Rund 50 Menschen pro Jahr in eine reguläre Beschäftigung zu vermitteln – das ist das Ziel von Streetworker Ersan Öksüz. Er arbeitet für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) München und besucht fast täglich die Tagelöhner im Bahnhofsviertel.
Das Angebot: Meist schwere und gefährliche Arbeiten
Für viele Männer ist er ein wichtiger Ansprechpartner, dem sie ihre Probleme mitteilen können. Denn die Männer übernehmen häufig besonders schwere und riskante Arbeiten: "Es kam auch schon vor, dass jemand für die Ernte eingesetzt wurde, vom Baum fiel und sich die Hüfte brach. Ihm wurden ein paar Hundert Euro in die Hand gedrückt, dann wurde er zurückgelassen." Viele Tagelöhner arbeiten auf dem Bau oder im Reinigungssektor.
In seiner kostenlosen Sprechstunde hilft Öksüz deshalb, Lebensläufe zu erstellen und Bewerbungen zu schreiben. Doch vielen Tagelöhnern gelingt der Ausstieg aus dem System nicht.
Bedingungen im Herkunftsland entkommen
Die meisten Tagelöhner, mit denen Öksüz arbeitet, stammen aus Bulgarien und Rumänien. Viele gehören dort einer türkischsprachigen Minderheit der Sinti und Roma an und leben unter schwierigen sozialen Bedingungen. Zudem liegt der Stundenlohn in Bulgarien bei um die drei Euro. Obwohl auf dem undokumentierten Tagelohnmarkt in München oft Sicherheitsunterweisungen, Arbeitsverträge oder Garantien für die Bezahlung fehlen, empfinden viele diese Situation als besser als die in ihrer Heimat. Das Ziel: Geld verdienen und die Familie zu Hause unterstützen.
Tagelohnarbeit verschwindet nicht
Nach Angaben der AWO hat der EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens im Jahr 2007 die Tagelohnarbeit in Deutschland begünstigt. EU-Bürger können sich ohne Visum bis zu drei Monate in Deutschland aufhalten. Doch seitdem ist auch ein Gesetz in Kraft getreten, das das Anbieten oder Nachfragen von Arbeitskraft im öffentlichen Raum strafbar macht.
Auf Anfrage erklärt das Bundesfinanzministerium, Tagelöhnerbörsen seien inzwischen fast vollkommen aus dem öffentlichen Raum entfernt worden, um das Ausbeuterisiko der Tagelöhner zu reduzieren und die Sozialsysteme zu sichern.
Hilfsorganisationen wie die AWO und das Beratungsnetzwerk "Faire Mobilität" beobachten jedoch eine Verlagerung. Treffpunkte seien heute häufiger Gaststätten oder Spielhallen. Zudem werde Arbeit zunehmend über digitale Kanäle und Chatgruppen vermittelt.
Schwieriger Alltag für Tagelöhner
Einer dieser Männer nennt sich selbst "Cowboy". Er kommt aus Bulgarien und arbeitet seit zwölf Jahren als Tagelöhner in München. Seitdem hat er verschiedene Arbeiten verrichtet, vor allem im Reinigungs- und Entsorgungssektor. Cowboy möchte in München bleiben, denn in Bulgarien gäbe es keine Arbeit für ihn. Doch auch der Alltag hier wird oft zur Herausforderung: Wenn er keine Unterkunft bezahlen kann, schläft er regelmäßig im Übernachtungsschutz.
Ersan Öksüz von der Arbeiterwohlfahrt will Männern wie Cowboy helfen: "Unser Auftrag ist, dass wir 50 Menschen im Jahr in den Arbeitsmarkt integrieren, und das gelingt auch." Die Früchte dieser Arbeit, die man ernte, seien zum Beispiel eine Begegnung in der U-Bahn mit einem ehemaligen Ratsuchenden, der dann sagte "Ihr habt mich damals in Arbeit gebracht und jetzt bin ich Vorarbeiter und wohne in einer Dreizimmerwohnung." Solche Geschichten treiben Öksüz zum Weitermachen an.
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