2014 von einem Sondengänger in Schottland entdeckt: der Galloway-Hoard, ein Depotfund und wikingerzeitlicher Schatz mit silbernen Armreifen, Fibeln, Goldschmuck und weiteren Stücken.
2014 von einem Sondengänger in Schottland entdeckt: der Galloway-Hoard, ein Depotfund und wikingerzeitlicher Schatz mit silbernen Armreifen, Fibeln, Goldschmuck und weiteren Stücken.
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2014 von einem Sondengänger in Schottland entdeckt: der Galloway-Hoard, ein Depotfund.
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2014 von einem Sondengänger in Schottland entdeckt: der Galloway-Hoard, ein Depotfund.

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Hortfunde: Warum Menschen ihre Schätze zerstörten und vergruben

Hortfunde: Warum Menschen ihre Schätze zerstörten und vergruben

Münzen im Boden, verbogene Schwerter und ganze Boote im Moor versenkt: Archäologen aus ganz Europa rätseln über immer mehr solcher Deponierungen. Sind es Schätze, Rohstofflager, rituelle Opfer? Die zunehmenden Funde stellen gängige Deutungen infrage.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Schwerter, Speere, Schilde mit vergoldeten Beschlägen und Edelsteinen – gut 12.000 Gegenstände, zerstört und im Moor entsorgt: Der 1950 entdeckte Fund von Illerup in Dänemark [externer Link] gehört zu den spektakulärsten sogenannten Hortfunden Nordeuropas. Ebenso eindrucksvoll: Über 930 römische Denare, mehr als drei Kilogramm Silber, bis 2025 verborgen im heutigen Nordrhein-Westfalen. Seit Jahrzehnten versuchen Archäologen diese und ähnliche Deponierungen zu deuten.

Hortfunde gibt es quer durch alle Epochen, schon seit der Steinzeit. Als Hortfund bezeichnen Archäologen Objekte, die einst bewusst vergraben, versenkt oder auf andere Art absichtlich niedergelegt wurden. Lange galten sie als etwas Besonderes, weil sie im Vergleich zu Grab- oder Siedlungsfunden sehr selten waren. Doch seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Hortfunde aus späteren Epochen wie der Bronze- und Eisenzeit rasant zu.

Schätze und Depots im Boden: Mehr Funde durch Metalldetektoren

"Was die Welt für uns völlig verändert hat, ist der enorme Fundzuwachs durch die Benutzung von Metalldetektoren", sagt der Archäologe Claus von Carnap-Bornheim von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Der Grund: In den letzten gut zwei Jahrzehnten sei es weltweit sehr beliebt geworden, dass Menschen mit Metalldetektoren nach verborgenen Schätzen suchen. 2014 etwa entdeckte ein Sondengänger in Schottland den sogenannten Galloway-Hoard [externer Link]: einen wikingerzeitlichen Schatz mit silbernen Armreifen, Fibeln, Goldschmuck und weiteren Stücken.

Doch durch Sondengänger treten Funde an Orten zutage, an die Archäologen bisher nur selten kommen, wie etwa in Wälder oder auf Berge. Und das wandelt auch das Bild der Vergangenheit. Denn je mehr solcher bewusst angelegten Depots entdeckt werden, desto klarer wird: Einfache Schubladen wie "Opfergabe" oder "versteckter Schatz" greifen zu kurz. Gerade vermeintliche Opfergaben müssen neu betrachtet werden.

Hortfunde: Horte als Botschaft an die Gemeinschaft

Lange galt in der Archäologie eine klare Faustregel: Was später wieder erreichbar war – etwa ein Münzschatz im Boden – wurde als "ökonomisch" gedeutet, also als Notreserve oder Rohstofflager. Was dagegen unzugänglich niedergelegt wurde, etwa in Mooren oder Flüssen, galt meist als rituelles Opfer. Spektakuläres Beispiel ist ein komplettes Boot, das im 3. Jahrhundert im Nydam-Moor in Jütland bewusst niedergelegt worden ist [externer Link].

Doch der einfache Gegensatz "Schatz oder Opfer" greift zu kurz, findet Andreas Rau vom Leibniz-Zentrum für Archäologie am Standort Schleswig. Für ihn steckt mehr dahinter. "Eine Opfergabe ist ja erstmal nur scheinbar an eine Gottheit gerichtet. Im Kern ist sie ein soziales Statement von den Leuten, die das niederlegen."

Vom reinen Fund zur Biografie einer Deponierung

Um solche Botschaften zu entziffern, reicht es nicht, nur den Fundort zu betrachten. Rau und andere Forschende analysieren daher heute viel systematischer den Kontext: Liegt ein Hort an einem markanten Punkt in der Landschaft, etwa an einem Übergang, in einem Grenzbereich oder bei einer besonders auffälligen Geländeformation? Häufen sich Funde in bestimmten Regionen? Und was verrät der Inhalt selbst?

Andreas Rau spricht von einer "Biografie des Horts": Stammt der Inhalt aus dem Besitz einer einzelnen Person, einer Familie oder einer größeren Gruppe? Welche Abnutzung zeigen die Stücke – sind es alte, reparierte Objekte oder nahezu neue? Gibt es "Exotika", also Gegenstände aus fernen Regionen oder fremden Kulturen? Solche Details helfen, die soziale und politische Bedeutung zu verstehen.

Deponierte Schätze waren oft Machtbeweise

Im Fall der zerstörten Waffen von Illerup sieht Claus von Carnap-Bornheim darin eine mögliche Machtdemonstration: Triumph über besiegte Feinde, öffentlich inszeniert. "Ich brauche die Opferung dieser Materialien in einer großen Öffentlichkeit, um aus meinem militärischen Erfolg einen politischen Erfolg zu machen", sagt er. Die Deponierung werde zur Manifestation des Sieges.

Entscheidend war dabei wohl das Ereignis des Deponierens selbst: um damit Macht oder Territorien zu markieren, um Erinnerungen für eine Gemeinschaft zu erschaffen. Es ging weniger um den materiellen Wert, den Archäologen wie Sondengänger heute aus dem Boden holen.

Fluch und Segen von Sondengängern mit Metalldetektoren

Insofern sehen Wissenschaftler wie Claus von Carnap-Bornheim den Fortschritt in der Forschung mit gemischten Gefühlen: Denn mehr Funde durch Metalldetektoren bedeute auch mehr illegale Ausgrabungen. Und die zerstören meist die wichtigen archäologischen Zusammenhänge, um den sozialen und politischen Botschaften weiter auf die Spur zu kommen.

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