Kaum ein deutscher Nationalspieler polarisiert so stark wie Leroy Sané. Für die einen ist er ein Ausnahmekönner mit außergewöhnlichem Talent. Für die anderen ein Spieler, der sein Potenzial nie konstant auf den Platz bringt. Auch bei der aktuellen Weltmeisterschaft steht der 30-Jährige erneut im Mittelpunkt der Diskussionen.
Sané-Nominierung stieß auf Kritik
Bereits seine WM-Nominierung durch Bundestrainer Julian Nagelsmann sorgte für Kritik. Viele Experten und Fans fragten sich, warum Sané trotz durchwachsener Leistungen bei Galatasaray Istanbul berücksichtigt wurde. In der vergangenen Saison gelangen dem Flügelspieler in 28 Ligaspielen lediglich sieben Tore und fünf Vorlagen.
Nagelsmann vertraut Sané
Ja, Sané polarisiere, räumte Nagelsmann vor dem Turnier ein. "Er ist ein Spieler, wo man immer mehr sieht, was er nicht bringt, weil er manchmal leider eine gewisse Ausstrahlung hat." Doch der 30-Jährige genieße "eine extrem hohe Anerkennung innerhalb der Mannschaft" und habe eine "extrem enge Bindung" zu vielen Kollegen.
Nagelsmann kennt Sané schon lange – er trainierte ihn beim FC Bayern, wo der einstige Königstransfer schnell zum "Sorgenkind" mutierte. Schon damals galt Sané als eines der größten Talente des deutschen Fußballs, entwickelte sich aber gleichzeitig zum Dauerthema. Zu groß waren die Erwartungen, zu wechselhaft die Leistungen. Doch auch damals hielt Nagelsmann zu dem Offensivspieler.
Sané bei WM bislang glücklos
Einerseits verfügt Sané über außergewöhnliche Geschwindigkeit, starke Dribblings und die Fähigkeit, Spiele im Alleingang zu entscheiden. Auf der anderen Seite wirkt er in seinen Aktionen oft unglücklich – wie beim 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao, wo der 30-Jährige zwei Topchancen liegen ließ –, sein erstes Tor bei einem großen Turnier lässt weiter auf sich warten. Auch im zweiten WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste blieb er weitgehend blass und wurde ausgewechselt. Danach gewann das deutsche Spiel deutlich an Dynamik.
Erneut stellte sich der 38-Jährige schützend vor seinen Schützling. "Leroy hat wieder viel probiert, viel gemacht", sagte der Bundestrainer nach der Partie. Besonders wichtig sei, dass Sané jene Eigenschaften zeige, die ihm in der Vergangenheit häufig abgesprochen wurden: Einsatzbereitschaft, Laufarbeit und Teamgeist.
Sané schon früh im Rampenlicht
Tatsächlich begleitet Sané seit Jahren ein schwieriges Image. Ihm wurden immer wieder Lustlosigkeit, fehlende Körpersprache und mangelnde Konstanz vorgeworfen. Beim FC Bayern wurde er zeitweise sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen. Die Rote Karte nach einer Tätlichkeit im Länderspiel gegen Österreich Ende 2023 verstärkte zusätzlich das Bild eines schwierigen Profis.
Sané steht bereits seit seiner Jugend im Rampenlicht. Mit großen Ablösesummen, hohen Gehältern und der Rolle als Nationalspieler stiegen automatisch auch die Erwartungen. Jede Schwächephase wurde intensiv diskutiert.
Gündoğan verteidigt Sané: "Leute verstehen ihn nicht"
Der frühere DFB-Kapitän İlkay Gündoğan verteidigt seinen langjährigen Mitspieler jedoch gegen die anhaltende Kritik. In seiner Spiegel-Kolumne schreibt der 35-Jährige: "Ich glaube, die Leute verstehen Leroy nicht. Und ich glaube, dass sie ihm Unrecht tun."
Die beiden verbindet eine lange gemeinsame Vergangenheit. Sie spielten zusammen bei Manchester City und stehen inzwischen beide auch bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag. Gündoğan beschreibt Sané als zurückhaltenden und sensiblen Menschen, dessen Persönlichkeit oft falsch wahrgenommen werde.
Gündoğan: Ständige öffentliche Kritik hinterlässt Spuren
"Leroy war schon damals schüchtern und ist es bis heute geblieben", schreibt Gündoğan. Gerade diese Zurückhaltung werde häufig als Desinteresse oder Arroganz missverstanden. In Deutschland habe Sané deshalb nie die Anerkennung erhalten, die seinen Leistungen entspreche.
Besonders die ständige öffentliche Kritik hinterlasse Spuren. "Oft hat er das Gefühl, dass die Leute nur darauf warten, dass er etwas falsch macht", erklärt Gündoğan. Diese Erwartungshaltung könne einen kreativen Spieler lähmen. "Wenn ständig die Angst mitspielt, dass nach dem ersten Fehler sofort wieder Kritik aufkommt: Wie soll Leroy da dauerhaft funktionieren?"
Während die Debatte um Sané weiter anhält, bleibt Nagelsmann seiner Linie treu. Der Bundestrainer vertraut dem Offensivspieler weiter und setzt darauf, dass dieser sein Potenzial bei der Weltmeisterschaft noch abrufen kann.
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