daraufhin gab ein Polizist laut Pressemitteilung der Polizei einen Schuss ab, durch den der Verdächtige am Oberkörper getroffen wurde. Bis zum Eintreffen des Notarztes hätten die Beamten erste Hilfe geleistet. Der Rettungsdienst brachte den Schwerverletzten in ein Krankenhaus, wo er operiert wurde. Sein Zustand ist nach Polizeiangaben stabil.
Identität des Verdächtigen erst später geklärt
Das Bayerische Landeskriminalamt prüfe wie stets in solchen Fällen die Rechtmäßigkeit des Waffeneinsatzes durch die Polizei. Die Staatsanwaltschaft München I hat dazu ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Es werde nicht gegen den Kollegen ermittelt, der geschossen hatte, betonte ein Sprecher der Polizei. Die beteiligten Beamten würden als Zeugen geführt. Gegen den Jugendlichen, der bereits wegen Körperverletzung polizeilich bekannt war, werde wegen der Bedrohung der Beamten ermittelt. Die Polizei sucht in diesem Zusammenhang noch Zeugen.
Erst im Krankenhaus wurde der vermeintlich 20-Jährige als 14-jähriger Schüler aus dem Landkreis Miesbach identifiziert. Er war von den Beamten deutlich älter geschätzt worden. Der Jugendliche mit türkischer Staatsangehörigkeit war mit seinen Eltern 2023 nach Deutschland gekommen und hatte einen Asylantrag gestellt. Der Antrag sei aber abgelehnt und die Abschiebung angedroht worden.
Trotz abgelehnten Asylantrags hält sich die Familie derzeit legal in Deutschland auf, wie BR24 vom Bayerischen Innenministerium erfahren hat. Da mehrere Klagen gegen die Abschiebung anhängig sind, muss zunächst eine Entscheidung des Gerichts abgewartet werden.
Kurdisches Zentrum widerspricht Darstellung der Polizei
Mittlerweile hat das kurdische Zentrum München im Namen der Familie des 14-Jährigen der Darstellung der Polizei widersprochen. BR24-Reporter recherchieren zur Stunde. Mehr dazu demnächst bei BR24.
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