Rechts ein Mann mit Bart und Turban, es ist der Oberste Führer des Iran Modschtaba Hosseini Chamenei, links daneben eine zerschlissene USA-Flagge; im Hintergrund Raketen über Teheran.
Rechts ein Mann mit Bart und Turban, es ist der Oberste Führer des Iran Modschtaba Hosseini Chamenei, links daneben eine zerschlissene USA-Flagge; im Hintergrund Raketen über Teheran.
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"Das Regime bricht nicht zusammen, sondern hat sich auf diese Lage gut vorbereitet", sagt Politikwissenschaftler Thomas Jäger im BR24-Interview.
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"Das Regime bricht nicht zusammen, sondern hat sich auf diese Lage gut vorbereitet", sagt Politikwissenschaftler Thomas Jäger im BR24-Interview.

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Iran: Verlieren die USA den Krieg? Eine Analyse

Iran: Verlieren die USA den Krieg? Eine Analyse

Über 5.000 Ziele bombardiert – das Mullah-Regime steht noch. Trump spricht vom baldigen Sieg. Doch was genau er damit meint, ist ebenso unklar wie die Antwort auf die Frage: Welche Motive treiben die USA eigentlich an?

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Als die USA und Israel vor zwei Wochen den Iran angriffen, erwarteten viele: kurz, hart, entscheidend. Doch das Mullah-Regime steht noch. US-Außenminister Rubio hatte die Logik so begründet: Man wusste, Israel würde schlagen, man wusste, das würde US-Stützpunkte in Gefahr bringen, also griff man zuerst an. Dazu kam laut Weißem Haus ein "gutes Gefühl" Trumps, der Iran könnte bald selbst zuschlagen.

Politikwissenschaftler Thomas Jäger nimmt im BR24-Interview für "Possoch klärt" an, der Angriff sei früher gekommen als geplant: Die Geheimdienste hätten Informationen gehabt, wo sich die iranische Führung versammelte, und man schlug schneller zu als vorgesehen – möglicherweise in der Erwartung eines Enthauptungsschlags, der das Regime kollabieren lässt. "Wenn das so gewesen sein sollte, dann war man schlecht informiert", sagt Jäger. "Das Regime bricht nicht zusammen, sondern hat sich auf diese Lage gut vorbereitet."

Was der Iran im Köcher hat

Der Iran ist geografisch eine Festung – Wasser im Süden, Berge ringsum, Wüste in der Mitte. In die Berge hat Teheran Tunnel und unterirdische Abschussbasen gebaut. Seine Kernwaffe: Shahed-Drohnen. Mehr als 2.000 davon haben seit Kriegsbeginn US-Stützpunkte, Ölinfrastruktur und zivile Ziele im Nahen Osten getroffen. Laut geleakten russischen Dokumenten produziert der Iran monatlich rund 5.000 davon.

Hinzu kommt: Der Iran hat bisher weder Marschflugkörper noch Cyberangriffe noch seine Schnellboote wirklich eingesetzt. Nahostexperte Martin Sampson vom Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS) fragt sich, wofür diese Mittel in Reserve gehalten werden. Sie seien die schwierigsten Ziele – schnell, tief fliegend, kaum zu orten. Sampson: "Ich glaube nicht, dass die USA oder Israel so frei eskalieren können", wie der Iran es potenziell noch könnte.

BR24 auf Youtube: Verlieren die USA den Iran-Krieg? Possoch klärt!

Warum führen die USA diesen Krieg überhaupt?

Für Thomas Jäger stellt der Iran für die USA keine direkte Bedrohung dar – weder nuklear noch konventionell. Das wussten auch die amerikanischen Geheimdienste. Trotzdem griff Trump an, obwohl sein eigenes Kabinett abgeraten hatte – sogar Vizepräsident Vance soll in Sitzungen gefragt haben: "Wissen wir, was wir tun?"

Was Trump antrieb, rekonstruiert Jäger so: Der saudische Kronprinz und Israels Premier Netanjahu drängten von außen. Und Trump reizt es, das zu schaffen, woran andere Präsidenten gescheitert sind. Seit 1979 ist der Iran Feind der USA. "Trump will derjenige sein, dem es gelingt, den Iran wieder zu einem amerikafreundlichen Staat zu machen", sagt Jäger. "Ob das am Ende dabei rauskommt, steht in den Sternen."

"Kein Regime-Change ohne Bodentruppen"

Konkret schwebt Trump scheinbar ein Regime-Change vor – zuletzt sagte er, der Iran brauche einen neuen Präsidenten, der "etwas friedlich regeln kann". Doch ein Regimewechsel per Luftkrieg funktioniert strukturell nicht: Dafür braucht man Bodentruppen, die ein Land besetzen und ein neues Regime stabilisieren – "Boots on the Ground", wie Militärexperte Fabian R. Hoffmann es nennt.

Die Blaupausen dafür sind wenig ermutigend. Jäger erinnert an Afghanistan, wo man die Taliban vertrieb, um sie heute wieder in der Regierung zu sehen – und an den Irak, der nach langen Jahren Krieg keine Musterdemokratie wurde. "Es gibt überhaupt keinen Plan, so etwas wie den Aufbau eines neuen Regimes bewerkstelligen zu können."

Iran: Ein zweites Syrien?

Das Worst-Case-Szenario: ein zersplitterter Iran im Bürgerkrieg, ein zweites Syrien. Emile Hokayem, Direktor für Regionale Sicherheit am IISS, warnt: Der Iran sei mit 93 Millionen Einwohnern eine ganz andere Größenordnung als Libyen oder Syrien. "Niemand will dort mit dem Feuer spielen. Und die Menschen wissen, dass Amerika einen Bürgerkrieg am Tag danach nicht managen wird."

Öl-Schock, Börsencrash, Weltwirtschaftskrise – das sind die Variablen, die über den Krieg hinauswirken. Militärisch sind die USA laut Hoffmann überlegen. Aber ob sie diesen Krieg am Ende gewinnen, ist eine andere Frage.

BR24 auf TikTok: Gehen die USA im Iran-Krieg pleite?

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