Die Saison ist vorbei, die Ziele sind es nicht. Mit dem Sieg bei der Premiere der World Athletics Ultimate Championship in Budapest hat Hammerwerfer Merlin Hummel das erfolgreichste Jahr seiner Karriere gekrönt. Statt sich lange auf dem Erfolg auszuruhen, richtet der 24-Jährige den Blick bereits auf die nächsten Herausforderungen.
Der perfekte Abschluss einer starken Saison
Silber bei der Weltmeisterschaft, Silber bei der Europameisterschaft und nun Gold in Budapest: Viel besser hätte die Saison für Hummel kaum verlaufen können.
Bei der Ultimate Championship setzte sich der Oberfranke gegen die besten Hammerwerfer der Welt durch. Besonders eindrucksvoll: Selbst Weltmeister und Olympiasieger Ethan Katzberg konnte ihm nicht gefährlich werden. Der Kanadier schied bereits nach zwei Versuchen aus und gratulierte Hummel anschließend mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Seine Leistung sei "großartig" und "fantastisch" gewesen.
Für den Oberfranken war der Erfolg die Bestätigung einer Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich angedeutet hatte. Aus dem Talent ist längst ein Athlet geworden, der regelmäßig um internationale Medaillen kämpft.
Ein Gold-Coup, der sich auszahlt
Der Triumph in Budapest brachte nicht nur sportlichen Ruhm. Für seinen Sieg erhielt Hummel 150.000 US-Dollar Preisgeld, umgerechnet rund 129.000 Euro. Wer nun luxuriöse Urlaubspläne oder größere Anschaffungen erwartet, wird allerdings enttäuscht. Hummel begegnete dem Geldsegen mit seiner gewohnt bodenständigen Art. "Ich glaube, erstmal dick Steuern zahlen", sagte er nach dem Wettkampf mit einem Grinsen. Danach wolle er das Geld möglichst sinnvoll anlegen.
Auch die freien Tage fallen vergleichsweise bescheiden aus. Statt Fernreise geht es für den Hammerwerfer in den Schwarzwald, um nach der langen Saison einige Tage abzuschalten.
"Das kann kein Geld der Welt kaufen"
Für den Kulmbacher steht ohnehin nicht das Preisgeld im Mittelpunkt. Die Motivation für die täglichen Trainingsstunden auf dem Wurfplatz liegt woanders. "Ich mache das Ganze, weil es Spaß macht und weil der Weg das Ziel ist", erklärte der 24-Jährige. Besonders wichtig sei ihm die gemeinsame Entwicklung mit seiner Trainerin und seinem Umfeld.
Die Fortschritte der vergangenen Jahre seien das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit. "Das kann kein Geld der Welt kaufen", sagte Hummel über die Arbeit mit seinem Team. Diese Einstellung ist ein Grund dafür, warum der Oberfranke trotz seiner Erfolge als einer der bodenständigsten deutschen Leichtathleten gilt.
Lob für das neue Format
Auch vom neuen Wettkampfformat zeigte sich Hummel angetan. Die Ultimate Championship soll die Leichtathletik kompakter und attraktiver präsentieren. Der Fokus liegt stärker auf den Entscheidungen und weniger auf langen Qualifikationsrunden.
Grundsätzlich könne das Konzept helfen, die Sportart für Zuschauer interessanter zu machen. Verbesserungspotenzial sieht Hummel dennoch. Sein Vorschlag: etwas geringere Preisgelder und dafür mehr Startplätze für weitere Disziplinen. So könnte die Veranstaltung die Vielfalt der Leichtathletik noch besser abbilden.
Der deutsche Rekord ist das nächste Ziel
Nach dem Urlaub beginnt für Hummel bereits die Vorbereitung auf die kommende Saison. Und die nächste Bestmarke hat er längst im Visier. Der deutsche Rekord von Ralf Haber hält seit 1988 und liegt bei 83,40 Metern. Eine Marke, die über Jahrzehnte unangetastet blieb. Für Hummel wirkt sie inzwischen jedoch durchaus erreichbar. "Der ist auf jeden Fall drin", sagte er selbstbewusst.
Doch damit nicht genug. Sein großes Ziel für die kommende Saison lautet 85 Meter. Eine Weite, die ihn endgültig in die absolute Weltelite des Hammerwerfens katapultieren würde. Budapest war für Merlin Hummel deshalb nicht das Ende einer erfolgreichen Reise. Vielmehr könnte der Sieg der Startschuss für den nächsten großen Schritt seiner Karriere gewesen sein.
