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WM-Boykott-Debatte: Wieso DFB und Fußballer zurückhaltend sind

WM-Boykott-Debatte: Wieso DFB und Fußballer zurückhaltend sind

Der Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist wenige Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko mit einer Debatte um einen möglichen WM-Boykott konfrontiert. Spieler und Funktionäre vermeiden es, Stellung zu beziehen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Tiktok am .

Die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko schlägt schon vor ihrem Beginn hohe Wellen. Angesichts des Gebarens der Regierung von US-Präsident Donald Trump kamen zuletzt vermehrt Stimmen auf, die einen Boykott des Turniers fordern.

Rettig kritisiert Göttlichs Vorstoß

So hatte etwa Oke Göttlich, Vereinspräsident des FC St. Pauli und Präsidiumsmitglied beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), ein Fernbleiben der deutschen Nationalmannschaft ins Spiel gebracht und damit im eigenen Verband für Stirnrunzeln gesorgt.

Andreas Rettig, DFB-Geschäftsführer Sport, erklärte zwar gegenüber "ran", kein Problem mit einer Diskussion zu haben, aber "man sollte zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Leuten streiten oder diskutieren. Ich habe es ein bisschen bedauert, dass Oke die Reihenfolge falsch gewählt hat, weil er ist eben nicht nur St. Pauli-Präsident, sondern er ist auch DFB-Vizepräsident. Und in dieser Eigenschaft hätte er zunächst mal in unseren vier DFB-Wänden seine Sicht der Dinge uns mitteilen sollen", kritisierte der 62-Jährige.

Göttlich rudert bei WM-Boykott zurück

Nachdem sich Göttlich bei einer DFL-Präsidiumssitzung am Dienstag erklären musste, ruderte er zurück. "Ich habe keinen Boykott gefordert, nur eine Diskussion anstoßen wollen", stellte er klar, hielt aber daran fest, dass "der Fußball aushalten können" müsse, "dass das Thema diskutiert wird".

Dennoch bleibt man beim DFB bemüht, das Thema Boykott klein zuhalten. Aus sportlicher Sicht ist das verständlich, denkt man an die WM 2022 in Katar zurück. Damals hatte die gesellschaftliche Debatte um einen Rückzug die Auftritte des DFB-Teams überschattet.

Kimmich will sich nicht mehr politisch äußern

Die "Mund-zu-Geste" vor dem Gruppenspiel gegen Japan, mit der die Mannschaft zumindest ihren stillen Protest gegen das Verbot der "One Love"-Kapitänsbinde in dem Wüstenstaat hatte ausdrücken wollen, wurde nach dem Ausscheiden zum öffentlichen Bumerang.

Damals beteiligte Spieler wie Joshua Kimmich und Leon Goretzka (beide FC Bayern München) haben ihre Lehren aus dem Katar-Debakel gezogen. Kimmich erklärte gegenüber "Sport1", dass er an politischen Debatten nicht mehr teilnimmt. Seine Begründung: "Das haben wir gemerkt, dass das nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern."

Goretzka: "Musst gewinnen, sonst geht ein Engagement nach hinten los"

Ähnlich äußerte sich Goretzka in der "Zeit". "Wenn du dich als Sportler offensiv äußerst, gehst du ins Risiko. Du musst gewinnen, sonst geht ein Engagement nach hinten los, wird bewusst falsch verstanden oder wiedergegeben", gab der 30-Jährige zu bedenken.

Wie groß die Sorge vor einem Spießrutenlauf ist, zeigte auch der frühere Bayern-Trainer Niko Kovac. Auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Duell von Borussia Dortmund gegen Tottenham wurden der BVB-Coach und sein Torwart Gregor Kobel nach ihrer Meinung zu der Thematik gefragt.

Kovac fährt Kobel beim Boykott-Frage in die Parade

Kobel, als Schweizer ebenso wie der Kroate Kovac ein Unbeteiligter, zeigte sich bereit, zu antworten, doch Kovac fuhr ihm in die Parade. "Ich weiß nicht, ob das heute ein Thema sein sollte. Wir haben morgen ein wichtiges Champions-League-Spiel", grätschte Kovac die Frage weg und schob hinterher: "Das ist vielleicht eine Frage für den Bundestrainer und nicht an einen Vereinstrainer."

Es ist fraglich, ob sich Julian Nagelsmann über den Hinweis seines Kollegen freuen dürfte, Verständnis dürfte er allerdings haben. Schließlich gilt auch Nagelsmanns Hauptsorge der Frage, wie er die DFB-Elf nach vier großen Turnieren ohne Halbfinal-Teilnahme in Serie wieder in die Erfolgsspur hieven kann. Politische Debatten kann er nicht gebrauchen.

Funktionäre verweisen an Politik

Derweil ringt man im Verband noch um eine gemeinsame Linie. Eine Präsidiumssitzung am Freitag soll Klarheit bringen. Allerdings deuten Rettigs Aussagen an, dass man sich Hilfestellung der Bundesregierung erhofft.

"Ich denke nicht, dass es die Aufgabe der DFB-Sportgeschäftsführung ist, Ratschläge öffentlicher Art an die Politik oder an andere zu geben. Ich habe mit Herrn Trump noch nie gesprochen, der Bundeskanzler sehr wohl. Ich denke, er wird mehr wissen als wir", sagte Rettig. Das Kerngeschäft des DFB bleibt eben der Fußball.

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