Paul hockt im Weinberg und fotografiert die knallroten Mohnblüten.
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Pauls große Leidenschaft ist fotografieren: Dabei kann er die Dinge aus einer andere Perspektive beobachten.
Bildrechte: BR/Carolin Hasenauer
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Mit Bürgergeld auf Wohnungssuche: 21-Jähriger will Perspektive

Mit Bürgergeld auf Wohnungssuche: 21-Jähriger will Perspektive

Anfang 20 und kein Dach über dem Kopf: So geht es rund 120.000 Wohnungslosen deutschlandweit. Einer von ihnen war Paul. Er ist 21 Jahre alt, bekommt Bürgergeld. Über ein Wohnprojekt versucht er, sein Leben auf die Reihe zu kriegen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der kleine Flur ist kahl. An der Decke hängt eine nackte Glühbirne. In dem einen Raum der Einzimmerwohnung stehen Sofa, Bett, Schreibtisch, offene Regale und ein Kleiderschrank. Nichts davon hat Paul selbst mitgebracht. Der 21-Jährige war bis vor anderthalb Jahren obdachlos. Dann zog er in eine WG mit anderen jungen Menschen, unterstützt von der Streetwork Würzburg. Dabei handelt es sich um ein Hilfsangebot der Diakonie für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre in schwierigen Lebenslagen. Nach sechs Monaten konnte Paul in eine Einzimmerwohnung der Streetwork ziehen. Bis zum 15. Juni soll er eine eigene Wohnung finden.

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum, gerade mit Bürgergeld

Paul sucht eine eigene Wohnung. Sozialarbeiterin Pauline Friederich kennt den 21-Jährigen jetzt seit gut eineinhalb Jahren. "Der Wohnungsmarkt ist extrem angespannt. Es gibt nicht viele bezahlbare Wohnungen. Und die Menschen haben nicht so viel Auswahl. Gerade Paul mit Bürgergeld bleiben noch weniger Optionen und Chancen, auch weil Vermieter Vorurteile haben", sagt Friederich. Sie arbeitet bei der Streetwork Würzburg.

Paul sucht Wohnung in Würzburg mit "angemessener Größe und Miete"

Weil Paul Bürgergeld bezieht, übernimmt das Jobcenter seine Miete. Die Bedingung: Die Miete muss "angemessen" sein. Das heißt: Die Wohnung für eine Person darf nicht größer als 50 Quadratmeter sein und nicht mehr kosten als rund 500 Euro. Bei einer Durchschnittsmiete von 11,88 Euro pro Quadratmeter liegt die Miete für eine Wohnung in der "angemessenen" Größe bei rund 600 Euro. Zu teuer also und hart umkämpft – gerade in einer Stadt wie Würzburg mit vielen Studierenden. Der Landesverband Bayern des Deutschen Mieterbundes (DMB) fordert eine massive Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus. Heute gebe es bundesweit 1,1 Millionen solcher Wohnungen mit Mietpreisbindung. Bis 2030 müsste diese Zahl auf zwei Millionen steigen.

Konzept für Obdachlose: Zuerst eine Wohnung – dann der Rest

Junge Menschen Anfang 20 ohne Dach über dem Kopf: Von ihnen gibt es aktuell über 120.000 in Deutschland. Das Konzept "Wohnen als Grundlage, um sein Leben zu sortieren", ist nicht neu. Housing First heißt die Idee dahinter und kommt ursprünglich aus Finnland. Da ist die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen 20 Jahren um 70 Prozent zurückgegangen.

Grafik: 70 Prozent weniger Obdachlose in Finnland durch Housing First-Projekte

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Seit Einführung von Housing First-Projekten landesweit gibt es 70 Prozent weniger Obdachlose in Finnland.

Heim, Pflegeeltern, Obdachlosigkeit: Paul fehlt die Zuversicht

Sozialarbeiterin Pauline Friederich sagt: Falls Paul bis zum 15. Juni nichts Neues findet, würden sie ihn natürlich nicht auf die Straße setzen. "Das ist klar." Dem 21-Jährigen wäre auch eine Wohnung auf dem Land recht – obwohl das hieße: weit weg von seinen Freunden. Sein Leben zwischen Kinderheim, Pflegeeltern und der Straße haben ihm gezeigt: Er könne sich auf nichts verlassen – und am Ende werde eben nicht alles gut. Ziele steckt er sich deshalb keine. Wünsche traut er sich nicht, zu formulieren. "Das hat mir gezeigt, dass ich mir lieber nichts vornehme. Ich will natürlich was erreichen. Aber irgendwas wird es immer geben, dass das Schicksal einem einen Strich durch die Rechnung macht", sagt Paul. Pläne für Praktika oder eine Ausbildung stagnieren deshalb.

Ein erster Schritt Richtung Zukunft: die Tagesstruktur

Pauls Pläne reichen immer nur von Tag zu Tag. Nachmittags in die Streetwork-Anlaufstelle "Underground" am Bahnhof. Danach in die Weinberge, fotografieren – seine große Leidenschaft. Paul kennt die besten Spots für tolle Bilder. Etwa oberhalb der Steinburg mit Blick auf Würzburg und die Festung. Mohnblüten vor blauem Himmel. "Ich fotografiere so gerne, weil man dabei viel draußen, viel für sich selbst unterwegs ist oder mit Freunden. Man kann Dinge sehen, die man sonst nicht sehen kann. Man nimmt die Welt anders wahr." Der Perspektivwechsel gefällt ihm. Und dass er die Welt aus sicherer Entfernung beobachten kann.

Paul im Vordergrund, dahinter Weinberge und die Festung Marienberg über Würzburg.
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Paul hat viele Jahre auf der Straße gelebt. Heute lebt er in einer kleinen Wohnung der Streetwork Würzburg, sucht aber dringend eine eigene.

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