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Olympia 2026: KI-Filter des DOSB schützt Athleten vor Hass

Olympia 2026: KI-Filter des DOSB schützt Athleten vor Hass

Immer mehr Athleten werden bei den Olympischen Spielen Opfer von Hasskommentaren. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagiert auf das Problem. Mithilfe einer KI will er die Sportler schützen.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Er ist ganz oben angekommen: Philipp Raimund krönte sich bei den Olympischen Spielen in Predazzo mit Gold. Noch nie hatte der Skispringer zuvor einen Weltcup gewonnen, jetzt ist er plötzlich Olympiasieger. Innerhalb kürzester Zeit verdoppelte sich seine Followerzahl auf Instagram, die Glückwünsche unter seinen Kommentaren nahmen kein Ende.

Hass im Netz: Warum Athleten 2026 besonders gefährdet sind

Aber Raimund kennt auch die andere Seite. Erst vor wenigen Wochen bei der Vierschanzentournee wurde der 25-Jährige Zielscheibe von Hasskommentaren in den sozialen Netzwerken. Seit über 20 Jahren warten die deutschen Fans auf einen Sieg. Auch dieses Mal klappte es wieder nicht. Der Frust bei einigen sitzt tief. Auf Social Media wurde der Oberstdorfer angefeindet und beschimpft.

Raimund: "Jeder Idiot bekommt eine Stimme"

"Es fängt an von: Du bist unfähig, du bist ein arrogantes Arschloch bis hin zu ein bisschen harmloseren Sachen, im Sinne von: Der deutsche Skisport geht unter, es ist ja erbärmlich, was ihr hier bringt, die Teamleistung ist absolut unterirdisch", erzählt Raimund. "Um es hart auszudrücken, ich glaube, dass jeder Idiot bei Social Media eine Stimme bekommt und diese auch kundtut."

Auch Voigt und Aicher kennen Hasskommentare

Raimund ist aber nicht der einzige, der solche Anfeindungen kennt. Biathletin Vanessa Voigt verkündete nach ihrem vierten Platz, dass sie eine Social-Media-Pause einlegen wird.

Emma Aicher postet Hass-Zitat nach Silber in der Abfahrt

Emma Aicher ließ Hass-Kommentare für sich sprechen. Nach ihrem ersten Silbergewinn in der Abfahrt postete sie am Abend wortlos einen Kommentar in ihrer Instagram-Story: "Mit der blamieren wir uns bei Olympia!"

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will seine Sportler schützen. Mithilfe einer KI können Hasskommentare herausgefiltert und verborgen werden. Schon 2024 bei den Olympischen Spielen nutzten einige Athleten das Tool, nachdem sie von Hasskommentaren betroffen waren. Von 61.000 gescannten Kommentaren waren 4.000 Hasskommentare.

Tabor: "Mit psychologischer Unterstützung helfen"

"Es ist so belastend gewesen, dass wir mit psychologischer Unterstützung helfen mussten, dass man mit den Hass-Posts, die angekommen sind, auch umgehen konnte", erzählt Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport DOSB. "Es waren so schlimme Äußerungen, dass im Einzelfall auch unsere Personenschützer dafür gesorgt haben, dass man Vorsichtsmaßnahmen treffen musste."

DOSB startet KI-Filter gegen Beleidigungen und Drohungen

Bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo gibt es diesen Filter wieder. Raimund wollte ihn direkt nutzen: "Mache ich sofort. Habe ich direkt vor der Skiflug-WM bei der ersten Möglichkeit gemacht", sagt er. Und die positiven Auswirkungen merkte er direkt: "Das nimmt mir so viel unnötigen Druck weg, weil ich sage, dann muss ich den Scheiß nicht mehr durchlesen und ich kann mich endlich wieder darauf fokussieren, den Drive mitzunehmen und mir das Selbstvertrauen holen."

Die KI blendet die Hasskommentare also zum einen aus. Zum anderen können sie im Hintergrund weiterverarbeitet werden. Dafür ist die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt verantwortlich. Dort befindet sich die "Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität". Mit ihr arbeiten neben dem DOSB viele weitere Sportverbände wie der DFB und die DFL zusammen.

Strafrechtliche Verfolgung oft schwer

Allerdings ist die strafrechtliche Verfolgung der Kommentare nicht ganz so einfach. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nur von "allein", wenn die Äußerungen extrem rassistisch oder homophob sind. Bei allen anderen Kommentaren muss der Betroffene selbst eine Strafanzeige stellen. Vielen ist das zu aufwendig.

Jamanka über anonyme Accounts und schwierige Verfolgung

Auch die ehemalige Bob-Pilotin Mariama Jamanka kennt das Problem. "Es sind oft anonyme Accounts. Man kann nicht wirklich rückverfolgen, wer dahinter steht", sagt sie. "Da ist natürlich auch oft die Frage, lohnt sich das für einen und bringt einem das was."

Eigentlich wäre es aber auch Aufgabe von Plattformen wie Facebook oder Instagram, Hasskommentare zu löschen. Auf Nachfrage sagte uns "Meta", dass sie das auch tun. Warum trotzdem so viele Beleidigungen auf den Accounts der Sportler landen können, bleibt unbeantwortet.

Hürden der Justiz: Betroffene müssen oft selbst anzeigen

Die Sportverbände gehen deshalb selbst gegen Hate Speech vor. Um die Strafverfolgung zu erleichtern, wollten sie vor zwei Jahren eine Gesetzesänderung erwirken. Damit Staatsanwälte auch ohne Strafantrag der betroffenen Sportler ermitteln können. Nach Überprüfung wurde das aber abgelehnt.

Trotzdem holte Philipp Raimund bei den Olympischen Spielen Gold. So "fokussiert und entspannt" wie vor seinem Gold-Sprung habe er sich noch nie gefühlt, sagte er wenige Tage nach seinem großen Erfolg. Vielleicht hat auch die Filterfunktion am Handy dazu beigetragen.