Leon Goretzka beim Training des FC Bayern München.
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Abschiedstour statt stilles Servus: Goretzka geht den Müller-Weg

Abschiedstour statt stilles Servus: Goretzka geht den Müller-Weg

Leon Goretzka verlässt den FC Bayern München. Zwar geht der deutsche Nationalspieler nicht sofort, aber im Sommer fällt für den 30-Jährigen an der Isar der Vorhang, wie Sportdirektor Christoph Freund bekannt gab. Der Weg erinnert an Thomas Müller.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Abschiede gehören im Fußballgeschäft dazu. Die Fans des FC Bayern mussten im vergangenen Sommer aber eine besonders schmerzliche Trennung hinnehmen, als Publikumsliebling und Klub-Ikone Thomas Müller vom Verein praktisch aussortiert wurde und nach anfänglich anders lautenden Bekundungen durch Sportvorstand Max Eberl eben keinen neuen Vertrag bekam.

Freund verkündet Goretzka-Abschied

Den Trennungsschmerz linderte immerhin ein gelungener Abschied nach dem letzten Heimspiel Müllers, der im Fröttmaninger Stadion lange von Fans und Mitspielern gefeiert wurde.

Eine ähnliche Situation erlebt nun Leon Goretzka. Der 30-Jährige hat nicht den Status von Müller, prägte in den vergangenen acht Jahren aber eine Ära beim deutschen Rekordmeister. Wie Sportdirektor Christoph Freund am Freitag nun bekannt gab, hat Goretzka nun aber keine Zukunft mehr an der Isar.

Goretzka "wird einen anderen Weg einschlagen"

"Im Sommer wird die Zeit von Leon Goretzka beim FC Bayern München vorbei sein", sagte der Österreicher nach "vertrauensvollen Gesprächen" mit dem Spieler: "Er wird einen anderen Weg einschlagen."

Immerhin: Goretzka geht also zumindest zum Teil aus freien Stücken und das auch nicht sofort. Dabei hatte die spanische "Marca" am Donnerstag bereits gemeldet, dass der gebürtige Bochumer unmittelbar vor einem Wechsel zu Atletico Madrid steht.

Goretzka bringt den Bayern-Job zu Ende

Doch der Champions-League-Sieger von 2020 entschied sich gegen einen Blitz-Transfer im Winter und für einen Verbleib bei seinem Noch-Arbeitgeber. Seine Entscheidung erklärte Goretzka auf Instagram: "Mit einem Team, mit dem es auf und neben dem Rasen unglaublich viel Spaß macht und einem Trainer, der unsere Mannschaft wieder zu einer echten Einheit geformt hat! Diesem Team und dem Verein fühle ich mich verpflichtet."

Die Wahl für den Verbleib und gegen den Weg des leisen Abschieds ist eine, die Goretzkas Charakter widerspiegelt: Er bringt seine Aufgabe zu Ende, obwohl er mittlerweile in den wichtigen Spielen meist das Nachsehen gegen Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic hat.

Schaltzentrale Goretzka/Kimmich bringt Bayern das Sextuple

2018 war er ablösefrei von Schalke 04 zu den Bayern gekommen. Im Mittelfeld entwickelte er sich schnell zu einer festen Größe, überzeugte mit seiner Physis und Spielintelligenz. Gemeinsam mit Kimmich bildete er auf der Doppelsechs den Dreh- und Angelpunkt des Münchner Offensivspiels.

Die Krönung kam dann unter Coach Hansi Flick in der Corona-Saison 2019/20 mit sechs Titeln in einem Jahr, darunter auch der "Pokal mit den großen Ohren" in der Königsklasse. Im Zentrum: die Schaltzentrale Goretzka und Kimmich.

Schwierige Phase bei Bayern und dem DFB

Danach wurde es ruhiger um Goretzka. Vor allem unter Trainer Thomas Tuchel in der Saison 2023/24 blieb ihm zunehmend die Bankrolle, was sich auch in seinen Einsatzzeiten für die Nationalmannschaft niederschlug. Letztlich berief Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn nicht für die Heim-EM 2024.

Ähnlich wie Nagelsmann sahen es auch die Bayern-Verantwortlichen. Im Sommer 2024 bekam Goretzka vom neuen Cheftrainer Vincent Kompany grünes Licht, um sich einen neuen Verein zu suchen, trotz Vertrag bis zur Saison 2025/26. Mit einem Gehalt von geschätzten 13 Millionen Euro war der gebürtige Bochumer zu teuer und wurde dafür auch zu selten eingesetzt. Formschwankungen und neue Konkurrenz im Kader, unter anderem durch Pavlovic, brachten ihm nur die Reservistenrolle.

Goretzka kämpft sich zurück

Doch Goretzka stellte seine persönlichen Befindlichkeiten in den Hintergrund, nahm seine Rolle an und arbeitete an sich. Mit guten Trainingsleistungen ließ er Kompany keine Wahl, ihn zurück in die Startaufstellung zu berufen.

Dafür gab es ein Sonderlob: "Leon hat immer gearbeitet, war immer hungrig im Training", zollte Kompany ihm Respekt. "Er hat auf die richtige Art reagiert, mit den Füßen, nicht mit Worten. Ich würde das jedem Profi empfehlen." Im vergangenen März folgte Goretzkas Comeback für die Nationalmannschaft.

Goretzka geht den Müller-Weg

Auch neben dem Platz fiel Goretzka positiv auf. Während der Corona-Pandemie gründete er gemeinsam mit Joshua Kimmich die Hilfsorganisation "We Kick Corona", die Spenden für soziale Einrichtungen sammelte. Daneben setzte er sich immer wieder gegen Rechtsextremismus und Homophobie ein.

Von den Spielern, die 2020 die Champions League gewannen, waren zu Saisonbeginn nur noch sechs im Kader der Münchner. Mit Leon Goretzka verabschiedet sich nun ein weiterer dieser "Goldenen Generation". Der 30-Jährige hinterlässt eine beeindruckende Vita und kann sich mit den Bayern nicht nur noch einmal nach dem Triple greifen, sondern darf sich auf eine Abschiedstournee freuen.