Christina im Portrait. Sie ist Sozialarbeiterin in der Bewährungs- und Gerichtshilfe am Landgericht Ingolstadt; im Hintergrund ist eine Justizvollzugsanstalt zu sehen.
Christina im Portrait. Sie ist Sozialarbeiterin in der Bewährungs- und Gerichtshilfe am Landgericht Ingolstadt; im Hintergrund ist eine Justizvollzugsanstalt zu sehen.
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Soziale Arbeit studieren und mit Menschen arbeiten - ein Film von Barbara Weber.
Bildrechte: BR: Volker Schmidt, Hindergrund: BR: Sylvia Bentele
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Bewährungshilfe: Wie Sozialarbeit Rückfälle verhindern soll

Bewährungshilfe: Wie Sozialarbeit Rückfälle verhindern soll

Menschen nach einer Straftat auf dem Weg in ein straffreies Leben zu begleiten – das ist Christinas Aufgabe als Bewährungshelferin am Landgericht Ingolstadt. Sie versucht, Rückfälle zu verhindern. Und leistet damit auch aktiven Opferschutz.

Über dieses Thema berichtet: alpha Uni am .

Christina arbeitet als Bewährungshelferin am Landgericht Ingolstadt und betreut derzeit rund 70 Probanden. Als Probanden werden Straftäter und Straftäterinnen bezeichnet, deren Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde oder die unter Führungsaufsicht stehen.

Die Straftaten, mit denen Christina in ihrer Arbeit zu tun hat, reichen von Betrug über Drogendelikte bis hin zu Gewalttaten. Christinas Ziel: Rückfälle zu verhindern und die Gesellschaft zu schützen. Dabei geht es nicht nur um Kontrolle. Christina unterstützt die Probanden bei Problemen im Alltag, überprüft die Einhaltung der Bewährungsauflagen und versucht gemeinsam mit ihnen, neue Perspektiven zu entwickeln.

Soziale Arbeit in der Bewährungshilfe: Rückfälle verhindern

Der erste Termin des Tages für Christina: ein Mann, der mehrfach ohne Führerschein Auto und Lkw gefahren ist. Obwohl ihm die Fahrerlaubnis bereits entzogen worden war, nahm er sogar eine Stelle als Lkw-Fahrer an. Insgesamt soll er rund 250 Fahrten ohne Führerschein unternommen haben.

Im Gespräch geht es um Verhaltensänderungen. Christina arbeitet mit sogenannten Neutralisierungstechniken. Dabei versucht sie, Risikofaktoren für erneute Straftaten abzubauen und gleichzeitig die Probanden zu bestärken, neue Wege zu gehen. Ihr ist wichtig, aktiv zuzuhören, die Menschen nicht mit Vorwürfen zu konfrontieren, sondern auch anzuerkennen, wenn sie sich angestrengt haben, erzählt sie.

Ob ihr Proband sich tatsächlich an die Auflagen hält, kann Christina nicht immer überprüfen. "Ich bin keine Ermittlungsbehörde", sagt sie. Aber natürlich frage sie sich manchmal, ob ihr Proband es schafft, autofrei zu leben.

Bewährungshilfe und Justiz: Zusammenarbeit mit dem Gericht

Zum Arbeitsalltag gehört nicht nur die Betreuung der Probanden. Christina fährt nach ihrem Gesprächstermin zum Amtsgericht Ingolstadt. Dort stellt sie einer Richterin ein Anti-Gewalttraining vor. Das Gericht kann die Teilnahme später als Bewährungsauflage anordnen.

Wieder zurück in der Dienststelle folgt die Teambesprechung. Neue Fälle werden verteilt, schwierige Situationen gemeinsam besprochen und weitere Schritte abgestimmt. "Schwere Delikte und schwierige Persönlichkeiten sind herausfordernd. Genau damit möchte ich mich auseinandersetzen: Was hilft diesen Menschen wirklich?", erklärt Christina.

Bewährungshelferin im Gespräch mit Straftätern

Am Nachmittag trifft Christina einen weiteren Probanden zu einem Spaziergang. Er wurde unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung verurteilt. Zum Tatzeitpunkt war er schwer alkohol- und drogenabhängig. Der Proband war in Untersuchungshaft, seine Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Heute steht er kurz vor dem Ende seiner Bewährungszeit. "Inhaftiert zu sein, war der schwärzeste Moment meines Lebens. Das war der Weckruf, den ich gebraucht habe", erzählt er.

Für Christina sind solche Entwicklungen keine Selbstverständlichkeit. "Anhand des Urteils hätte man meinen können, da kommt jetzt ein Schläger herein. Dann ist man natürlich überrascht, dass jemand so offen, reflektiert und fast schon demütig zur Bewährung kommt und sagt: Das darf mir nie wieder passieren."

Bewährungshilfe als Beruf: Studium, Voraussetzungen und Gehalt

Christinas Weg in die Bewährungshilfe: Sie studierte Soziale Arbeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Vor ihrem Wechsel in die Bewährungshilfe leitete sie den Pflege- und Erziehungsdienst einer Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Neben dem abgeschlossenen Studium der Sozialen Arbeit müssen Bewerberinnen und Bewerber unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis sowie eine gesundheitliche Eignungsprüfung vorlegen. Das Einstiegsgehalt liegt laut TV-L bei rund 4.000 Euro brutto im Monat (externer Link). Mit steigender Berufserfahrung sind bis zu 5.800 Euro brutto erreichbar. Eine Verbeamtung ist ab dem zweiten Berufsjahr möglich.

Beruf Bewährungshelferin: Warum soziale Arbeit Wirkung zeigen kann

Trotz anstrengender Tage und schwieriger Gespräche, die zum Berufsalltag gehören, ist der Job für Christina die richtige Entscheidung gewesen: "Ich bin mit Leib und Seele Sozialarbeiterin. Erst mit der Zeit ist mir bewusst geworden, was Bewährungshilfe bewirkt: dass die Arbeit mit den Probanden auch aktiver Opferschutz ist und ich etwas erreichen kann, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, dass keine Rückfälle mehr passieren."

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