Zwei Falschen, in den denen Kräuter in Alkohol und Essig eingelegt sind, um Bittertropfen herzustellen.
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Bittertropfen aus Wildkräutern selbst machen
Bildrechte: BR | Julia Schade
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Bittertropfen aus Wildkräutern selbst machen

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Bitterstoffe im Check: Hype oder echte Wirkung?

Bitterstoffe im Check: Hype oder echte Wirkung?

Ein paar Tropfen vor dem Essen, ein bitterer Shot am Morgen – Bitterstoffe sind im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Sie sollen die Verdauung unterstützen und beim Abnehmen helfen. Doch was ist wissenschaftlich wirklich belegt?

Über dieses Thema berichtet: Querbeet am .

Bittertropfen sollen die Verdauung anregen, Heißhunger stoppen und sogar beim Abnehmen helfen. Doch vieles davon ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Was können Bitterstoffe tatsächlich im Körper bewirken – und was ist eher Marketing?

Was sind Bitterstoffe?

Viele Bitterstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe und kommen natürlicherweise in zahlreichen Pflanzen vor. Es gibt viele verschiedene Arten, allen gemein ist: Sie schützen die Pflanzen vor Fressfeinden und schmecken bitter.

Früher waren viele Gemüsesorten deutlich bitterer als heutzutage. Teilweise wurden bittere Noten weggezüchtet, um Produkte milder und massentauglicher zu machen, denn viele mögen bitteren Geschmack nicht. Das wird unter anderem evolutionär erklärt, da diese Geschmacksrichtung häufig mit "giftig" in Zusammenhang gebracht wurde - in einigen Fällen nicht zu Unrecht. Stark bitter schmeckende Zucchini oder Kürbisse zum Beispiel können ein Warnzeichen sein, dass sich natürliche Giftstoffe (Cucurbitacine) angereichert haben könnten. Dann gilt: nicht essen, warnt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin von der Verbraucherzentrale Bayern.

Kann es zu einem Bitterstoffmangel kommen?

"Einen klassischen 'Bitterstoffmangel' gibt es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht – zumindest keinen, wie wir ihn von Vitamin C oder Eisen kennen", sagt Krehl. Unser Körper brauche Bitterstoffe nicht zwingend, um zu funktionieren.

Sind Bitterstoffe gesund?

Nicht alle Aussagen, die derzeit zu Bitterstoffen kursieren, sind eindeutig belegt, meint Krehl. Was aber feststeht: "Bitterstoffe sind so etwas wie ein kleiner 'Weckruf' für den Verdauungstrakt. Schon im Mund setzen sie Prozesse in Gang: mehr Speichel und Verdauungssäfte, also beste Bedingung für eine gute Verdauung", so Krehl weiter. Deshalb werden bestimmte Bitterpflanzen traditionell bei Appetitlosigkeit oder Verdauungsbeschwerden eingesetzt, schreibt die Verbraucherzentrale (externer Link). Die oft versprochene Wirkung zum Abnehmen bleibt dagegen fraglich.

Sicher ist, so Krehl, vor allem eines: Viele bittere Gemüse sind nährstoffreich und ballaststoffhaltig – und damit ein Gewinn für eine ausgewogene Ernährung.

Sollte man Bitterstoffe als Nahrungsergänzung einnehmen?

Für gesunde Menschen gibt es keine Empfehlung, Bitterstoffe durch Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, sagt Daniela Krehl. "Die Effekte, die Bitterstoffe versprechen - von 'Entgiftung' bis 'Stoffwechsel-Boost', sind wissenschaftlich oft nicht ausreichend belegt oder werden stark übertrieben dargestellt."

Viele Präparate sind zudem teuer und teilweise schlecht untersucht. Außerdem enthalten manche Tropfen vor allem Alkohol oder Mischungen zahlreicher Pflanzenextrakte, deren Kombination nicht ausreichend geprüft ist, schreibt die Verbraucherzentrale.

Nebenwirkungen: Wer sollte bei Bitterstoffen aufpassen?

In Nahrungsergänzungsmitteln sind oft hochkonzentrierte Inhaltsstoffe enthalten und deshalb nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet. Vor allem bei Personen mit empfindlichem Magen, in der Schwangerschaft oder bei bestimmten Medikamenten ist Vorsicht geboten, warnt Krehl.

Das gilt auch für einzelne bitterstoffhaltige Pflanzen: So sollte Beifuß während der Schwangerschaft nicht verwendet werden. Die BR-Gartensendung Querbeet weist in ihrem Rezept zur Herstellung von Bittertropfen darauf hin, dass die Pflanze traditionell auch zur Förderung oder Einleitung von Geburten eingesetzt wurde. Wer Beifuß innerlich anwenden möchte und unsicher ist, sollte vorab ärztlichen Rat einholen.

Lieber bitteres Gemüse statt Nahrungsergänzungsmittel

Bitterstoffe aus der Kapsel sind kein Ersatz für bitteres Gemüse auf dem Teller, meint Krehl. "Der Körper profitiert eher von der natürlichen Kombination aus Bitterstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen in Lebensmitteln – also in Salaten, Kräutern oder Kohlgemüse."

Welche Lebensmittel enthalten viele Bitterstoffe?

Wer Bitterstoffe ausprobieren möchte, braucht dafür keine Tropfen. Daniela Krehl empfiehlt, Bitteres wieder langsam an den Geschmack heranzuführen - ein bisschen Rucola im Salat, Chicorée aus dem Ofen oder Grapefruit am Morgen. Besonders viele Bitterstoffe stecken unter anderem in:

  • Chicorée
  • Grünkohl
  • Rosenkohl
  • Radicchio
  • grünes Blattgemüse
  • Rucola
  • Artischocken
  • Oliven

Wildpflanzen enthalten relativ viele natürliche Bitterstoffe

  • Brennnessel
  • Löwenzahn
  • Beifuß
  • Gundermann
  • Frauenmantel
  • Salbei
  • Gewürze wie Kurkuma
  • Grapefruit
  • Kaffee
  • Grüntee

Verwendung von Bitterstoffen: Viel Werbung, wenig Beweise

Bitterstoffe sind kein Wundermittel. Einige Wirkungen auf Verdauung und Appetit gelten als plausibel und traditionell bekannt. Viele Werbeversprechen rund um Detox, Fettverbrennung oder Heißhunger sind wissenschaftlich bislang aber nicht ausreichend belegt. Wer Bitterstoffe in den Alltag einbauen möchte, fährt mit bitteren Gemüsesorten meist besser als mit teuren Nahrungsergänzungsmitteln aus dem Internet.

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