Dass München die Hauptstadt für autonome Waffen ist, steht – anders als das Oktoberfest oder die Eisbachwelle – noch nicht in den Reiseführern. Aber: "Europaweit sind wir in München Vorreiter", sagt Maximilian Epp, Referent für Verteidigungsindustrie bei der IHK München. Damit meint Epp Start-ups, die KI und Militär verbinden. "Die Summen, die investiert wurden in München: Zwischen 2022 und 2025 waren es 1,7 Milliarden Dollar", erklärt Epp.
KI-gesteuerte Drohnen, made in Munich
Acht solcher Start-ups findet man in München schon jetzt: Unternehmen wie der Aufklärungsdrohnen-Hersteller Quantum-Systems, der KI-Kleinpanzerhersteller ARX Robotics oder das Defence-Tech-Start-up Helsing. Letzteres konnte auch dank einer millionenschweren Investition von Spotify-Chef Daniel Ek in der Landeshauptstadt Fuß fassen. "Was ich vermisse, ist das grundlegende Verständnis, dass sich die gesamte Kriegsführung revolutioniert", kritisiert Johannes König, Vorsitzender der Linken in München. Diese Innovationen der KI-Kriegsindustrie vergleicht König mit der Erfindung der Atombombe.
"Inwieweit verliert der Mensch die Kontrolle?"
Bei den Start-ups geht es laut Johannes König um die Frage: "Inwieweit verliert der Mensch die Kontrolle über Entscheidungen, die zur Tötung führen?" Kritiker heben hier zum Beispiel die Drohne HX-2 von Helsing hervor. Diese KI-gesteuerte Drohne ist eine sogenannte "Loitering Weapon", eine "lungernde Waffe". Sie kreist über das Zielgebiet, bis sie schließlich explodiert. Umgangssprachlich heißt sie deshalb auch Kamikaze-Drohne. Helsing selbst lehnt ein Interview "aufgrund der Vielzahl an Anfragen" ab. Maximilian Epp von der Industrie- und Handelskammer weist die Kritik an dem Start-up und seiner KI-Drohne jedoch zurück: "Das Wichtigste ist der 'Human in the Loop'", sagt Epp.
KI-Unternehmen verweisen auf "Human in the loop"
"Human in the loop" meint, dass der Mensch immer derjenige bleibt, der entscheidet, ob etwas zerstört oder abgeschossen wird. Helsing wirbt derzeit damit, dass KI die Kontrolle über die HX-2 auch dann behält, wenn das GPS-Signal gestört wird. Ein Widerspruch? Laut Maximilian Epp entscheidet ein Mensch trotzdem noch, was die Drohne angreift. Auch Helsing hat sich schon über moralische Grauzonen bei der Entwicklung seiner Produkte geäußert. Im wirtschaftsnahen OMR-Podcast sagt Ex-Palantir-Mitarbeiter Robert Fink, der als Technischer Direktor zu Helsing gewechselt ist: "Mir würde es tatsächlich besser gehen, wenn es diese Firma nicht geben müsste." Dennoch sei er überzeugt, dass Europa ohne Helsing schlechter dastünde.
Oberbürgermeister Krause nimmt Firmen in Schutz
Eine Überzeugung, die auch Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) teilt. Auf Anfrage von Bayern2 Zündfunk sagt er: "Es ist aus meiner Sicht leider notwendig, dass Deutschland angesichts der zunehmenden Bedrohungen (…) eigene Fähigkeiten aufbaut, um die europäische Verteidigungsfähigkeit zu gewährleisten." Laut Maximilian Epp von der IHK sind viele der Technologien, die in München entwickelt werden, zudem "Dual-Use" – würden also auch der Zivilgesellschaft nützen. Johannes König von den Linken sieht das anders. Gesellschaften, die aufrüsten, würden demokratische Errungenschaften abbauen. König betont: "Die Drohne von Helsing ist eine Angriffsdrohne, die sich selbst und ein Ziel zerstört. Das hat mit Verteidigung nichts zu tun."
Bundeswirtschaftsministerium fördert Start-ups
Den finanziellen Rahmen liefert der Bund. Die Bundeswehr ist für viele der Start-ups Ankerkunde. Auch das Wirtschaftsministerium unterstützt die Unternehmen mit einer neuen "Start-up- und Scale-up"-Strategie als Risikokapitalgeber. Das Bundeswirtschaftsministerium betont jedoch, dass diese Förderung nur gelte, solange Menschen noch die Kontrolle über autonome Waffen behielten.
Die Vereinten Nationen diskutieren derweil seit Jahren über den Einsatz autonomer Waffensysteme. Dort geht man davon aus, dass der Einsatz von Waffen stark zunimmt, die in der Lage sind, ohne menschliche Kontrolle anzugreifen.
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