Schild an einem Schaufenster deutet auf eine baldige Schließung des Geschäfts hin.
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Viele Firmen in Deutschland kämpfen ums Überleben. Auf der anderen Seite gibt es viele Neugründungen. (Symbolbild)
Bildrechte: picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde
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Viele Firmen in Deutschland kämpfen ums Überleben. Auf der anderen Seite gibt es viele Neugründungen. (Symbolbild)

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Krise bei Firmen, Boom bei Gründern: Wie passt das zusammen?

Krise bei Firmen, Boom bei Gründern: Wie passt das zusammen?

Viele Unternehmen in Deutschland stehen weiter unter Druck. Dem ifo-Institut zufolge fürchten die Betriebe um ihre Existenz. Gleichzeitig wächst die Zahl der Neugründungen. Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland sieht den eigenen Fortbestand gefährdet. Das hat das Münchner ifo-Institut in einer breit angelegten Untersuchung ermittelt. Besonders angespannt ist die Lage demnach im Einzelhandel: Dort sehen sich 17,4 Prozent der Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Im Hotel- und Gaststättengewerbe liegen die ifo-Werte sogar bei fast 20 Prozent. Auch Werbung und Marktforschung, Logistik, Bau und Teile der Industrie stehen unter Druck.

Experte zur Konjunktur: "Mehr als eine Schwächephase"

Im BR-Interview erläutert der ifo-Forscher Klaus Wohlrabe, dass es sich dabei "um eine Selbsteinschätzung der Unternehmen" handle. Was genau "bedroht" oder "Existenz" bedeute, habe das ifo-Institut bewusst nicht vorgegeben.

Wohlrabe warnt deshalb vor einer zu engen Lesart der Umfrage. Nicht jedes Unternehmen, das in der Umfrage bei der Frage nach der Existenzbedrohung "Ja" angekreuzt habe, stehe kurz vor der Insolvenz. Der Wert zeige jedoch eine schwierige wirtschaftliche Lage, "die über eine normale Schwächephase hinausgeht".

Auch die amtlichen Insolvenzzahlen weisen auf eine angespannte Lage hin. Im Januar 2026 registrierten die Amtsgerichte 1.919 Insolvenzanträge, 4,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders betroffen war das Gastgewerbe, gefolgt von Verkehr und Lagerei sowie dem Baugewerbe. Nicht erfasst sind Betriebe, die ohne Insolvenzverfahren schließen oder aus anderen Gründen aufgeben.

Mehr Insolvenzen – aber auch mehr Neugründungen

Diese Zahlen sprechen für sich – doch gleichzeitig gibt es eine zweite Bewegung: In Deutschland wird wieder mehr gegründet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts entstanden 2025 rund 130.000 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung, rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden rund 641.000 Gewerbe neu gegründet.

Auch im ersten Quartal 2026 setzte sich der Trend fort: Rund 38.000 größere Betriebe wurden neu gegründet, knapp drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Gesamtzahl der Neugründungen stieg sogar um mehr als zehn Prozent, auf rund 189.000.

Existenzsorgen und Gründerboom schließen sich nicht aus

Diese Entwicklung beschreibt zwei unterschiedliche Seiten derselben Wirtschaft. Die ifo-Zahl misst den Druck auf bestehende Unternehmen. Die Gründungszahlen zeigen, dass gleichzeitig neue Betriebe, Geschäftsmodelle und selbstständige Tätigkeiten entstehen. Dabei ist der Gründungsboom aber nicht automatisch ein Zeichen breiter wirtschaftlicher Stärke.

Das legt eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nahe. Laut KfW Research stieg die Zahl der Gründerinnen und Gründer 2025 auf rund 690.000, nach 585.000 im Vorjahr. Auffällig ist in diesem Zusammenhang vor allem der sogenannte Nebenerwerb: 70 Prozent aller Gründungen entfielen auf nebenberufliche Gründungen – ein Rekordwert (externer Link: Gründungstätigkeit in Deutschland).

Die KfW sieht darin auch einen möglichen Zusammenhang mit dem schwächelnden Arbeitsmarkt. Wer unsichere Jobperspektiven hat oder zusätzliches Einkommen sucht, kann eine Selbstständigkeit zunächst nebenbei ausprobieren. Die Zahlen der Arbeitsagentur deuten in dieselbe Richtung: Die Arbeitslosigkeit verharrt auf hohem Niveau. Im April waren in Deutschland gut drei Millionen Menschen ohne Job, 77.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die sonst übliche Frühjahrsbelebung fällt in diesem Jahr schwach aus.

Gründer haben viele Gründe

Im vergangenen Jahr wurden laut dem zuständigen Branchenverband rund 3.600 Start-ups gegründet – ein neuer Höchststand. Eine einfache Erklärung nach dem Muster "Entlassene gründen jetzt massenhaft neu" wäre dennoch zu kurz gegriffen. Die Daten zeigen eher: Unsicherheit kann Gründungen zwar begünstigen, verursacht den Boom aber nicht allein. Bei Start-ups wirken zudem andere Kräfte als in vielen kriselnden Branchen. Der Startup-Verband verweist unter anderem auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Hochschulumfelder.

Die deutsche Wirtschaft steckt damit nicht nur in einer Krise. Sie verändert sich. Manche Betriebe kämpfen mit Kosten, schwacher Nachfrage und Unsicherheit. Gleichzeitig entstehen neue Unternehmen – oft klein, oft nebenberuflich, manchmal hochinnovativ. Beides zusammen zeigt: Krisendruck und Gründungsdynamik verlaufen parallel.

Dieser Artikel ist erstmals am 18.05.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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