Seit der Verletzung von Lennart Karl ist der gern zitierte Bayern-Block im DFB-Team geschrumpft. Bei der WM-Generalprobe in Chicago gegen den Gastgeber waren "nur" vier Profis des FC Bayern in der Startformation, an der sich bis zum Auftakt ins Turnier gegen Curacao am Sonntag (ab 19 Uhr in der Radioreportage und im Stream) nicht mehr allzu viel verändern dürfte.
Neuer vor DFB-Rückkehr gegen Curacao
Immer eine Änderung ist eingeplant. Auch wenn Oliver Baumann gegen die USA herausragend hielt, wird dennoch Manuel Neuer zwischen den Pfosten stehen - vorausgesetzt die zuletzt lädierte Wade meldet sich nicht doch noch mal. Pünktlich zur Ankunft im WM-Camp in Winston-Salem war Neuer ins Training wieder eingestiegen. Gegen den Underdog aus der Karibik sollte es Neuers "Aura" (Zitat Bundestrainer Nagelsmann) zwar noch nicht brauchen.
Dennoch könnte die Partie genau richtig sein, um Spielpraxis für die weiteren Aufgaben Elfenbeinküste und Ecuador und mögliche Gegner in der K.o.-Runde zu sammeln. Neuer soll von hinten raus der Abwehr Stabilität verleihen. Die wirkte gegen die USA nicht immer sicher, verließ sich ein ums andere Mal ein wenig zu sehr auf Schlussmann Baumann.
Defensive Ordnung dank des Bayern-Blocks?
In der Defensive agieren die FC-Bayern-Profis Jonathan Tah und Joshua Kimmich. Auch der wohl Bald-Münchner Nathaniel Brown dürfte ein Startelfmandat im ersten Gruppenspiel erhalten. Damit ist die Abwehr tief rot-weiß geprägt. Zwar steht die Nationalmannschaft nicht ganz so hoch wie die Münchner, die regelmäßig mit allen Feldspielern in der gegnerischen Hälfte postiert sind und das Pressing fast am gegnerischen Fünfmeterraum auslösen. Doch auch Nagelsmann verfolgt den spielerischen Ansatz, sich vom Tor aus nach vorne zu kombinieren.
Die Bayern-Achse kann da helfen, weiß auch der Bundestrainer, der schon im letzten Herbst sagte: "Es ist immer wertvoll, wenn du Verbindungen aus den einzelnen Klubs hast." Eben weil die Spieler aus Termingründen in der Nationalmannschaft seltener zusammenspielten. Allerdings: wenn man überhaupt eine Schwachstelle beim FC Bayern in der abgelaufenen Spielzeit ausmachen wollte, dann war es die Abwehr. Die steht aber beim DFB nicht ganz so offensiv.
Zusätzliche Stabilität soll das Mittelfeld verleihen, das mit Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha mit Allroundern bestückt ist. Beide können defensiv arbeiten, aber auch im Falle des Dortmunders sich offensiv einschalten. Einen Bankplatz wird wohl Leon Goretzka einnehmen.
Kreative Momente: Wird Musiala zum X-Faktor
Deutlich mehr Fragezeichen stellen sich da bei Jamal Musiala. Seinen Platz hinter der Sturmspitze hat der Münchner sicher. Von seinen Leistungen während der Heim-EM ist er dennoch weit entfernt. Bundestrainer Julian Nagelsmann versucht ihm immer wieder Mut zuzusprechen und setzt auf den 23-Jährigen. Gegen die USA blieb Musiala aber blass, die Leichtigkeit scheint ihm abzugehen. Mutmaßlich Spätfolgen des vor einem Jahr erlittenen Schien- und Wadenbeinbruchs. Vielleicht kann auch er - wie Neuer - die Partie gegen Neuling Curacao nutzen, um sich wieder an das Spiel zu gewöhnen.
Weltmeister-Mannschaften mit starkem Bayern-Block
Die Weltmeistermannschaften 1974, 1990 und 2014 hatten eines gemeinsam: eine klar erkennbare Bayern-Achse. Die ist nun auch in diesem Jahr wieder deutlich wahrnehmbar. Gleichzeitig ist ein ausgewiesener Bayern-Block keine Titel-Garantie. Beim Vorrundenaus in Katar vor vier Jahren standen im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica sogar sieben Profis des deutschen Rekordmeisters in der Anfangsformation - und dennoch mussten danach die Koffer gepackt werden. Das gilt es diesmal zuvorderst zu verhindern. Das große Ziel bleibt aber nicht nur für den Bayern-Block: Der fünfte Stern.
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