Offener Mund, zu dem eine Handvoll Kartoffelchips geführt wird
Offener Mund, zu dem eine Handvoll Kartoffelchips geführt wird
Bild
Belohnungssystem, Knuspersound und Suchtgefahr: Das Geheimnis der Chips
Bildrechte: picture-alliance/ dpa | Christian Hager
Schlagwörter
Bildrechte: picture-alliance/ dpa | Christian Hager
Bildbeitrag

Belohnungssystem, Knuspersound und Suchtgefahr: Das Geheimnis der Chips

Bildbeitrag
> Wissen >

Chips: Warum wir nicht aufhören können zu knabbern

Chips: Warum wir nicht aufhören können zu knabbern

Der Vorsatz, sich zurückzuhalten, kann noch so fest gefasst sein: Kaum ist die Chipstüte geöffnet, fallen alle Hemmungen und man kann die "Fressattacke" nicht mehr stoppen. Aber warum ist das so, dass es beim Chipsessen kein Halten mehr gibt?

Über dieses Thema berichtet: aktiv und gesund am .

Chips – einmal angefangen, gibt’s kein Zurück. Im Schnitt verknuspern die Menschen in Deutschland laut Statista-Prognose für 2025 (externer Link) rund 1,13 Kilo Chips pro Kopf. Doch warum sind die Dinger so unwiderstehlich, dass wir selbst mit vollem Bauch immer wieder in die Tüte greifen?

Chips haben das perfekte Suchtmischungsverhältnis

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Erlangen haben Chips buchstäblich auseinandergenommen – und stießen auf die perfekte Mischung: 55 Prozent Kohlenhydrate, 30 Prozent Fett und der Rest Salz, Zucker, Gewürze und Aromen. Genau diese Kombination trifft unser Belohnungssystem mitten ins Schwarze, so die Max-Planck-Gesellschaft (externer Link). Im Rattenversuch zeigte sich: Auch satt nagen die Tiere weiter – sobald Chips auf dem Speiseplan stehen, wie eine Studie von Hoch et al. (externer Link) belegt.

Chipskonsum: Evolution gegen Selbstkontrolle

Was heute zum Problem wird, war früher ein Überlebensvorteil, denn Kohlenhydrate liefern schnell Energie und Fett versorgt uns langfristig. Da die Menschheit über Jahrtausende in Mangelsituationen lebte, ist das Verlangen nach kalorienreicher Nahrung tief verankert. Energie zu speichern, war überlebenswichtig. Das Chips-Verhältnis trifft diesen Urinstinkt so perfekt, dass unser Gehirn kurzerhand das Sättigungsgefühl übergeht.

Je frischer das Knacken beim Chipsessen, desto appetitlicher

Doch nicht nur Fett und Kohlenhydrate machen Chips unwiderstehlich – auch das Knacken und Knuspern spielt eine Rolle. Das belegt eine Studie von Zampini & Spence (externer Link), die einen direkten Beleg dafür liefert, dass der Knacks-Sound die Wahrnehmung von Frische und Knusprigkeit beeinflusst. Je höher die knackenden Frequenzen beim Abbeißen, desto frischer wirkt der Snack. Lebensmitteltechnologen tüfteln deshalb gezielt am Sound. Dafür wird der Backprozess angepasst, bis das Ohr quasi "Frische" hört.

Wenig Chips naschen: So kann es (vielleicht) gelingen

Ganz auf Chips verzichten? Das muss nicht sein. Ein paar Kniffe können helfen, nicht gleich die ganze Tüte zu verputzen:

  • Kleine Portionen: Chips in eine kleine Schale füllen, nicht aus der Tüte essen.
  • Appetit aufschieben: Kommt der Heißhunger, zehn Minuten warten und ein Glas Wasser trinken – oft vergeht die Lust oder wird schwächer.
  • Satt statt hungrig snacken: Regelmäßig essen, um Heißhunger und Kontrollverlust zu vermeiden.
  • Achtsam knabbern: Geschmack, Knacken und Textur bewusst wahrnehmen – nicht nebenbei vor dem TV.
  • Verführung wegräumen: Chips außer Sichtweite lagern und gesunde Snacks griffbereit haben.

Ob diese Tipps helfen, muss jede und jeder für sich selbst ausprobieren. Klar ist: Chips sind mehr als nur ein Snack – sie wirken durch ein raffiniertes Zusammenspiel aus neurobiologischen Reaktionen im Belohnungssystem und psychologischen Anreizen wie Gewohnheit und Sinneseindrücken. Kein Wunder also, dass es so schwerfällt, zu widerstehen.

Auch wenn viele Studien zum Chipskonsum schon älter sind: Ihre Kernergebnisse gelten nach wie vor. Chips zählen weiterhin zu den beliebtesten Snacks – und damit bleiben auch Fragen rund um Ernährung, Gesundheit und Übergewicht aktuell.

Im Video: Unwiderstehliche Chips (ab Minute 18:15)

Kartoffelchips in der Nahaufnahme
Bildrechte: colourbox.de
Videobeitrag

Unwiderstehliche Chips

Die Top-Themen aus Europa - hier klicken!

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!