Christian Hartel, Vorsitzender des Vorstands der Wacker Chemie AG, hier bei einem Auftritt 2024.
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Christian Hartel, Vorsitzender des Vorstands der Wacker Chemie AG, hier bei einem Auftritt 2024.
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Christian Hartel, Vorsitzender des Vorstands der Wacker Chemie AG, hier bei einem Auftritt 2024.

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Wacker Chemie: "Die guten alten Zeiten kommen nicht wieder"

Wacker Chemie: "Die guten alten Zeiten kommen nicht wieder"

Tiefrote Zahlen zwingen Wacker Chemie zu einem harten Sparkurs: 1.500 Stellen fallen weg, vor allem an den deutschen Standorten. Die Produktion wandert derweil in günstigere Länder ab. Pro Jahr sollen so 300 Millionen Euro eingespart werden.

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Schon diese Zahlen zeigen, wie es um den Traditionskonzern Wacker Chemie steht: Insgesamt arbeiten dort gut 16.000 Menschen, davon 10.750 an den deutschen Standorten. Und davon wiederum allein gut 8.000 im oberbayerischen Burghausen. Das Problem: Kein einziger deutscher Standort schreibt schwarze Zahlen.

Deshalb werden vor allem dort Stellen gestrichen, wo (noch) viel produziert wird – und das ist in Deutschland. Auch Jobs in der Verwaltung wird es treffen. Die Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung laufen noch. Deshalb gab es am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz im Münchener Werksviertel am Ostbahnhof noch keine Details.

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Sparen bei Wacker
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Sparen bei Wacker

Wacker will sich spezialisieren

Überkapazitäten, Preisverfall und Dollarschwäche machen der gesamten Branche zu schaffen. Bei Wacker geht es allerdings um Spezial-Chemie. Das heißt, um Polymere und Silikone, zum Beispiel für die Bau-, Automobil- und Konsumgüterindustrie sowie für die Elektro- und Medizintechnik. Dabei reicht die Palette vom Mörtel über Fliesenkleber bis hin zu Dichtungen, Verpackungen und Kosmetika. In Zukunft will sich das Unternehmen noch stärker auf solche "Spezialitäten" konzentrieren.

Ganz am Anfang, im Gründungsjahr 1914, standen Essigsäure und Aceton. Neue Moleküle werden heute kaum noch entdeckt; dafür erschließen sich neue Anwendungen für längst bekannte chemische Verbindungen oder Kunststoffe. So stellt die E-Mobilität ganz andere Anforderungen an bestimmte Materialien als die Verbrenner-Technologie. Und mit neuartigen Baustoffen können die Heiz- und Kühlkosten von Gebäuden massiv gesenkt werden.

Es wird auch einen neuen Standort geben – in Tschechien

Wacker Chemie hat weltweit 27 Produktionsstätten. Zur Jahresmitte soll nun ein neuer Standort im tschechischen Karlsbad eröffnet werden, so groß wie zweieinhalb Fußballfelder. Die Produktion von Silikonen soll dort flexibel gefahren werden, je nach Bedarf sind schnelle Anpassungen möglich. Den Ausschlag für Karlsbad als Standort habe ein "rundes Gesamtpaket" gegeben, so der Vorstand. Damit gemeint sind günstigere Lohnkosten, gut ausgebildete Bewerber, eine attraktive Ansiedelungspolitik und die geografische Nähe zum Stammsitz in Burghausen.

Profitabel wachsen will der Konzern vor allem im Geschäftsbereich Polysilicium und im Life-Science-Bereich Biosolutions. Der Fokus liegt dabei auf biotechnologisch hergestellten Produkten wie Biopharmazeutika und Lebensmittelzusatzstoffen.

Schwarze Null wird es fürs Erste wohl nicht geben

In dieser Nische, in der Wacker vor vielen Jahren mit Kaugummi-Harzen begonnen hat, geht es inzwischen um Zellkulturen für die Fleischproduktion im Labor und um die Produktion von Impfstoffen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Bei der Prognose für die kommenden Monate bleibt die Chefetage vorsichtig. Die "schwarze Null", also ein ausgeglichenes Ergebnis, werde man wohl eher nicht erreichen. Der Jahresumsatz könnte allenfalls leicht steigen. Der Vorstand will die eigenen Hausaufgaben jetzt zügig abarbeiten und drückt beim Stellenabbau aufs Tempo. An Standorten in Asien und in den USA wurden bereits Jobs gestrichen.

Der deutschen Chemieindustrie drohe auch in diesem Jahr ein weiterer Rückgang der Produktion. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Die Energiekosten seien immer noch zu hoch, daran ändere auch der Industriestrompreis nicht viel – zumal der an Investitionsauflagen gekoppelt wurde.

EU als Standort schwer zu halten

Einmal mehr kritisierte Vorstandschef Christian Hartel, dass sich die Standortbedingungen in der EU verbessern müssten. Die EU habe sich Spielregeln gegeben, die in anderen Regionen der Welt ignoriert würden, so sei man weit entfernt von fairen Wettbewerbsbedingungen, ganz zu schweigen von der ausufernden Bürokratie. "Wir haben jetzt keine Zeit mehr zu verlieren", so Hartel. Und weiter: "Die guten alten Zeiten werden nicht wiederkommen."

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