Paralympisches Gold, zahlreiche Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften und nicht zuletzt Weltrekorde: In den vergangenen Jahren vermochte niemand Josia Topf im Schwimmbecken das Wasser zu reichen. Spätestens seit den Paralympischen Sommerspielen 2024 in Paris ist 23-Jährige aus Erlangen weit über die Sportwelt hinaus bekannt - auch wegen seines Einsatzes für mehr Inklusion und Barrierefreiheit im Alltag.
- "Pizza & Pommes" – der BR24Sport-Podcast mit Felix Neureuther und Philipp Nagel. Die neue Folge jetzt anhören in der ARD Sounds App. Den Podcast gibt es jetzt auch als Videopodcast bei BR24Sport auf YouTube.
Seit jeher macht Topf mit seiner geradlinigen und offenen Art sowie seiner Eloquenz auf etwaige Missstände aufmerksam. "Ich kann die Dinge ehrlich ansprechen", meinte der bayerische Ausnahmeathlet im BR24Sport-Podcast "Pizza & Pommes" mit den Hosts Felix Neureuther und Philipp Nagel in Bezug auf seine Rolle. "Ich kann ihnen eine Tiefe geben, damit Leute sie verstehen. Und durch meinen Humor kann ich die Opferrolle rausnehmen."
Josia Topf: "Die Opferkarte will ich auf keinen Fall"
Letztere sei laut Topf im Diskurs rund um das Thema Inklusion nicht förderlich. "Es ist wichtig, dass sich Menschen mit Behinderung nicht als Opfer darstellen, weil am Ende des Tages möchtest du Teil dieser Gesellschaft sein. Du möchtest mitwirken, deine Verpflichtung wahrnehmen", unterstrich er. "Allerdings brauche ich leider etwas Hilfe, um an diesem Tisch zu sitzen, weil ich nicht die gleichen Voraussetzungen mitbringe wie ihr." Aber eines sei klar: "Die Opferkarte und Mitleid will ich auf keinen Fall."
Erinnerungen an Olympia 2012: "Und so habe ich mein Ziel erkannt"
Seine Berufung hat Topf, der mit einer Dysmelie, dem TAR-Syndrom sowie einer Aplasie beider Kniegelenke geboren wurde, schon früh in seiner Kindheit gefunden. Im Alter von fünf Jahren brachte ihm sein Vater das Schwimmen bei. "Mein Papa hat gesagt, jeder Mensch muss schwimmen können, egal ob behindert oder nicht", erinnerte sich der paralympische Champion. Aus den ersten Versuchen entwickelte sich eine Faszination, welche ihn schließlich in einen Verein führte - und wenige Jahre später ganz groß träumen ließ.
Topf wollte sich mit anderen Athleten messen "und schauen, wie gut ich werden und wie weit ich kommen kann. Dann waren da auch noch die Olympischen Spiele 2012 in London, deren Eröffnungsfeier ich gesehen habe - und so habe ich mein Ziel erkannt."
Josia Topf war im BR24Sport-Podcast "Pizza & Pommes" mit den Hosts Felix Neureuther und Philipp Nagel zu Gast
Topf über Inklusion: Den Sportvereinen die Angst nehmen
Während seiner Laufbahn gehörte Topf stets der Schwimmsportgemeinschaft Erlangen - kurz: SSG 81 Erlangen - an. Angesichts der Voraussetzungen im Breitensport ist die Entwicklung von Topf aber noch lange keine Selbstverständlichkeit. "Ich glaube, dass der Sport mit behinderten Menschen im Breitensport - im Spitzensport ist noch mal was anderes - jeweils von den Menschen abhängt, die vor Ort sind", merkte er an. "Und das ist einfach sehr, sehr schwierig. Das spiegeln keine Zahlen so richtig wider."
Auch sein eigener Verein habe anfangs kein inklusives Angebot vorweisen können. "Wir haben halt einfach angefragt und dann haben sie gesagt, ja, da könnten wir uns schon was vorstellen", erzählte Topf. "Dann wurde ich in eine Trainingsgruppe getan und dann wurden Dinge entwickelt, wie ich am Training teilnehmen konnte."
Viel zu oft fühlten sich Verantwortliche laut Topf von etwaigen Anforderungen für ein barrierefreies Trainieren - eigene Umkleiden, Parkplätze oder spezifische medizinische Ausrüstungen - erschlagen. "Und das ist etwas, wo man den Vereinen die Angst nehmen muss. Leute mit Behinderung wollen Sport treiben und wissen, dass sie anders sind. Aber wenn wir gemeinsam versuchen, was voranzutreiben, dann können wir gemeinsam eine Lösung finden."
Topf will Karriere nach Olympia 2028 beenden
Und wie geht es für Topf selbst weiter? Die Frage nach der Zukunft stellt sich beim Ausnahmeschwimmer aus Erlangen spätestens seit dem Zuschlag für die Münchner Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Zwar ist Topf erst 23 Jahre alt, aber "ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich meinen Sport liebe - aber die Sommerspiele 2028 in Los Angeles meine letzten sein werden."
Sollten Olympia und die Paralympics jedoch tatsächlich nach Deutschland zurückkehren, möchte Topf in einer anderen Rolle mitwirken. Der Vizeweltmeister von 2022 wolle seiner Heimat "und der Generation, die nach mir kommt, etwas geben, was ich als Sportler nicht unbedingt mehr kann. Das heißt: Mein Ziel ist es, Funktionär zu werden für die Sommerspiele 2036, 2040 und 2044."

