Die Olympischen Winterspiele 2026 sind Geschichte. Das Abschneiden der deutschen Delegation hat dabei Diskussionen um die Förderung des Leistungssports in der Bundesrepublik ausgelöst. Im BR24Sport-Podcast Pizza & Pommes sprechen Felix Neureuther und Philipp Nagel mit der dreifachen Weltmeisterin im Freiwasser-Schwimmen Leonie Beck über das Thema und die Frage, ob es sich noch lohnt, in Deutschland Profi-Sportler zu werden.
Beck: "Wir machen das auf jeden Fall nicht fürs Geld"
Wie Beck erzählt, sind die finanziellen Möglichkeiten in ihrer Sportart gering. Eine Karriere im Weltcup, der pro Saison aus fünf bis sechs Rennen besteht, reicht nicht, um im Anschluss ausgesorgt zu haben. Die Prämien sind schlichtweg zu gering.
"Du bekommst 3.000 Dollar für einen Sieg. Und dann geht es bis zu Platz acht runter. Da kriegst du noch 800 oder 500 Dollar. Wir machen das auf jeden Fall nicht fürs Geld. Die Prämie für WM-Gold wurde jetzt ein bisschen angehoben. Da kriegen wir 20.000 Dollar", berichtet die Würzburgerin. Gewinnt man den Gesamtweltcup, winken immerhin 50.000 Dollar. Das ist viel Geld. Aber Beck gibt zu Bedenken: "Das ist, wenn du die Beste der Welt bist. Du musst alles gewinnen, wenn du das erreichen möchtest."
Neureuther: "Es ist viel zu wenig Geld da"
Neben Preisgeldern werden Sportler in Deutschland durch die Sporthilfe gefördert. Doch hier werden keine Reichtümer verteilt, auch weil die Finanzierung der Organisation kaum ausreicht. Felix Neureuther sieht darin ein generelles Problem: "Es ist viel zu wenig Geld da, um gezielt Leistungs- und Breitensport zu fördern. Da reichen 500 Millionen oder eine Milliarde Euro einfach nicht aus."
Alternativ bleibt deutschen Sportlern noch die Möglichkeit, sich bei der Bundeswehr, bei der Bundespolizei oder beim Zoll zu verpflichten. Doch diese Option ist nicht für alle gleich praktikabel, wie Beck anmerkt: "Ich habe mich damals gegen die Bundeswehr entschieden, weil man vor vielen Jahren nicht nebenbei studieren konnte. Ich war dann, glaube ich, einer der ersten Jahrgänge, wo man nebenbei hätte studieren können, aber ich hatte nie Zeit für die Grundausbildung. Sechs Wochen kein Training – das ging bei mir nicht."
Beck: Instagram als "Plattform für Sponsoren"
Beck, die seit mehreren Jahren in Italien trainiert, greift darum auf die sozialen Medien zurück: "Da ist viel Eigeninitiative dabei, sich irgendetwas aufzubauen. Deswegen habe ich auch mit Instagram angefangen, damit man irgendeine Plattform für Sponsoren hat."
Grundsätzlich hält die dreimalige Weltmeisterin es für notwendig, sich als professionelle Sportlerin nicht alleine auf die aktive Laufbahn zu verlassen. "Was ich jedem mit auf den Weg geben möchte, ist, dass man sich eine duale Karriere aufbauen muss", sagte sie. Ihre Botschaft: "Es gibt ein Leben danach und darauf muss man sich vorbereiten."
Neureuther: "Mein Vater hat immer gesagt: 'Ohne Abitur kein Skisport'"
Neureuther sieht das genauso. "Mein Vater hat immer gesagt: 'Ohne Abitur kein Skisport'", erklärt das ehemalige Slalom-Ass. Seinen Eltern ist er für die Vorgabe dankbar, auch wenn er in seiner Jugend anders dachte: "Ich wollte nach der Zehnten aufhören, die Schule schmeißen."
Trotz der Mühen und der finanziellen Unsicherheit zögert Beck keine Sekunde, als sie gefragt wird, ob sie Kindern den Weg in den Profisport noch empfehlen würde: "Na klar. Man bekommt so viel mit fürs Leben. So viele tolle Werte."
Beck: Unterstützung durch Familie großer Faktor
Allerdings muss auch Beck zugeben, "ohne die familiäre Unterstützung wird es schon schwierig. Wir haben ja auch Trainingslager, bevor wir in diese Förderungsstufe reinkommen. Und das kostet dann auch 2.000 Euro oder so und das kann man nicht einfach alleine finanzieren. Da muss man sich dann doch Nebenjobs suchen."
