Mit nur zwei Silbermedaillen hinkt der deutsche Skirennsport auch bei den Olympischen Winterspielen 2026 seinen Erwartungen hinterher. Bereits 2022 in Peking und 2018 in Pyeongchang gewannen die die DSV-Athleten im Ski alpin insgesamt nur eine Medaille. Die ehemalige Skirennfahrerin Viktoria Rebensburg sagt deshalb: "Man muss auch nicht alles schlecht reden."
DSV-Zugpferd Emma Aicher
Besonders bei den Frauen sieht Viktoria Rebensburg eine Perspektive: "Emma Aicher steht eine große Zukunft bevor. Sie hat auch bei einem Großereignis gezeigt, dass sie cool bleiben kann." Gerade ihre Vielfältigkeit mache sie zu einer außergewöhnlichen Skifahrerin. Aicher geht in allen Ski-Disziplinen an den Start und kann überall in der Weltspitze mithalten. "Wenn alles normal weiterläuft, gewinnt sie den Gesamtweltcup", so die Olympiasiegerin Rebensburg.
Nach Aicher ist das DSV-Aufgebot aber dünn. In Deutschland habe es aber nie fünf Top-Athleten und -Athletinnen gegeben. "Umso wichtiger ist eine Figur wie die Emme, die den Nachwuchs im Team auch mitziehen und motivieren kann", sagt Rebensburg. Bei den Herren sieht die 36-Jährige noch mehr Luft nach oben. Die ehemalige Skirennläuferin hofft aber auf die beiden U21-Weltmeister Benno Brandis und Felix Rösle.
Leistungssport als Abbild der Gesellschaft
Für Rebensburg liegt die Erfolglosigkeit im Skisport nicht nur beim DSV. Der Leistungssport habe in Deutschland nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher. "Der Leistungssport ist immer auch ein Abbild der Gesellschaft. Und da hat die Leistungskultur in Deutschland meiner Meinung nach leider abgenommen", kritisiert Rebensburg. Außerdem sei es immer schwierig den Nachwuchs für Sport zu begeistern. Mit Social Media sei eine große Konkurrenz hinzugekommen.
In der Nachbetrachtung der Spiele fehlt Rebensburg aber dennoch die Differenzierung. "Im Leistungssport kann es auch schnell gehen. Wenn man da nur ein bisschen mehr Glück hat, haben wir auf einmal viel sieben Medaillen mehr", sagt die Olympiasiegerin von 2010. Trotzdem gehe der Trend sowohl im Sommer als auch im Winter bergab. Neben den Sportverbänden nimmt Rebensburg auch die Politik in die Pflicht.
Sportförderung in der Kritik
Der DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier stellt in seiner Analyse nach Olympia eine Verdichtung im Leistungssport fest. Andere Nationen seien einfach deutlich stärker geworden. Allerdings fallen die Belohnungen für gute Leistungen bei anderen Nationen auch deutlich höher aus. "Wir können nicht sagen: Wir wollen Dritter werden im Medaillenspiegel und dann im Vergleich zu anderen Nationen weniger dafür machen. Da müssen wir uns dann schon fragen: Wollen wir den Leistungssport noch?", sagt Rebensburg.
Bei den Olympischen Spielen 2026 kassierten die deutschen Athleten und Athletinnen 30.000 Euro für eine Goldmedaille. In Italien, Vierter im Medaillenspiegel, waren es hingegen 180.000 Euro. Polen bezahlt seinen Olympiaseigern sogar eine monatliche Rente ab dem 40. Lebensjahr. Ob mit mehr Geld wirklich bessere Ergebnisse kommen, ist nicht klar. Wichtig ist auch, das vorhandene Geld richtig einzusetzen. Außerdem muss man, wie Rebensburg sagt, "nicht alles schlecht reden."
