Ein paar Klicks und schon ist das Ziel erreicht: Eine Überweisung wurde auf den Weg gebracht, eine Reise gebucht oder ein neuer, günstiger Stromvertrag im Internet abgeschlossen. Was leicht klingt, daran scheitern oft vor allem ältere Menschen. Das kritisiert die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) anlässlich des Weltverbrauchertags am 15. März.
Bedarf an Unterstützung ist riesig
Rund vier Millionen Menschen über 60 seien derzeit in Deutschland gar nicht online. Eine ähnlich große Zahl habe zwar Smartphones und Internetzugang, aber häufig nur mit sehr eingeschränkten Funktionen, etwa zum Verschicken von Nachrichten und Fotos. Die Gruppe der Älteren, die in der digitalen Welt mehr Unterstützung brauche, sei "riesig", sagt Astrid Mönnikes im Gespräch mit BR24. Sie ist Projektleiterin beim "DigitalPakt Alter", einer bundesweiten Initiative, die digitale Kompetenzen aufbauen und stärken will.
Auch die Seniorinnen und Senioren selbst finden, dass der Nachholbedarf erheblich ist. Viele von ihnen, die auch online unterwegs sind, benoten ihre eigenen Fähigkeiten nur mittelmäßig. Mit zunehmendem Alter werden die Zensuren zudem immer schlechter: Während sich die unter 70-Jährigen laut einer Bitkom-Umfrage (externer Link) noch eine "Schulnote" 2,6 geben würden, beurteilen die unter 80-Jährigen ihre Fähigkeiten nur noch mit 3,5.
Unterstützung oft im nahen Umfeld, nicht strukturell
Digitale Kenntnisse würden in den meisten Fällen durch Freunde, Familie und Bekannte vermittelt, berichten die Befragten. Sprechstunden oder öffentliche Beratungsangebote nutzen nur fünf Prozent. Dabei ist die Hoffnung auf mehr Unterstützung durch Politik und Gesellschaft groß.
Die Wunschliste der älteren Bevölkerung umfasst etwa öffentliche Hilfetelefone oder kostenlose und günstige Kurse vor Ort. Auch individuelle Beratung zu Hause und "Techniksprechstunden" gehören zu den nachgefragten Unterstützungsangeboten. Die Angebote vom "DigitalPakt Alter" gibt es auch in vielen Städten und Gemeinden Bayerns (externer Link).
Digitale Chancen im Alter – doch die Hürden bleiben hoch
Immerhin hat sich seit der Coronakrise viel getan, sagt Astrid Mönnikes vom DigitalPakt. Damals seien noch rund sieben Millionen Deutsche über 60 Jahren nicht online gewesen. Ein Drittel der über 65-Jährigen sah die Digitalisierung eher als Gefahr für die Gesellschaft. Heute sehen acht von zehn eher die Chancen, so das Ergebnis der Studie des Branchenverbands Bitkom.
Die mittlerweile steigende Motivation und Bereitschaft in der Bevölkerung, sich auch noch im höheren Alter Fähigkeiten am Smartphone und Computer anzueignen, könnte entsprechend besser genutzt werden. Jedoch seien die Hürden oft zu hoch, so berichtet es auch Jacqueline Jaworska vom Verbraucherservice Bayern im Gespräch mit BR24.
Ältere Menschen oft motiviert, aber auch überfordert
Die heute 60- bis 90-Jährigen seien nicht mit dem Smartphone und Internet aufgewachsen und fühlten sich von der Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung oft überfordert. Die Zahl der digital Abgehängten sei immer noch viel zu groß, kritisieren Verbraucherschützer und Seniorenverbände.
Dabei wollen Seniorinnen und Senioren in der Regel durchaus mit der technischen Entwicklung mithalten. Hier müsse angesetzt werden, mit Informationen und Hilfestellungen. Denn digitale Kompetenz könne Schritt für Schritt auch gelernt werden.
Stattdessen aber würden ältere Menschen in Deutschland derzeit "weiter abgehängt", kritisiert Astrid Mönnikes vom DigitalPakt Alter. Denn Wirtschaft und Politik würden die Digitalisierung derzeit "extrem vorantreiben". Dies sei zwar grundsätzlich gut und wünschenswert, es fehlten aber die Mittel, "um die Älteren dann entsprechend zu beteiligen."
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