"No deal, deal off oder done deal" – so wird heute minutiös über Verpflichtungen von Fußballern berichtet. Inzwischen gibt es Journalisten, die nur mit dem frühzeitigen Melden von Vereinswechseln ihr Geld verdienen. Jedes kleinste Detail wird von Florian Plettenberg, Fabrizio Romano und Co. ausgegraben und an die Öffentlichkeit getragen. Von den Ablösesummen, die mittlerweile für Spieler aufgerufen werden, ganz zu schweigen.
75 Millionen für Woltemade: Wie entstehen solche hohen Ablösesummen?
"Die Summen sind für den Normalsterblichen manchmal wirklich ein bisschen illusorisch und schwer nachzuvollziehen", findet Ex-Bundesliga-Manager Michael Reschke im BR24Sport-Interview. Das Transfergeschäft habe sich "eskalierend entwickelt". Doch woher kommt dieser Trend?
150 Millionen Euro zahlte der FC Liverpool für Florian Wirtz. Der FC Bayern überwies 70 Millionen für Luis Díaz an die "Reds". Das Transferobjekt des Sommers in Deutschland war aber Nick Woltemade, für den der Rekordmeister bereit war, über 60 Millionen zu zahlen. Für einen 23-Jährigen, der in der vergangenen Saison in der Hinrunde nicht einmal im Königsklassenkader stand, am Ende der Saison aber 17 Treffer erzielt hatte.
Das Portal "transfermarkt.de" beziffert Woltemades Marktwert auf 30 Millionen Euro. Doch diese Angaben könnten "nur Groborientierungen sein", sagt Reschke. "Der Markt wird bestimmt von dem Verkäufer, weil der am Ende des Tages immer grünes Licht geben muss."
Reschkes Befürchtung: Premier League enteilt der Bundesliga
Zusätzlichen Einfluss auf die Preisgestaltung hat die Premier League, weiß Reschke. Diese sei finanziell "immer weiter enteilt", sodass Spieler einen Wechsel nach England der Bundesliga vorziehen. "Dadurch sind die Münchner eigentlich in der Situation, dass sie auch sehr, sehr hoch mitpokern müssen."
Der FC Bayern spiele "nach wie vor in dem Konzert der sechs, acht, zehn Großen in Europa". Trotzdem sei der Rekordmeister Jahr für Jahr in der "Zwangslage, dass du bereit sein musst, auch sehr viel Geld in die Hand zu nehmen. Weil Spieler, die Bayern München wirklich auf diesem Top-Niveau besser machen, die kosten in der Regel viel Geld."
Reschke: Transferverhandlungen nach drei Gläsern Wein
Reschke hat schon einige Transferphasen erlebt; als Manager bei Bayer Leverkusen, Technischer Direktor beim FC Bayern oder auf Schalke, oder als Sportvorstand beim VfB Stuttgart. Verhandlungen erfolgten nicht immer nur per Telefon. "Die haben auch schon mal in Restaurants stattgefunden, wenn drei Gläser Wein getrunken worden sind. Das ist speziell, wenn du in Südamerika bist, da gehört ein bisschen Palaver dazu", so Reschke.
Anders sei es hingegen bei den Königlichen. "Wenn du mit Real Madrid verhandelst (...), dann gibt es zehn Minuten Smalltalk und danach geht es in die Verhandlungen rein und die finden im Klub statt." Das sei aber "keine Gesetzmäßigkeit. Die kann auch mal an einer Autobahnraststätte stattfinden". Bei welchen Transfers das der Fall war, will Reschke aber nicht verraten.
Seit fünf Jahren ist Reschke raus aus dem Fußballgeschäft, vertritt als Berater nur noch U21-Nationalspieler Eric Martel und ist Vorsitzender der Berateragentur Stellar Football. Aus seiner Funktionärszeit weiß er: "Das Mail-Postfach jedes Bundesliga-Managers quillt im Moment über. Du bekommst jeden Tag zig Spieler angeboten." In seltenen Fällen könne man dadurch auf einen Spieler stoßen, den man gar nicht auf dem Markt vermutet hätte. "Aber in der Regel, sage ich mal, ist das vielleicht einer von zehn. Die neun anderen Transfers beruhen immer auf eigenem Scouting."
Berater treten in die Öffentlichkeit
Manchmal bieten Spielerberater anderen Vereinen ihre Klienten an. Am Fall Nick Woltemade lässt sich der gestiegene öffentliche Einfluss von Beratern gut ablesen. Woltemades Vertreter Danny Bachmann wählte in den letzten Wochen mehrfach den Weg in die Presse und gab Einblicke in den Verhandlungsstand – auch, um Druck aufzubauen.
Dass man den Berater bittet, zwischen den Fronten zu agieren und zu sagen, wo ist denn die Schmerzgrenze bei denen, sei gängige Praxis, erklärt Reschke. "Dass es im Rahmen eines Transfers dann auch mal zu ruppigen Aussagen kommt, das empfinde ich auch als völlig normal."
Wenn die Transferphase vorbei sei, könnten sich alle Partien aber wieder in die Augen schauen, so Reschke.
Dieser Artikel ist erstmals am 26.8.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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