Hummel stürmte los, schnappte sich die Deutschland-Fahne und zeigte dann vor der Fankurve grinsend seine gewaltigen Oberarme: Ein Jahr nach seinem Silbercoup bei der WM in Tokio hat sich der "Vize-King of the Ring" die nächste Medaille geschnappt und in einem packenden EM-Finale Platz zwei belegt. Im vorletzten Versuch hämmerte sich der Kulmbacher noch von Rang fünf auf das Podest - das war seit 20 Jahren keinem deutschen Athleten gelungen
Für Hummel war die Medaille ein besonderer Erfolg: Der 24-Jährige ist der erste deutsche Hammerwerfer seit 20 Jahren, der bei einer Europameisterschaft auf dem Podium steht. Zuletzt hatte Markus Esser 2006 in Göteborg Bronze gewonnen. Europameister waren zuvor lediglich Karl Hein 1938 und Uwe Beyer 1971 geworden.
Hummel übersteht Quali mit Mühe
Dabei hatte Hummel am Vortag nur mit Mühe das Finale erreicht. Mit 75,49 Metern und drei schwachen Versuchen belegte er in der Qualifikation lediglich Rang zehn. Ein Jahr zuvor hatte der Frankfurter in Tokio noch 82,77 Meter geworfen. Mental habe es bei der Qualifikation nicht gestimmt, erklärte Hummel anschließend. Gleichzeitig erinnerte er sich daran, dass er eine ähnlich schwache Qualifikation bereits einmal erlebt habe – und danach im Finale erfolgreich gewesen sei.
Im Finale erwischte Hummel zunächst einen guten Start. Bereits im ersten Versuch schleuderte er den Hammer auf 79,08 Meter und setzte sich damit auf Rang drei. Danach wurde der Wettkampf jedoch zur Nervenprobe. Sein zweiter Versuch war ungültig, im dritten landete der Hammer im Fangnetz. Im vierten Durchgang brach der Oberfranke seinen Versuch zunächst ab und kam anschließend nur auf 75,97 Meter. Frustriert fasste er sich an den Kopf und rutschte zwischenzeitlich auf Rang fünf ab.
Der fünfte Versuch bringt die Erlösung
Doch im fünften Versuch gelang die Wende. Hummel forderte die Zuschauer lautstark zur Unterstützung auf und setzte anschließend alles in einen Wurf. Der Hammer flog auf 81,30 Meter. Hummel riss die Faust nach oben und rückte damit wieder dicht an den führenden Halasz heran.
Der Ungar, WM-Dritter und bereits mehrfacher Medaillengewinner, antwortete allerdings unmittelbar. Mit 84,25 Metern erzielte Halasz eine Weltklasseweite. Nur neun Männer haben den Hammer in der Geschichte weiter geworfen. Hummel konnte darauf nicht mehr reagieren und durfte sich dennoch über Silber freuen. Das war ein "unfassbar epischer Battle. Genauso habe ich es erwartet", sagte Hummel im ZDF. Nach der verpatzten Quali habe er seinen "Extra-Fokus aktiviert, das hat ganz gut geholfen. Ich bin sehr dankbar und sehr glücklich über dieses geile Finale."
Für den Deutschen Leichtathletik-Verband war Hummels Silbermedaille bereits die dritte Medaille bei den Titelkämpfen in England. Für den 24-Jährigen ist es nach WM-Silber in Tokio der nächste große Erfolg auf internationaler Bühne.
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