Er ist kaum zu überhören, der Zugverkehr, der seit der Sanierung der Bahnstrecke zwischen Bayerisch Gmain und Berchtesgaden über die neuen Schienen rollt. Schon lange, bevor man den Zug sieht, hört man ihn. Langsam baut sich ein nerviges, schwirrendes Geräusch auf, das immer lauter wird, bis der Zug vorbeifährt, und dann länger nachhallt.
Anwohner vom Zuglärm genervt
Normalerweise freut man sich, wenn der Öffentliche Personennahverkehr möglichst häufig fährt. Doch in Bayerisch Gmain sind viele Anwohner aufgrund des Lärms vom Zugverkehr nur noch genervt. Die 32-jährige Isabella Jordan hat daher eine Online-Petition gestartet. Das sehr laute Geräusch komme von früh bis spät zwei Mal in der Stunde. Das gehe einem einfach durch Mark und Bein, besonders am Abend, wenn die Umgebung einfach ruhiger sei und man die Balkontür offen habe, so Jordan.
In den Kommentaren unter ihrer Online-Petition kann man Ähnliches lesen. Da ist von "absolut unerträglichen" Zuständen die Rede, die an den "Nerven zehren", und von einer "deutlich gesunkenen" Lebensqualität. Früher – also vor der Sanierung der Gleise – habe man die Züge kaum gehört, höchstens das Pfeifen vor unbeschrankten Bahnübergängen. Das brauchen die Lokführer nun eigentlich nicht mehr zu machen. Den Zug hört man von weitem.
Bürgermeister vermutet "Spiel auf Zeit"
Der Bürgermeister von Bayerisch Gmain, Armin Wierer, hat bereits viele Anwohnerbeschwerden auf dem Tisch. Mittlerweile hat sich auch der Bürgermeister der Nachbargemeinde im österreichischen Großgmain, Martin Panzer, an ihn gewandt – mit der Frage, was gegen den Lärm unternommen werde.
Wierer hat daraufhin den Schriftverkehr zwischen ihm und Martin Panzer sowie zwischen ihm und dem Landrat des Berchtesgadener Landkreises, Michael Koller, dem Netzbetreiber DB InfraGO weitergereicht. Viel mehr machen können sie laut eigener Aussage nicht. Wierer vermutet, dass bei der Bahn "ein bisschen auf Zeit gespielt wird, dass sich das von selber einregeln soll". Daran glaubt er aber nicht. Es sei deutlich lauter als früher, und er habe die Hoffnung, dass man nach über 100 Jahren Bahnverkehr wisse, was das Geräusch verursache, sagt er BR24.
Bahn bittet um Geduld – Lösung offen
Bei der Deutschen Bahn räumt man das Problem ein. Neue Schienen seien anfangs lauter, heißt es in einer Stellungnahme einer Pressesprecherin. Die Oberfläche sei glatt, unbelastet, dadurch entstünden mehr Reibung und Resonanzen zwischen Rad und Schiene. Mit der Zeit "fahre" sich die Schiene ein, werde rauer, der Lärm nehme ab.
Zusätzlich habe man Schmierstoff aufgetragen, um die Reibung zu verringern. Die ersten Schmieraktionen brachten allerdings hörbar wenig. Weitere Aufträge sind bis Mitte des Monats geplant. In der Stellungnahme heißt es weiter, man beobachte die Geräuschentwicklung "aufmerksam". Falls die bisherigen Maßnahmen keine ausreichende Verbesserung brächten, wolle man mit Fachleuten "weitere Lösungsansätze prüfen".
Für die Anwohner bedeutet das: Warten. Nach einer schnellen, konkreten Lösung sieht es nicht aus.
Dieser Artikel ist erstmals am 06. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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