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Die Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen der 1950er und 1960er, die sogenannten Babyboomer, kommen langsam ins Rentenalter. Einige haben sich schon vom Arbeitsmarkt verabschiedet, doch viele kommen noch.
BR24-Nutzer "Pefin" kommentiert dazu: "Mich würde interessieren, von wann bis wann genau man mit den Veränderungen […] rechnen muss. Also in Jahreszahlen. Wann sind die höchsten Renteneintrittszahlen und wann flauen sie ab?"
"Der Höhepunkt der Verrentungswelle bei den Babyboomern steht noch bevor", sagt Professor Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das zeigen auch die Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik. Allein im Freistaat werden von 2030 bis 2036 voraussichtlich jedes Jahr rund 200.000 Menschen das reguläre Rentenalter von 67 Jahren erreichen. Zum Vergleich: 2025 waren es knapp 170.000.
Seit 2017 immer mehr Rentner
Die Deutsche Rentenversicherung spürt aber schon seit einigen Jahren, dass es immer mehr Rentnerinnen und Rentner gibt. Der Grund dafür ist, dass, auch wenn der Höhepunkt der Welle noch nicht erreicht ist, sie sich doch zumindest schon aufbaut: Seit 2017 ist die Zahl der Menschen, die jährlich neu in die Rente kommen, in jedem Jahr deutlich gestiegen.
Dazu trägt auch bei, dass viele Menschen bereits vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand gehen. Nur knapp ein Viertel der 66-Jährigen in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt (externer Link) überhaupt noch erwerbstätig. Das liegt auch an der Frühverrentung, die nach vielen Arbeitsjahren möglich ist. Diese Regelung wird oft als "Rente mit 63" bezeichnet. Dadurch können Menschen je nachdem, wann sie geboren sind, auch früher in Rente gehen – vorausgesetzt, sie haben mindestens 35 beziehungsweise 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt.
Viele Neurentner, viele neue Jobs?
Wenn also bis heute schon viele Ältere in den Ruhestand gegangen sind, wo bleiben dann all die neuen Jobs? Das fragen sich auch die User von BR24.
"MaxH" kommentiert: "Wer soll das verstehen? Die Boomer gehen in Rente und machen Arbeitsplätze frei, trotzdem steigt die Zahl der Arbeitslosen". BR24-User "Dangadad" berichtet aus seiner eigenen Firma. Dort seien mehr als die Hälfte der Belegschaft 55 Jahre oder älter: "Eigentlich müsste die Firmenleitung bereits jetzt Nachwuchs zusätzlich einstellen, damit die Berufserfahrung noch weitergegeben werden kann. Aber dafür fehlt Personal, Geld und manchmal auch der Weitblick". Nutzer "Anton_Berg" ist skeptisch, dass es in der nächsten Zeit viele neue Jobs geben wird: "Natürlich werden die Jobs nicht neu besetzt. Zum Teil sind sie überflüssig, der Rest der Arbeit wird auf die kleinere Belegschaft verteilt". Und BR24-User "Sokrates_MI" glaubt, dass viele Jobs vor allem im Handwerk oder direkt damit zusammenhängenden Berufen frei werden. Für ihn scheitert es eher daran, wer diese Arbeit machen kann: "Um z.B. ein guter Disponent, Bauleiter, Projektplaner speziell in Bereichen zu sein, die das Handwerk "planen", muss man erstmal selbst Fähigkeiten haben, wissen wie Dinge funktionieren, produziert werden, etc. Die Jungen könnten das sicher lernen. Aber das dauert".
Woran hakt es bisher?
Einen wichtigen Grund sieht IAB-Direktor Fitzenberger in der schwierigen wirtschaftlichen Lage der vergangenen Jahre: "Zurzeit will die Wirtschaft auf einem historisch niedrigen Stand einstellen". Viele Branchen wollten momentan eher Stellen abbauen.
Bei Jobs, die Firmen nicht streichen, aber auch nicht neu besetzen wollen, setzen viele lieber auf eine Alternative: Sie bitten ihre Mitarbeiter in Teilzeit oder im Minijob, über die Regelalterszeit hinaus zu arbeiten. "Tatsächlich sieht man bei den Babyboomern die Tendenz, dass sie sich länger am Arbeitsmarkt beteiligen", sagt Andreas Mergenthaler vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung.
Die Rentenwelle der Babyboomer trifft nicht alle Branchen gleich
Außerdem kommt es auch immer auf den Ort und die Branche an, wie stark die Rentenwelle der Babyboomer zu spüren ist. Im Vergleich mit anderen Bundesländern hat Bayern noch einen verhältnismäßigen "jungen" Arbeitsmarkt.
Aber auch im Freistaat gibt es zahlreiche Branchen, in denen Über-55-Jährige die größte Altersgruppe bilden.
Dort könnten in der nächsten Zeit besonders viele Menschen in Rente gehen. Aber ausgerechnet in diesen Branchen gibt es aufgrund des Strukturwandels in der deutschen Wirtschaft besonders wenig Personalbedarf, so Fitzenberger. "Die Branchen, die einen hohen Anteil an älteren Beschäftigten haben, haben in der jüngeren Vergangenheit weniger eingestellt."
Zudem zeigt sich in diesen Branchen die Tendenz, dass Babyboomer auch über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, besonders stark. In Theologie und Gemeindearbeit etwa machen Menschen, die bereits in Rente sein könnten, 23 Prozent aller Beschäftigten (inklusive Minijobber) aus – in der Gebäudetechnik 19 Prozent und bei den Fahrzeugführern im Straßenverkehr 14 Prozent.
Die Auswirkungen stehen vor der Tür
Zusammen führen alle diese Punkte dazu, dass momentan von der Verrentungswelle noch nicht viel auf dem Arbeitsmarkt zu spüren ist. Das wird aber nicht so bleiben, prognostiziert Fitzenberger: "Sobald wir nicht mehr in einer Wirtschaftskrise stecken und sobald immer noch mehr ältere Menschen in Rente gehen, werden wir große Lücken im Arbeitsmarkt und einen echten Fachkräftemangel haben".
Wie groß die Lücke genau wird, das sei noch nicht abzuschätzen. Automatisierung, Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz oder auch die Zuwanderung seien zu große Unbekannte. Außerdem arbeitet die Bundesregierung zurzeit noch an einem Rentenreformpaket. Auch hier sei noch unklar, wie sich das auf den Arbeitsmarkt auswirken werde.
Dieser Artikel ist erstmals am 28. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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