Die Rivalität zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 München erhält kurz vor dem kleinen Münchner Derby in der Regionalliga Bayern eine zusätzliche Brisanz. Der Auslöser liegt zwar schon einige Monate zurück, bekommt aber nun neue Relevanz: das provokante Transparent, das während der Meisterfeier auf dem Marienplatz gezeigt wurde.
Zwar hatte FCB-Präsident Herbert Hainer unmittelbar nach der Aktion angekündigt, auf eine Strafanzeige verzichten zu wollen. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks liegt der Staatsanwaltschaft inzwischen jedoch eine Anzeige der FC-Bayern-AG vor. Wegen des Anfangsverdachts einer Beleidigung sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.
Anzeige zum Schutz des "Vereinslogos"
Als 1860-Anhänger während der Bayern-Meisterfeier im Mai ein Banner mit einem veränderten Bayern-Logo präsentierten, sorgte dies zunächst für Gelächter und Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Wie die "Bild" berichtete, gab es eine Hausdurchsuchung bei einem Sechziger-Fan, der an der Aktion beteiligt gewesen sein soll, um mögliche Beweise sicherzustellen.
Der FC Bayern begründete gegenüber der "Bild" sein Vorgehen vor allem mit dem Schutz seines Vereinslogos und um zu verhindern, dass veränderte oder beleidigende Darstellungen des Wappens weiter verbreitet werden.
Der Anwalt des betroffenen Sechziger-Fans Sebastian Wagner hält die Durchsuchung für überzogen und zudem für nicht gerechtfertigt. Auf BR-Anfrage teilte er mit, dass die Beleidigung eines Kollektivs – in diesem Fall des Vereins FC Bayern – strafrechtlich nicht verfolgt werden kann. Dazu müsste ein bestimmter, eingrenzbarer Kreis an Personen beleidigt worden sein, was in diesem Fall nicht zutreffe. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu nicht.
Münchner Derby ist Hochsicherheitsspiel
Die Ereignisse zeigen einmal mehr: Die Rivalität zwischen Rot und Blau ist in München lebendig wie eh und je. Die aktuelle Auseinandersetzung verleiht dem Regionalliga-Derby am Sonntag zusätzliche Brisanz. Wenn die Zweitvertretung des FC Bayern und der TSV 1860 in der Regionalliga im Grünwalder Stadion aufeinandertreffen, wird die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort sein.
Mehrere hundert Einsatzkräfte, darunter die Reiterstaffel und das Unterstützungskommando (USK), sollen rund um das Grünwalder Stadion mögliche Zusammenstöße rivalisierender Fangruppen verhindern. Die Begegnung gilt als Hochrisikospiel, obwohl es "nur" um ein Regionalligaspiel geht.
Eine Rivalität mit Tradition
Die Geschichte der Münchner Fußballrivalität reicht Jahrzehnte zurück. Schon in den Bundesliga-Derbys der 1990er- und 2000er-Jahre lieferten sich beide Lager erbitterte Wortgefechte. Auf den Rängen wurden Banner ausgerollt, in der Stadt wurden Vereinsfarben markiert und die Frage diskutiert, wem München eigentlich gehört.
Selbst nach dem sportlichen Absturz der Löwen riss der gegenseitige Schlagabtausch nie ab. Immer wieder kam es bei Derbys der Jugendmannschaften oder rund um Fanaktionen zu Provokationen beider Lager. Unter anderem bemalten FC-Bayern-Anhänger die Westkurve des Grünwalderstadions zu mehreren Gelegenheiten mit den Vereinsfarben des FC Bayern.
Derby-Stimmung längst in der ganzen Stadt spürbar
Wie lebendig die Rivalität noch immer ist, zeigen die jüngsten Graffiti-Aktionen in München. Seit Wochen überziehen Bayern- und 1860-Anhänger Stromkästen, Schallschutzwände und Brücken mit den Farben ihrer Vereine.
Heute liegen zwischen beiden Vereinen zwar sportlich Welten. Während der FC Bayern regelmäßig um nationale und internationale Titel spielt, kämpft 1860 seit Jahren um die Rückkehr in höhere Ligen. An der Emotionalität des Derbys hat das bis heute nichts geändert.
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