(Symbolbild) Zwei Senioren gehen spazieren.
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(Symbolbild) Die Hinterbliebenenrente ist umstritten. Für viele ist sie jedoch die Absicherung im Alter.
Bildrechte: picture alliance / photothek.de | Amrei Schulz
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(Symbolbild) Die Hinterbliebenenrente ist umstritten. Für viele ist sie jedoch die Absicherung im Alter.

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Aus für die Witwenrente? Was für ein Rentensplitting spricht

Aus für die Witwenrente? Was für ein Rentensplitting spricht

Die Witwenrente ist für viele eine wichtige Absicherung. Kritiker halten sie für nicht zeitgemäß und werben für ein Rentensplitting. Was hinter den Modellen steckt und warum selbst die Rentenkommission keine eindeutige Empfehlung ausspricht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Ist die Hinterbliebenenversorgung im deutschen Rentensystem noch zeitgemäß? Das ist eine Frage, bei der selbst die Rentenkommission im Juni an ihre Grenzen gestoßen ist. In ihren 33 Empfehlungen (externer Link) schreibt sie: "Eine Reform der Hinterbliebenenversorgung ist komplex und muss auf ihre Wirkungen hin sorgfältig geprüft werden".

Dennoch flammt die Debatte immer wieder auf. Der Wirtschaftsweise Martin Werding, der selbst der Kommission angehörte, warb im August im Interview mit der Rheinischen Post (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) dafür, die Witwenrente abzuschaffen: "Heute können sich Frauen selbst vorsorgen." Stattdessen schlägt er das Rentensplitting vor. Was genau unterscheidet die beiden Modelle? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Was ist der Unterschied zwischen Witwenrente und Rentensplitting?

Die Witwenrente ist eine Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung. Stirbt ein Partner, erhält der Hinterbliebene zusätzlich zur eigenen Rente eine Hinterbliebenenrente.

Beim Rentensplitting teilen sich die Ehepartner die Rentenpunkte auf – nicht erst, wenn einer von beiden stirbt. Das gilt nur für die Rentenpunkte, die die Partner während der Ehe erworben haben. Wer sich dafür entscheidet, verliert den Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente. Ein Modell, das es bereits seit 2002 gibt.

Was lohnt sich mehr?

Die Gewerkschaft Verdi warnt vor Nachteilen eines verpflichtenden Rentensplittings und belegt ihr Abraten mit einer Rechnung. Als Grundlage dient ein Familienmodell, bei dem ein Partner insgesamt 60 Entgeltpunkte (EP) erworben hat und die Partnerin 20. Davon sind 40 beziehungsweise 10 innerhalb der Ehe entstanden. Das ergibt:

  • 60 EP x aktueller Rentenwert von 40,79 Euro = 2.447,40 Euro
  • 20 EP x 40,79 Euro = 815,80 Euro

Zusammen hätte das Paar 3.263,20 Euro.

Entscheidet sich das Paar für ein Rentensplitting, teilt sich die Rente der beiden auf. Von den 40 Punkten gehen 15 auf die Partnerin über (40 – 10 = 30, 30 / 2 = 15).

  • 45 x 40,79 Euro = 1.835,55 Euro
  • 35 x 40,79 Euro = 1.427,65 Euro

Zusammen hätten sie weiterhin 3.263,20 Euro.

Was passiert, wenn nun der besserverdienende Partner stirbt? Haben sie sich gegen das Splitting und für die Hinterbliebenenrente entschieden, würde die sogenannte "große Witwenrente" für die Partnerin, die weniger verdient, 55 Prozent und im Beispielfall rund 1.346 Euro bedeuten. Dazu kommt ihre eigene Rente von 815,80 Euro. Beim Rentensplitting bleibt es im Todesfall beim gleichen Betrag. Damit hätte die Partnerin 734,22 Euro weniger.

Was spricht für ein Rentensplitting?

Für den Rentenforscher Peter Haan vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt die Rechnung zwar einen realen Nachteil des Rentensplittings für einzelne Paare. Er hält das Modell trotzdem grundsätzlich für den besseren Weg. Es sei die richtige Idee, insbesondere aus der Anreizlogik: Bei einem verpflichtenden Rentensplitting könnte die Erwerbstätigkeit für den Partner, der weniger verdient, attraktiver werden als bisher, argumentiert der Ökonom. Außerdem profitieren beide unmittelbar von der gleichmäßigeren Verteilung der Rentenansprüche, wenn beide lang leben.

Bei einer Scheidung werden die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche zwischen den Partnern aufgeteilt. Heiratet ein Partner neu, entfällt die Witwenrente in der Regel, während die durch ein Rentensplitting übertragenen Rentenansprüche erhalten bleiben.

Warum ist die Witwenrente noch umstritten?

Der Wirtschaftsweise Martin Werding argumentiert, dass die Hinterbliebenenversorgung inzwischen ein erheblicher Ausgabenposten geworden ist. Gegenüber der Rheinischen Post sagte er, die Witwenrente koste die Rentenkasse "fast 50 Milliarden Euro im Jahr, ein Achtel der Gesamtausgaben".

Peter Haan vom DIW verweist zudem darauf, dass mögliche Einsparungen bei einer Reform auch an anderer Stelle wieder in die gesetzliche Rentenversicherung fließen könnten.

Wer bekommt aktuell Witwenrente?

Laut Zahlen der Deutschen Rentenversicherung wurden Ende 2025 rund 5,11 Millionen Witwen- und Witwerrenten gezahlt. Die meisten Empfänger sind Frauen: Auf rund 4,35 Millionen Witwenrenten kamen lediglich etwa 762.000 Witwerrenten.

Das zeigt: Die Hinterbliebenenversorgung ist komplex. Deshalb dürfte sich auch die Rentenkommission im Juni eher zurückhaltend gezeigt haben. Auch wenn die Witwenrente nicht mehr zeitgemäß sein mag, spiegeln viele Erwerbsbiografien noch immer diese Realität wider. Ob ein Rentensplitting genügend Anreize für neue Erwerbsbiografien schaffen könnte, bleibt offen.

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