Bereits vor den Olympischen Winterspielen 2026 gab es Kritik an der Auswahl der Wettkampforte. Zu weit auseinander, keine Stimmung und der Verlust des olympischen Gedankens waren die Befürchtungen. Zumindest in Bormio bei den Ski-Wettkämpfen der Männer hat sich diese Sorge für viele Athleten bewahrheitet. Nach seinem neunten Platz im Slalom macht Linus Straßer seinem Ärger Luft.
Keine Stimmung in Bormio? Auch Odermatt unzufrieden
Bereits nach den Speed-Rennen äußerte sich der Schweizer Super-Star Marco Odermatt kritisch. "In Bormio ist überhaupt kein olympischer Spirit vorhanden. Olympia ist nur alle vier Jahre und nur wenige Male in einer Karriere. Daher dürfte die Stimmung schon ein wenig spezieller sein", so der Führende des Gesamtweltcups gegenüber der Zeitung 20 Minuten.
Auch für Linus Straßer ist Bormio kein würdiger Olympia-Ort. "Du hast überhaupt keine Interaktion mit den Zuschauern. Es ist absolut steril hier. Darauf kann ich verzichten.", sagt der 33-jährige Münchner nach dem Rennen im ARD-Interview. "Das einzige Positive – bei den Spielen hier merke ich, dass Peking gar nicht so schlecht war. Hier hockst du die ganze Zeit im Hotel, triffst keine Leute, Bormio ist wie ausgestorben. Ich bin froh, dass es vorbei ist und ich wieder heimfahre", holt Straßer weiter aus.
Was ist Olympia ohne Olympisches Dorf?
Andere Skifahrer im deutschen Team fühlen sich ebenfalls an die Spiele 2022 in Peking erinnert. Damals waren wegen der Corona-Pandemie überhaupt keine Fans erlaubt. Dafür gab es aber ein Olympisches Dorf und Austausch mit Sportlern aus anderen Sportarten. In Bormio finden 2026 erst die alpinen Rennen der Männer und im Anschluss die Wettkämpfe der Skibergsteiger statt. Die Athleten sind - ähnlich wie im Weltcup - auf vier Hotels aufgeteilt.
Christian Schwaiger, DSV-Cheftrainer der Männer, ist ebenfalls enttäuscht von der Stimmung in Bormio. Er habe schon viele Spiele erlebt, "einige richtig schöne, wo die Sportstätten sehr zentral waren, wo man einen Austausch mit anderen Sportlern hatte. Das macht dann das olympische Flair aus. Das gibt es hier nicht." An rennfreien Tagen sind die Bars und Restaurants oft menschenleer.
"Wie in der Disco" - heile Welt in Cortina
In Cortina d’Ampezzo sieht die Welt hingegen ganz anders aus. Fahrerinnen und Fans bejubelten zuletzt ausgelassen die zweite Goldmedaille von Federica Brignone. Die 35-jährige Italienerin hatte sich erst im April 2025 das Kreuzband gerissen sowie Schien- und Wadenbein gebrochen. Nicht mal ein Jahr später gewinnt Brignone im eigenen Land den Super G und den Riesenslalom.
Allerdings finden in Cortina neben den alpinen Skirennen der Frauen auch die Wettkämpfe im Curling, Bob, Skeleton und Rodeln statt. Alle Athleten wohnen in einer neu gebauten Anlage. Und auch die Curler schwärmen von der Stimmung im Olympischen Eisstadion. "Fast wie in der Disco" hat sich der Kapitän der deutschen Männer, Marc Muskatewitz, nach dem Sieg gegen Italien gefühlt. "Das trägt uns extrem. Wir können das voll aufsaugen", freut sich der 30-jährige Curler. Und auch von den Rodlern hörte man von rauschenden Festen im Deutschen Haus.
Olympische Stimmung ist also auch bei den diesjährigen Spielen möglich, nur halt nicht in Bormio.
