Nach vielen Meldungen über Rezession und Flaute berappelt sich die deutsche Wirtschaft. Immer häufiger weisen derzeit Konjunkturdaten nach oben. Jüngster Beweis: Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen ist so gut wie seit einem Jahr nicht mehr. Das hat das ifo-Institut am Dienstag mit Bezug auf seine August-Umfrage unter 9.000 Managern mitgeteilt.
ifo-Geschäftsklimaindex erneut gestiegen
Das ifo-Geschäftsklima stieg um 2,1 Punkte auf 88,8 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut in München mitteilte. "Die Zuversicht unter den Unternehmen in Deutschland hat zugenommen", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. "Trotz des erneuten Energiepreisanstiegs erholt sich die deutsche Wirtschaft."
Und noch eine gute Nachricht gibt es: Der Index fällt besser aus als erwartet. Analysten waren im Schnitt lediglich von einem Anstieg auf 87,2 Punkte ausgegangen. Gestützt wurde der Indikator durch gestiegene Erwartungen an künftige Geschäfte und eine bessere Einschätzung der aktuellen Lage. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe ist die Stimmung spürbar gestiegen. Auch im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima verbessert.
Wachstumsprognose nach oben korrigiert
Dazu passend sendet die deutsche Wirtschaft mit einem erneuten Mini-Wachstum im Frühjahr positive Signale. Im Zeitraum April bis Juni legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 0,3 Prozent zum Vorquartal etwas stärker zu als zunächst berechnet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Europas größte Volkswirtschaft ist somit drei Quartale in Folge gewachsen.
"Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück", sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. Insgesamt wurden 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im ersten Quartal 2026. Dagegen legten sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben mit jeweils 0,1 Prozent nur leicht zu. Die Investitionen etwa in Maschinen und Fahrzeuge sanken.
Die Aussichten hellen sich auf
Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass die deutsche Wirtschaft langsam an Fahrt gewinnt – getragen von starken Exporten, hohen Unternehmensgewinnen und einer Belebung am Bau, wo wieder mehr Wohnungen genehmigt werden. Auch die Stimmung in den Unternehmen hellt sich auf. Achim Wambach, Präsident des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW, sprach jüngst von einem "positiven Trend in den Erwartungen".
Einige Ökonomen korrigierten sogar ihre Konjunkturprognosen nach oben. Nachdem die deutsche Wirtschaft bereits im ersten Quartal mit 0,4 Prozent kräftiger zugelegt hat als erwartet, trauen einige Fachleute der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr etwa ein Prozent Wachstum zu. Das wäre zwar noch kein fulminanter Aufschwung, aber deutlich mehr als die 0,2 Prozentpunkte Plus in 2025 nach zwei Jahren mit schrumpfender Wirtschaftsleistung.
Klimakrise mit Dürresommer dämpft Erwartungen
Während die Milliarden-Ausgaben der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur stützen, birgt das Rekord-Niedrigwasser am Rhein allerdings das nächste Risiko: Da der Warentransport über das Wasser stockt, geraten Lieferketten ins Stocken und beispielsweise die Produktion in manchen Branchen wie der Chemieindustrie muss reduziert werden.
"Im dritten Quartal dürften die Folgen der niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen die Erholung der deutschen Wirtschaft vorübergehend ausbremsen", prognostizierte jüngst die Bundesbank. "Die Wirtschaft dürfte von Juli bis September demnach allenfalls noch leicht zulegen".
Die Lage bleibt angespannt
Hohe Energiepreise bleiben jedoch eine Belastung für Unternehmen und Verbraucher. Nach Auslaufen des Tankrabatts stieg die Inflationsrate im Juli direkt um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent. In den nächsten Monaten könnte die Teuerung weiter anziehen. Denn der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist nach wie vor ungelöst und die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormus faktisch blockiert. Die fragile Lage bleibt eine Belastung für die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft.
Auch bei den Staatsfinanzen bleibt die Lage angespannt. Weil der Staat schuldenfinanziert Milliarden in Straßen, Schienen und Verteidigung steckt, erwarten Experten, dass die Defizitquote von 2,7 Prozent vom vergangenen Jahr auf mehr als vier Prozent im Jahr 2027 ansteigen wird.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
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