Theresa im Portrait. Im Hintergrund Kühe auf einer Weide. Theresa ist Tierärztin in einer Großtierpraxis im Nürnberger Land.
Theresa im Portrait. Im Hintergrund Kühe auf einer Weide. Theresa ist Tierärztin in einer Großtierpraxis im Nürnberger Land.
Bild
Unterwegs als Großtierärztin: Ein Blick in den Berufsalltag. Ein Film von Sabine Pusch-Linhardt
Bildrechte: BR: Joana Lenz, Robin Geigenscheder; Hintergrund: copyright: adobe stock / alphafotos
Schlagwörter
Bildrechte: BR: Joana Lenz, Robin Geigenscheder; Hintergrund: copyright: adobe stock / alphafotos
Videobeitrag

Unterwegs als Großtierärztin: Ein Blick in den Berufsalltag. Ein Film von Sabine Pusch-Linhardt

Videobeitrag
> Wissen >

Joballtag einer Großtierärztin: Zwischen Notfall und Routine

Joballtag einer Großtierärztin: Zwischen Notfall und Routine

Großtierärztin Theresa ist immer dort, wo Tiere Hilfe brauchen. Im Einsatz auf Bauernhöfen behandelt sie Rinder, Pferde und Ziegen, begleitet Geburten und hilft in Notfällen. Ein spannender Einblick in ihren außergewöhnlichen Berufsalltag.

Über dieses Thema berichtet: alpha Uni am .

Schon früh am Morgen klingeln in der Großtierpraxis von Theresa und ihrer Kollegin mehrere Telefone gleichzeitig. Landwirte melden Besamungen an, Pferdebesitzer schicken Videos mit auffälligen Symptomen. Gleichzeitig müssen Termine koordiniert und Fahrtrouten geplant werden. Welche Tierärztin der Gemeinschaftspraxis im Nürnberger Land fährt wohin? Wer braucht das Röntgengerät, wer das Blutanalysegerät?

Großtierärztin im Alltag: Kein Tag ist planbar

Welche Patienten Theresa im Laufe des Tages besucht, entscheidet sich oft erst kurzfristig. "Manchmal stehen am Vorabend nur ein oder zwei Termine im Kalender", erzählt Theresa. Am nächsten Morgen können dann aus dem vermeintlich entspannten Tag dutzende Termine und ein komplett neuer Tagesplan werden.

Großtierärztin werden: Theresas Traumberuf

Die Praxis betreut rund 50 landwirtschaftliche Betriebe sowie zahlreiche Hobbytierhalter in Bayern. Zu ihren Patienten gehören Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Alpakas und auch Hühner. Für Theresa ist der Beruf als Großtierärztin ein Traumberuf: "Ich mag die Arbeit mit Tieren, weil sie einem immer wirklich viel zurückgeben. Für mich war eigentlich immer klar: Es muss Tiermedizin sein. Es gab gar keinen richtigen Plan B."

Großtiermedizin: Jeden Tag andere Tiere und andere Fälle

Die Einsätze könnten unterschiedlicher kaum sein. Der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Tierarten gehört für Großtierärzte zum Alltag. "Am Anfang bin ich wirklich manchmal durcheinandergekommen - beispielsweise mit Schaf und Ziege", lacht Theresa.

Am Vormittag untersucht sie das zu früh geborene Ziegenjungtier Fridolin, das sich trotz seines schwierigen Starts gut entwickelt. Am Nachmittag stehen ein Pferd mit Augenproblemen, ein Pony zur Blutkontrolle sowie ein Schafbock mit einer Fehlentwicklung auf dem Plan.

Trächtigkeitsuntersuchung bei Kühen: Arbeit im Stall

Auf einem Milchviehbetrieb stehen außerdem mehrere Trächtigkeitsuntersuchungen an. Dabei wird zunächst der Uterus ertastet, anschließend kontrolliert Theresa mit einem Ultraschallgerät, ob ein Kalb zu sehen ist. Wer dabei an das typische Bild eines Großtierarztes mit dem Arm in der Kuh denkt, liegt richtig - ein Teil des Berufs, der am Anfang Überwindung kostet: "Nach der tausendsten Kuh wird es einfacher, das ist einfach so. Das ist natürlich etwas, was man im Studium nur theoretisch lernt", sagt Theresa.

Großtiermedizin: Körperlich anstrengender Beruf

Diese Arbeit verlangt nicht nur Erfahrung, sondern auch Kraft. "Trächtigkeitsuntersuchungen sind einfach unfassbar anstrengend", sagt Theresa. Gerade am Anfang habe sie unterschätzt, wie belastend diese Untersuchungen wirklich seien. Zu Beginn ihrer Laufbahn fiel es ihr schwer, Grenzen zu setzen. Nach stundenlangen Untersuchungen schmerzten ihr tagelang die Arme. Heute weiß sie, wie viele Tiere an einem Termin realistisch zu schaffen sind und wann ein Einsatz beendet werden muss.

Tiermedizin bedeutet auch viel Bürokratie

Ein großer Teil des Berufs findet nicht im Stall, sondern am Schreibtisch statt. Medikamente, Behandlungen und Abgabebelege müssen sorgfältig dokumentiert werden. Gerade in der Großtierpraxis gelten strenge Vorgaben, weil Nutztiere Teil der Lebensmittelkette sind. Selbst für Fridolin muss ein Abgabebeleg erstellt werden, obwohl er vermutlich nie als Nutztier auf dem Teller landen wird. Bürokratie gehört in der Großtierpraxis zum festen Alltag.

Empathie in der Großtiermedizin: Arbeit mit Mensch und Tier

Tierhalter begleiten ihre Tiere oft über viele Jahre und sorgen sich entsprechend. Gleichzeitig reagieren auch die Patienten ganz unterschiedlich auf Untersuchungen und Behandlungen. Für Theresa ist deshalb Empathie die wichtigste Eigenschaft in ihrem Beruf: Sie müsse sich sowohl in die Situation der Menschen als auch der Tiere hineinversetzen können. "50 Prozent meines Berufs haben wahrscheinlich mit Tieren zu tun und 50 Prozent mit Menschen", meint Theresa.

Großtierärztin im Einsatz: Wenn der Tag nicht endet

Genau diese Mischung macht den Beruf für sie aus. Kein Tag ist planbar, jede Behandlung ist anders und oft endet der Feierabend später als gedacht. Als der Arbeitstag eigentlich schon vorbei scheint, kommt die Nachricht aus der Praxis: Der lang erwartete Impfstoff ist endlich angekommen. Statt Feierabend warten also noch 70 Rinder auf ihre Impfung. Für eine Großtierärztin endet der Tag oft erst dann, wenn auch der letzte Patient versorgt ist. Dafür kann Theresa jeden Tag das tun, was sie schon als Kind wollte: Tieren helfen.

alpha Uni auf YouTube: Wie ist es, Tiermedizin zu studieren?

Wie ist es, Jura zu studieren? Wie läuft der Berufseinstieg als Psychologin? Auf dem YouTube-Kanal "alpha Uni" gibt der BR jede Woche echte Einblicke in Studium und Beruf. Ehrlich und direkt, von denen, die es wissen müssen!

Die Top-Themen aus Europa - hier klicken!

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!