Kommt ein großer Sprung bei den Beitragssätzen der Deutschen Rentenversicherung? Statt monatlichen 18,6 Prozent sollen ab 2028 19,9 Prozent des Bruttogehalts für die Rentenversicherung fällig werden. Das zeigt die Frühjahrsfinanzschätzung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) [externer Link]. 2029 soll der Beitrag sogar auf 20 Prozent im Monat steigen. Die Prognose der DRV beruht auf der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts und aktuellen Wirtschaftsannahmen der Bundesregierung.
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Beitragssätze lagen vor 15 Jahren bereits bei 19,9 Prozent
Die Bild-Zeitung hatte berichtet, aus internen DRV-Zahlen, die der Zeitung vorlägen, gehe ein "Megasprung" bei den Beitragssätzen hervor. Die DRV teilt auf BR24-Anfrage mit, die Zahlen seien öffentlich einsehbar und kämen nicht unerwartet. Dennoch: Der Beitragssatz lag bis 2011 schon einmal bei 19,9 Prozent und wurde dann auf die heutigen 18,6 Prozent abgesenkt. Ende der Neunzigerjahre waren es sogar über 20 Prozent.
"Es ist seit langem bekannt, dass die Beitragssätze steigen müssen", sagt Professor Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des Dresdner ifo-Instituts. Bisher ist die Rentenversicherung von einer Erhöhung auf 19,8 Prozent ausgegangen – also nur 0,1 Prozentpunkte weniger als nun angekündigt. Dass die DRV die Schätzung angehoben hat, überrascht Ragnitz nicht.
Der Grund ist nicht neu: Deutschland altert
Die Frage nach dem "Warum" sei laut dem ifo-Forscher leicht zu beantworten: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, die Gruppe der Menschen, die arbeiten und damit in die Rentenversicherung einzahlen, wird kleiner. Außerdem strapazieren Reformen wie die Einführung der Grundrente, die sogenannte Mütterrente und die Rente mit 63 das Budget der Rentenversicherung. Neu hinzu kommt die schwache konjunkturelle Lage, die nun für die leichte Anhebung der Beitragssätze um 0,1 Prozent verantwortlich sein könnte, sagt Ragnitz.
Die Rentenversicherung geht im aktuellen Bericht außerdem von einem weiteren Anstieg der Beiträge bis 2040 aus – auf 21,1 Prozent. Zuletzt forderte Alexander Gunkel, Vorstand der DRV, eine obere Begrenzung des Beitragssatzes.
So funktioniert die Rentenversicherung
In einem Umlagesystem wie der gesetzlichen Rente gilt: Die laufenden Beiträge der Beschäftigten finanzieren die laufenden Renten. Wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt und die Zahl der Rentenempfänger steigt, muss die Lücke irgendwo geschlossen werden. Dafür gibt es drei Optionen:
- höhere Beitragssätze,
- höhere Steuerzuschüsse vom Bund oder
- geringere Leistungen
Im vergangenen Jahr bezuschusste die Bundesregierung die Rentenversicherung mit rund 120 Milliarden Euro. Das Rentenniveau, also die Rente im Verhältnis zum vorherigen Bruttoverdienst, liegt aktuell bei 48 Prozent.
Das bedeuten 19,9 Prozent konkret im Geldbeutel
Wie viel macht der Anstieg ab 2028 wirklich aus? Eine Beispielrechnung: Den aktuellen Satz von 18,6 Prozent teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu jeweils 9,3 Prozent. Bei einem Bruttogehalt von 3.000 Euro im Monat zahlen Arbeitnehmer bisher 279 Euro an die Rentenversicherung. Steigt der Beitrag nun ab 2028 auf 9,95 Prozent Eigenanteil, dann werden monatlich 298,50 Euro für Arbeitnehmer fällig – 19,50 Euro mehr als aktuell. Innerhalb eines Beitragsjahres macht das 234 Euro mehr.
Während Arbeitnehmer bei einem Bruttogehalt momentan 279 Euro monatlich zahlen, könnten es bald mehr sein.
In der Grafik sind nur die Beiträge an die Rentenversicherung abgebildet. Weitere Sozialabgaben und Versicherungsbeiträge sind nicht dargestellt.
Können Reformen den Trend noch umkehren?
Die DRV gibt zu bedenken, dass es sich bei der Schätzung um Berechnungen anhand der aktuellen Lage handelt. Bald könnte sich jedoch genau da etwas ändern: Für Ende Juni erwartet die Bundesregierung Empfehlungen der neu eingesetzten Rentenkommission.
Zu erwarten seien Anpassungen des Rentenniveaus, ein höheres Renteneintrittsalter oder der Versuch, neue Beitragszahler zu gewinnen, zum Beispiel, indem Beamte in die Rentenversicherung einzahlen. Das brächte jedoch neue Probleme mit sich, gibt Joachim Ragnitz vom Dresdner ifo-Institut zu bedenken.
Kurzfristig erwartet er von Reformen keine Effekte: "Was die Kommission an Vorschlägen machen wird, würde dann frühestens für die Jahre danach was bringen", sagt Ragnitz.
Dieser Artikel ist erstmals am 6. Juni 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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