Bereits über das Wochenende hatte es sich angedeutet, nun haben es Quellen des US-Militärs dem BR bestätigt: Nach Jahren der Stationierung in den Rose Barracks Vilseck wird das 2. Kavallerieregiment der US Army die Oberpfalz verlassen. Verteidigungsexperten und auch "Stars and Stripes" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt], das offizielle Organ des US-Militärs, hatten bereits in den vergangenen Tagen spekuliert, dass es wohl diese Einheit treffen würde, nachdem von einer Verlegung von 5.000 Mann oder mehr die Rede war. Die sogenannte Stryker Brigade ist nämlich der einzige Kampfverband dieser Größe, den die Vereinigten Staaten derzeit in Deutschland stationiert haben.
Region hängt wirtschaftlich vom Militär ab
Für die generell strukturschwache Region in der nördlichen Oberpfalz ist der Abzug von US-Truppen ein schwerer Schlag. In einer ersten Reaktion sagte der neue Erste Bürgermeister von Vilseck, Thorsten Grädler (EHB-FW), dem BR, das sei eine heftige und sehr emotionale Nachricht. "Das trifft uns hart".
Denn es ziehen nicht nur knapp 5.000 Soldatinnen und Soldaten ab, sondern auch noch tausende von Familienangehörigen. Orte wie Grafenwöhr, Hohenfels und eben Vilseck hängen seit Jahrzehnten wirtschaftlich sehr stark von der Präsenz der Streitkräfte ab, die dort hunderte von Quadratkilometern auf den größten militärischen Übungsgeländen Europas nutzen. Da es in der Region kaum Industrie gibt, ist das US-Militär der mit Abstand größte Wirtschaftsfaktor.
Im Video: Rund 5.000 US-Soldaten aus Vilseck sollen abgezogen werden
5.000 US-Soldaten sollen aus Vilseck in der Oberpfalz abkommandiert werden - die sogenannte Stryker-Brigade.
Milliarden von Kaufkraft ziehen ab
Nach früheren Berechnungen könnte der Abzug einer US-Brigade einen jährlichen Kaufkraftverlust von rund einer Milliarde Euro bedeuten. Der wirtschaftliche Einfluss der US-Streitkräfte in den betroffenen Landkreisen ist nämlich enorm. So beschäftigt das Militär mehrere tausend deutsche Zivilangestellte, dazu kommen lokale Firmen, die als Dienstleister für die Truppen tätig sind: Vom Bauunternehmen bis zur Wäscherei.
Neben diesen direkten Ausgaben fließt auch viel Geld von den US-Soldaten und ihren Familienangehörigen in die örtliche Wirtschaft. So haben sich Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel über Jahrzehnte an die Bedürfnisse der amerikanischen Nachbarn eingestellt, sagt Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch. Er verweist außerdem auf die "weichen" Faktoren, die ein außergewöhnlich harmonisches Miteinander von Oberpfälzern und US-Bürgern ausmachen, bis hin zum gemeinsamen Feiern, etwa beim Aufstellen von Maibäumen.
Strategischer Verlust für Europa
Der Abzug eines gut trainierten Kampfverbandes wie dem 2. Kavallerieregiment aus Europa hat aber nicht nur Folgen für die direkt betroffene Region. Die Verlegung schwäche auch die Sicherheitsinteressen der Nato insgesamt, sagte der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter im Morgenmagazin der ARD. Die Entscheidung der US-Regierung unter Präsident Donald Trump sei ein weiterer Stresstest für das transatlantische Verhältnis.
Die bisher in Vilseck stationierte Einheit ist ein Rückgrat der US-Armee in Europa. Sie dient nicht nur der Abschreckung sondern nimmt auch regelmäßig an großen internationalen Übungen wie derzeit in Polen teil. Außerdem dient sie als eine Art Ankerpunkt für andere US-Einheiten, die für begrenzte Zeiträume nach Europa rotieren.
Im BR24live-Video: Was bedeutet ein Truppenabzug für Bayern und Deutschland?
US-Truppen in Grafenwöhr
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