Seit Mittwoch stehen die Wettkampfstätten der Olympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen fest. Auffällig: Die alpinen Ski-Wettbewerbe werden - wie in Mailand/Cortina 2026 - auf mehrere Orte verteilt. Damals wurden die Männer- und Frauenrennen an unterschiedlichen Orten ausgetragen.
Olympia 2026: "Das olympische Flair gibt es hier nicht"
Die Trennung sorgte damals für Diskussionen. Bei Olympia 2026 monierte Christian Schwaiger, Cheftrainer der deutschen Ski-Männer, die Trennung der Athleten: "Ich habe schon viele Spiele erlebt, einige richtig schöne, wo die Sportstätten sehr zentral waren, wo man einen Austausch mit anderen Sportlern hatte. Das macht dann das olympische Flair aus. Das gibt es hier nicht." Damals lagen über vier Stunden zwischen den Austragungsorten Cortina d'Ampezzo und Bormio.
2030: Speed und Technik an unterschiedlichen Orten
Für die Spiele 2030 haben sich die Organisatoren für einen anderen Ansatz entschieden. Anders als 2026 werden nicht Männer und Frauen getrennt. Stattdessen finden in Courchevel die Speed-Wettbewerbe sowie die Team-Kombinationen statt. Die technischen Disziplinen werden in Val d’Isère ausgetragen.
Die Aufteilung der Ski-Wettbewerbe ist indes keine Seltenheit mehr. Zuletzt wurden 2014 in Sotschi alle olympischen Alpin-Wettbewerbe im selben Skigebiet ausgetragen.
Neureuther reagiert mit Unverständnis
Kritik gibt es dennoch. Courchevel und Val d’Isère liegen mehr als zwei Autostunden voneinander entfernt. Der Austausch zwischen Speed- und Technikfahrern dürfte schwierig werden. Wieder stellt sich die Frage, ob das olympische Gemeinschaftsgefühl leidet.
BR-Wintersport-Experte Felix Neureuther kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. "Ich finde es einfach sehr schade, dass auch in Frankreich wieder Olympische Spiele der weiten Wege stattfinden werden", moniert der 42-Jährige.
Neureuther: "Es wäre locker gegangen"
Seiner Ansicht nach hätte es andere Möglichkeiten gegeben. "In Courchevel und Meribel haben gerade erst die alpinen Ski-Weltmeisterschaften (das Skigebiet war 2023 Gastgeber, Anm. d. Red.) stattgefunden, deswegen denke ich, es wäre locker gegangen, dass man Männer und Frauen, die Techniker und die Speed-Fahrer zusammen an einen Ort bekommt", so Neureuther.
"Das zukünftige Modell Olympia, das hat auch Mailand und Cortina gezeigt, müsste eines sein, dass die Sportarten bündelt, damit das bestimmte Flair aufkommt - nicht nur für die Athletinnen und Athleten, sondern auch für die Zuschauer", wünscht sich der 13-malige Weltcup-Sieger für die Zukunft.
Nachwuchs sieht Vorteile
Bei den deutschen Nachwuchsathleten stößt die Aufteilung dagegen auf mehr Verständnis. Felix Rösle und Benno Brandis, die zuletzt mit starken Ergebnissen beim Südamerika-Cup auf sich aufmerksam machten, bewerten die Lösung positiver als das Modell von 2026. "Es ist nicht optimal, aber besser als bei den vergangenen Spielen", erklärte Rösle gegenüber BR24Sport.
Brandis sieht das ähnlich: "Klar, es ist nicht schön, aufgeteilt zu sein", so der 20-Jährige. "Aber die Speed-Fahrer und Techniker reisen eh zu unterschiedlichen Zeitpunkten an." Die Entscheidung sei "das bessere Übel".
Aus ihrer Sicht ist es wichtiger, dass die Fachbereiche geschlechterübergreifend an einem Ort untergebracht sind. Schließlich hätten Speed-Fahrer und Technikspezialisten im Alltag ohnehin unterschiedliche Trainings- und Wettkampfwelten.
Bewährte Weltcup-Standorte
Ein wesentliches Argument für die Entscheidung ist die Infrastruktur. Sowohl Courchevel als auch Val d’Isère verfügen über etablierte Rennstrecken und langjährige Erfahrung mit Weltcups und Weltmeisterschaften.
Ein Pluspunkt besteht auch in Sachen Nachhaltigkeit: Neue Anlagen müssen kaum gebaut werden. Beide Orte könnten sämtliche alpinen Wettbewerbe alleine ausrichten. Die Aufteilung scheint daher weniger eine Notwendigkeit als eine bewusste Entscheidung zu sein.
Winterspiele auf viele Regionen verteilt
Die alpinen Wettbewerbe sind nur ein Beispiel für das Gesamtkonzept von Alpes 2030. Wie schon Mailand/Cortina 2026 setzen die Franzosen auf eine dezentrale Austragung, um teure Neubauten zu vermeiden.
Le Grand-Bornand wird zum Biathlon-Schauplatz, La Clusaz übernimmt die Langlauf-Wettbewerbe. In der Region Briançonnais finden unter anderem Freestyle- und Snowboard-Events statt.
Lyon wird zum Eissport-Zentrum
Auch bei den Hallensportarten gab es Veränderungen gegenüber den ursprünglichen Bewerbungsplänen. Statt in Nizza entsteht das Eissport-Zentrum in Lyon. Eishockey wird in Décines-Charpieu sowie in der Halle Tony Garnier ausgetragen. Curling, Eiskunstlauf und Shorttrack ziehen ins Messegelände Eurexpo.
Besonders kurios: Olympisches Gold in den Niederlanden
Die ungewöhnlichste Entscheidung fiel beim Eisschnelllauf. Dieser findet nicht in Frankreich statt, sondern im niederländischen Heerenveen, das über eine der renommiertesten Eisschnelllauf-Arenen der Welt verfügt. Sportlich erscheint die Wahl nachvollziehbar. Symbolisch wirft sie jedoch Fragen auf.
