Der Eingang des ifo Instituts in München, am Tag der Bekanntgabe der Frühjahrsprognose.
Bildrechte: dpa/pa/Frank Hoermann/Sven Simon
Audiobeitrag

Der Eingang des ifo Instituts in München, am Tag der Bekanntgabe der Frühjahrsprognose.

Audiobeitrag
> Wirtschaft >

"Den Gürtel enger schnallen": Ifo senkt Konjunkturprognose

"Den Gürtel enger schnallen": Ifo senkt Konjunkturprognose

Die deutsche Wirtschaft kommt einfach nicht in Schwung, zumindest noch nicht. Das ifo Institut dämpft die Aussichten und rechnet mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Besser könnte es nur mit dem Konjunkturprogramm werden.

Über dieses Thema berichtet: Wirtschaft am .

So lang war bisher noch keine Durststrecke: seit Ende 2019 stagniert die deutsche Wirtschaft. Und auch für das aktuelle Jahr sind die Erwartungen der Münchener Forschenden vom ifo-Institut nur verhalten. Erwartet wird ein Mini-Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 Prozent, teilte das Institut am Montag mit. Es senkte damit seine vorherige Prognose um 0,2 Prozentpunkte ab.

Um 0,8 Prozent könnte das Bruttoinlandsprodukt dann im nächsten Jahr wachsen. Allerdings nur, wenn es keine weiteren großen Erschütterungen auf der Weltbühne gibt und wenn die Schulden, die jetzt gemacht werden sollen, auf Reformen fußen.

Ifo und OECD senken Konjunkturprognose

Ifo-Chef Clemens Fuest hat das bei der Präsentation der Zahlen so formuliert: "Schulden machen kann jeder". Aber über Schulden allein seien die Probleme nicht zu lösen. Vor allem die neuen Milliarden für Sicherheit und Verteidigung bedeuteten einen Wohlstandsverlust für Deutschland. Deshalb müssten Ausgaben jetzt dringend umgeschichtet werden. Auch wenn das darauf hinauslaufe, "den Gürtel enger zu schnallen."

Genau wie das ifo-Institut hat auch die Welthandelsorganisation OECD ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr nach unten korrigiert. Allerdings erwartet die OECD immerhin noch ein Plus von 0,4 Prozent. Für 2026 erwartet die OECD immerhin 1,1 Prozent beim BIP.

Viele Gründe, nur eine Möglichkeit: Sparen

Die Gründe für diese Korrekturen sind vielfältig. Da ist zum einen die Auftragslage in Deutschland. Gut jedes zweite Industrieunternehmen in Deutschland klagt derzeit über mangelnde Aufträge. Beim Bau sind es 40 Prozent, bei den Dienstleistern noch 30 Prozent.

Dann gibt es viele Ungewissheiten: Ohne genügend Aufträge fallen auch die Exporte als Zugpferde aus. Die US-Wirtschafts- und Zollpolitik bleibt die große Unbekannte für Europa, heißt es beim ifo-Institut. Es könnte für die Exportwirtschaft sogar noch schlimmer kommen. Vor allem China ist zum unbequemen Konkurrenten geworden, mitten im Strukturwandel, in dem viele Industriebranchen derzeit stecken.

Außerdem geben die Konsumentinnen und Konsumenten vergleichsweise wenig Geld aus, die Konsumlaune bleibt verhalten. Immerhin hätten die Verbraucher angefangen, einen Teil ihrer Ersparnisse auszugeben. Weil sich Löhne und Inflation jetzt aber im Gleichschritt nach oben bewegen, wird sich die Kaufkraft in den kommenden Monaten kaum wesentlich erhöhen. Das hat auch zur Folge, dass die Unternehmen nur äußerst zurückhaltend investieren.

Wollmershäuser: "Eigentlich stecken wir in einer Stagflation."

Bei der Vorstellung der neuen ifo-Daten sagte Timo Wollmershäuser: "Eigentlich stecken wir in einer Stagflation." Wollmershäuser ist der Konjunkturchef des Wirtschaftsforschungsinstituts aus München. Das heißt, die deutsche Wirtschaft steckt fest, aber die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr dennoch 2,3 Prozent erreichen, im kommenden Jahr dann 2,0 Prozent.

In der ifo-Frühjahrsprognose noch nicht enthalten sind die großen Finanzpakete für Verteidigung und Infrastruktur, über die derzeit diskutiert wird. Sie könnten im kommenden Jahr Schubkraft für die Konjunktur entwickeln, heißt es. Davon geht auch die OECD in Paris aus. Öffentliche Investitionen würden steigen, private Investitionen stimuliert und das Vertrauen zurückkehren.

Allerdings sieht die OECD genau wie das ifo-Institut das große Risiko, dass die enorme Nachfrage durch die Investitionspakete zu einer starken Zunahme der Inflation führen könnte. Mögliche Stellschrauben, so Clemens Fuest, wären dabei mehr Vollzeitarbeit und weniger Feiertage. Daneben aber auch Anreize bei Steuern und Abgaben, damit am Ende mehr Netto vom Brutto bleibt.

"Deutschland kann sich so ein Paket leisten", aber nur mit Reformen

Als hätten sie voneinander abgeschrieben, betonen auch die Wissenschaftler der OECD, dass Planungs-, Genehmigungs- und Beschaffungsverfahren dringend vereinfacht und beschleunigt werden müssten.

"Deutschland kann sich so ein Paket leisten, da seine Schuldenstandsquote geringer ist als die vieler anderer OECD-Länder", so steht es im OECD-Bericht. Da aber die Ausgaben für Renten und Gesundheit in den nächsten Jahren stark steigen dürften "muss das Paket unbedingt mit fiskalen Strukturreformen verbunden werden, um Spielraum für die Rückzahlung der Schulden zu schaffen."

Im Video: ifo senkt Konjunkturprognose

ifo senkt Konjunkturprognose
Bildrechte: BR 2025
Videobeitrag

ifo senkt Konjunkturprognose

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!