Die italienische Großbank UniCredit legt den Aktionären der Commerzbank ein offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien vor. Die Aktionäre der Commerzbank können dabei ihre Anteile in je 0,485 neue UniCredit-Papiere umtauschen, die durch eine Kapitalerhöhung dort geschaffen werden. Dem müssen die Aktionäre von UniCredit noch zustimmen. Anschließend will Vorstandschef Andrea Orcel erneut das Gespräch auch mit dem Vorstand der Commerzbank suchen, der die Fusion allerdings ablehnt.
Stellenabbau bei Commerzbank schon vor möglicher Übernahme
Für zusätzliche Abwehrmaßnahmen wie Aktienrückkäufe und Sonderdividenden hat Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sich weitere Milliardenbeträge genehmigen lassen. Außerdem hat Orlopp bereits zuvor den Abbau von 3.900 Stellen angekündigt, um die Commerzbank attraktiver zu machen für die eigenen Aktionäre – aber womöglich auch für eine mögliche Übernahme. Orcel könnte am Ende von der guten Vorarbeit der Commerzbank-Chefin profitieren, auch wenn das so nicht gewollt war.
Freundlich oder feindlich: Entscheiden müssen die Aktionäre
Die Übernahme der Commerzbank gilt als feindlich, weil sie in Deutschland auf eine breite Ablehnung stößt. Die Bundesregierung und die Landesregierung von Hessen sind dagegen, vor allem auch das Commerzbank-Management, allen voran Orlopp und auch die Belegschaft sowie der Betriebsrat und Verdi. Die Gewerkschaft befürchtet einen Kahlschlag bei der Commerzbank. Man verweist auf die negativen Erfahrungen, die man bei der HypoVereinsbank (HVB) in München nach der Übernahme durch UniCredit 2005 machen musste. Die HVB ist keine Aktiengesellschaft mehr, sondern seit 2023 nur noch eine GmbH von Unicredit.
Hat UniCredit den Bund getäuscht?
Umso erstaunlicher ist es, dass der Bund einen Großteil seiner Aktien indirekt und ungewollt an UniCredit abgegeben hat. Das geschah durch einen Überraschungs-Coup der Italiener, die sich "angeschlichen" haben, ohne ihre Absichten zu nennen, als der Bund verkaufen wollte. Normalerweise werden für eine solche internationale Bankenfusion im Vorfeld auch Gespräche mit der Politik geführt. So kontrolliert die Bundesregierung nur noch zwölf Prozent an der zweitgrößten deutschen Privatbank, die in der Finanz- und Bankenkrise teilverstaatlicht wurde.
Schritt für Schritt zieht sich die Schlinge um die Commerzbank zu
Das aktuelle Angebot entspricht einem Aufschlag von vier Prozent gerechnet auf den Schlusskurs vom 13. März oder von insgesamt 30,80 Euro pro Commerzbank-Aktie. Wie es in Mailand weiter hieß, soll im nächsten Schritt auch nur ein Anteil von mehr als 30 Prozent erreicht werden, "ohne die Kontrolle zu erlangen". Das wäre in jeder Hinsicht erst ab 50 Prozent der Fall.
Hinzukommt, dass die jetzt angestrebten 30 Prozent laut deutschem Aktienrecht als "rechtliche Kontrollschwelle gelten", ab denen der Erwerber UniCredit allen übrigen Aktionären ein Pflichtangebot zum Kauf ihrer Aktien machen muss. Dafür hat UniCredit vom Bundeskartellamt bereits grünes Licht bekommen.
Widerstand zwecklos? Bund kann rechtlich kaum dagegen vorgehen
Auch bei der Bankenaufsicht der EZB hat UniCredit sich einen Anteil von 29,9 Prozent an der Commerzbank genehmigen lassen und vorgefühlt, wie die Europäische Zentralbank das Vorhaben insgesamt bewertet. Dort war zu hören, dass grenzüberschreitende Bankenfusionen grundsätzlich begrüßt werden. Sie sollten ein gutes Beispiel sein für die Vertiefung der Europäischen Bankenunion und für einen gemeinsamen Finanz- und Kapitalmarkt. So fehlt auch einer Bundesregierung die rechtliche Handhabe gegen diese Übernahme.
Börsen wetten auf weitere Kursgewinne bei Commerzbank
In einer ersten Reaktion an den Märkten waren Commerzbank-Aktien sehr gefragt, als das Angebot bekannt wurde. Vorstandschef Orcel sagt, dass er es nicht eilig hat, dass er alle von den Vorzügen der Fusion überzeugen möchte. Seine Idee ist es, dass Commerzbank und HypoVereinsbank sich gut ergänzen würden. Zugleich ließe sich einiges an Kosten sparen, wenn man doppelte Strukturen abbaut. Je nachdem, ob der Schwerpunkt der neuen Bank in Frankfurt oder in München wäre, würden auf der Gegenseite dann einige Stellen wegfallen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
