Zwei Techniker installieren Solarpaneele auf dem Dach eines Lagerhauses
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Energiewende · Wie Unternehmen der Stecker gezogen wird
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Sunan Wongsa-nga
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Energiewende: Wenn Unternehmen der Stecker gezogen wird

Energiewende: Wenn Unternehmen der Stecker gezogen wird

Mit einer Photovoltaikanlage wollte ein Mittelständler Strom für seine Fabrik erzeugen – eigentlich. Doch seit Wochen dreht ihm der Versorger die Anlage ab. Jetzt kann er seinen Strom weder verwenden noch speichern, sondern muss ihn teuer zukaufen.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Der Metallbauer Thomas Reisgies aus Burgbernheim in Mittelfranken wollte Teil der Energiewende sein. Deshalb investierte er fast eine halbe Million Euro in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Betriebs – und zusätzlich in einen großen Energiespeicher auf dem Firmengelände. Doch statt möglichst unabhängig und günstig Strom nutzen zu können, steht der Unternehmer heute vor einem Problem: Seine Anlage wird regelmäßig abgeschaltet.

Der Speicher hat eine Kapazität von 220 Kilowattstunden und könnte laut Thomas Reisgies die Nachtschicht seines metallverarbeitenden Betriebs gleich dreimal mit Strom versorgen. Doch der Speicher bleibt oft leer. "Pünktlich, wie gestern, kurz vor neun, sind wir wieder abgeschaltet worden", sagt Reisgies. Der Speicher sei da erst zu knapp 20 Prozent gefüllt gewesen.

Der Grund: Bei viel Sonnenschein wird die Photovoltaikanlage immer wieder vom Netzbetreiber "N-Ergie" reguliert, um eine Überlastung der Stromnetze zu verhindern. Das Unternehmen erklärt dazu schriftlich: "Sehr häufig kann der erzeugte Strom nicht vollständig in andere Regionen abtransportiert werden. Die Folge: Anlagen müssen in großem Umfang abgeregelt werden." Befindet sich zu viel Strom im Netz, droht eine Überlastung und es besteht die Gefahr, dass das Netz zusammenbricht. Dies kann zu Stromausfällen führen.

Unternehmer: Irrsinn, dass wir unseren Strom nicht benutzen dürfen

Für Unternehmer Thomas Reisgies ist das schwer nachvollziehbar. Denn der Strom sollte aus seiner Sicht gar nicht ins öffentliche Netz eingespeist werden, sondern direkt in seinen Speicher fließen. "Der Irrsinn ist, dass wir unseren eigenen produzierten Strom nicht mal benutzen dürfen", sagt er. Stattdessen müsse sein Unternehmen teuren Fremdstrom zukaufen. Zwar erhält Reisgies eine Entschädigung dafür, dass seine Anlage abgeschaltet wird, doch wirtschaftlich gleichen die zusätzlichen Stromkosten das nicht aus.

Denn die muss letztlich der Kunde mitfinanzieren. Und das könnte dazu führen, Aufträge zu verlieren, Maschinen schlechter auszulasten oder sogar Schichten streichen zu müssen.

Der Energieökonom Prof. Mario Liebensteiner von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sieht darin ein strukturelles Problem der Energiewende. Die Politik habe sich stark auf den Ausbau erneuerbarer Energien konzentriert. "Was man aber hier kaum mitbedacht hat, ein Stück weit sogar vergessen hat, ist alles andere drumherum", sagt er.

Vor allem der Netzausbau komme vielerorts nicht hinterher – insbesondere im ländlichen Raum. Nach Einschätzung Liebensteiners braucht es deutlich mehr Speicherkapazitäten und einen schnelleren Ausbau der Stromnetze. "Aber das Ganze kostet Geld, und da müssten natürlich auch die Anreize entsprechend da sein", sagt er.

Bürgermeister: Viele Betriebe in der Region betroffen

Insgesamt sei das System nicht nachhaltig. Der Staat zahle Entschädigungen für abgeschaltete Anlagen – die Kosten dafür trügen die Bürger, über höhere Strompreise oder den Bundeshaushalt. Ein neues Umspannwerk könnte die Situation in Burgbernheim verbessern. Unternehmer Thomas Reisgies hat sich deshalb bereits an Politik und Netzbetreiber gewandt. Verlässliche Informationen zum Zeitplan bekommt er nach eigenen Angaben allerdings nicht. "Es kursieren Gerüchte, dass es erst in zehn Jahren losgehen soll", sagt er.

Auch Burgbernheims Bürgermeister Matthias Schwarz sieht die Lage kritisch. Viele Betriebe in der Region seien betroffen. Zahlreiche Hallendächer seien inzwischen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet – doch gerade zur besten Sonnenzeit würden diese abgeschaltet. Das sei "ein wirtschaftlicher Schaden" für Unternehmen und letztlich auch für die Gemeinde. Besonders widersprüchlich findet Bürgermeister Schwarz die Vorgaben der bayerischen Bauordnung. Dort sei festgelegt, dass gewerbliche Betriebe Photovoltaikanlagen errichten müssten. "Das macht aber keinen Sinn, weil wenn die täglich abgeschaltet wird, dann ist das ja wirtschaftlicher Irrsinn", so Schwarz.

Für Thomas Reisgies geht es inzwischen um mehr als nur um eine Investition. "Wenn wir keinen günstigen Strom haben, werden wir Aufträge verlieren", sagt er. Dann stelle sich irgendwann auch die Standortfrage für sein Unternehmen.

Eigentlich wollte Reisgies Teil der Energiewende sein. Jetzt hofft er vor allem, dass sein Betrieb die Situation wirtschaftlich übersteht.

Disclaimer: In einer früheren Version des Artikels wurde die Kapazität des Speichers mit 220 Kilowatt angegeben. Es sind jedoch Kilowattstunden. Wir haben dies geändert.

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